Unzumutbare Zustände herrschen im Asylheim in Bottmingen: Das zumindest findet eine Bewohnerin des Hauses an der Baslerstrasse 42. «Es war über Wochen eiskalt. Die Heizung funktioniert nun schon den zweiten Winter nicht richtig», sagt Helen Mehari.

Die 23-jährige Eritreerin wohnt seit Mai 2017 gemeinsam mit ihrem zweijährigen Knaben in einem kleinen, schlecht isolierten Zimmer unterhalb des Dachstocks. Sie und ihr Kind hätten im Januar und Anfang Februar Abend für Abend in dicker Jacke und Kappe gehüllt im Zimmer zugebracht.

Und auch wenn zuletzt die Frühlingssonne tagsüber für Wärme sorgte – eine gute Heizung ist angesichts des Nachtfrosts noch immer unerlässlich. Wegen der Kälte seien sie beide diesen Winter mehrmals krank gewesen, sagt Mehari.

Wasserhahn defekt

Gleich neben Mehari lebt eine Albanerin mit drei kleinen Kindern. Ihr gehe es ähnlich. Die beiden Frauen teilen sich mit ihren Familien auf dem Stock eine Toilette und eine Dusche. Der Wasserhahn in der Küche sei wochenlang defekt gewesen. «Ich machte einen Betreuer auf die Missstände aufmerksam. Er hörte nicht auf mich», klagt Mehari.

Nachdem die Familien den ganzen Winter gefroren hatten, sei die Heizung nun vor gut einer Woche instand gestellt worden. Zuvor hatte sich allerdings Meharis Arbeitgeber, der Basler Gastronom Michael Rüedi, eingeschaltet und sich lauthals bei der Gemeinde beschwert.

Dort stellt man die Situation mit der Heizung im Asylheim allerdings anders dar: Zwar sei es im Januar wohl während weniger Tage für die Bewohner unangenehm kalt gewesen, räumt die zuständige Gemeinderätin Lucia Mikeler (SP) ein. «Wir sind dem aber sofort nachgegangen», betont sie.

Zuvor wurden die Betreuer von einer anderen Bewohnerin auf anscheinend kalte Radiatoren aufmerksam gemacht. Die nachfolgende Überprüfung ergab: Sowohl Heizung als auch Radiatoren seien technisch stets funktionsfähig gewesen, sagt der Bottminger Gemeindeverwalter Martin Duthaler.

Zu den Gründen, weshalb es im Heim trotzdem kalt war, sagt er allgemein: Erfahrungsgemäss ergäben sich im Heimalltag immer wieder Schwierigkeiten durch unsachgemässe Bedienung der Infrastruktur. Zum Beispiel seien schon die Heizkörper komplett mit Kleidern zugedeckt worden, sodass der Temperaturregler nicht mehr funktionierte.

Demgegenüber betont Helen Mehari, dass sie seitens der Betreuer keinerlei Hilfe oder Tipps erhalten habe. «Ich werde nicht ernst genommen. Die Betreuer sind unfreundlich zu mir.»

Meharis Arbeitgeber Michael Rüedi, der im gemeinnützigen «Gemeinsam Café» im Kleinbasel seit knapp vier Jahren Flüchtlinge beschäftigt, kennt die Situation im Bottminger Wohnheim nicht im Detail. Allgemein sagt er: «Ich erlebe gegenüber den Asylbewerbern oft unterschwellig ignorantes Verhalten.» In Meharis Fall hätte er von den Betreuern rasche, unbürokratische Hilfe erwartet – zum Beispiel indem vorübergehend eine Elektroheizung ins Zimmer gestellt wird.

«Heim entspricht den Standards»

«Zentral ist, dass sich die Asylbewerber ernst genommen fühlen.» Letztere könnten sich wegen ihres Aufenthaltstatus und teilweise sprachlicher Barrieren nicht wehren. «Das ist nicht dasselbe, wie wenn bei Ihnen als Mieter die Heizung ausfällt», führt Rüedi vor Augen.

Er beschäftigt die junge Eritreerin seit vergangenem Juni und nimmt sie als sehr gewissenhafte Mitarbeiterin wahr. Sie sei in diesem Winter fünfmal schwer erkältet zur Arbeit erschienen.

Das Asylheim an der Baslerstrasse 42 ist ein älteres Gebäude, «in dem immer mal wieder etwas repariert werden muss, das aber grundsätzlich den gängigen Standards entspricht», wie Gemeinderätin Mikeler betont. Das Haus wurde 1999 von der Gemeinde erworben und beherbergt seither als grösste Asylunterkunft Bottmingens rund 20 Personen. 2011/12 wurden Innensanierungen durchgeführt.

Bottmingen betreut im Gegensatz zu einigen anderen Gemeinden die ihr zugeteilten Asylbewerber mit einem Team selber; dieses ist dem Bereich Soziale Dienste der Gemeindeverwaltung unterstellt.