In Allschwil ist die Baslerstrasse Gesprächsthema Nummer eins. Die Hauptverkehrsachse ist auf der Länge von über einem halben Kilometer aufgerissen. Das Problem laut Politikern und Eltern: Mehrere hundert Primarschülerinnen und -schüler müssen die Baugrube täglich überqueren. Dabei würden die Kinder immer wieder in brenzlige Situationen geraten – nicht nur wegen der Bagger und Lastwagen, auch die Platzverhältnisse seien prekär, vor allem bei den provisorischen Trottoirs, kaum einen Meter breit. Dort gebe es nur mobile Begrenzungen zur Strasse hin, das Tram fahre Zentimeter an den Fussgängern vorbei.

An der Sitzung des Einwohnerrats am Mittwochabend kam es zu hitzigen Voten an die Adresse des Gemeinderats. Die Gemeinde solle die Aufgabe der Sicherheit auf der Baustelle in die eigenen Hände nehmen, hiess es etwa von Seiten der SVP-Fraktion (siehe bz von gestern). Der Kanton als Bauherr sei dieser Aufgabe nicht gewachsen.

Gemeinderat Franz Vogt (CVP) sagte jedoch, dass er die Situation nicht für übermässig gefährlich halte. Es gebe Sicherheitspersonal vor Ort, Umleitungen und Wege seien markiert, und man stehe mit dem Kanton im Gespräch. «Eine Baustelle bleibt halt eine Baustelle», sagte Vogt. «Sie ist nie perfekt.»

Kindern mehr zutrauen?

Dann wurde Vogt grundsätzlich. Er liess durchblicken, dass er gewisse Sorgen für übertrieben halte. «Die Kinder werden gerne unterschätzt. Sie wissen sehr wohl, was gefährlich ist und was nicht.» Primarschülern könne man die Überquerung – nach Instruktion und unter wachsamen Augen von Lotsen – durchaus zutrauen. Wer an einer Baustelle vorbei komme, schärfe seine Sinne, sagte Vogt. Kinder seien dazu auch in der Lage.

Gar nicht einverstanden mit dieser Einschätzung ist ein Dutzend Allschwilerinnen und Allschwiler, die dem kantonalen Tiefbauamt vergangene Woche einen Brief schickten. «Selbst für die Erwachsenen ist die Baustelle nicht mehr übersichtlich, mit dem Strassenverkehr, mit den Autos, Velofahrern, Lastwagen, Trams, Bussen und den fehlenden Gehsteigen, den Absperrungen und den Baufahrzeugen», heisst es im Schreiben. Zwar sei Aufsichtspersonal vor Ort, aber nicht durchgehend.

Auch viele Lehrpersonen würden den Schulweg, wie er sich präsentiere, «als gefährlich und verantwortungslos» einschätzen. Die Lotsen seien etwa über Mittag in der Pause. Gerade dann würden jedoch ganze Trauben von Schülern die Strasse überqueren.

Schule erreichte Verbesserungen

Am stärksten betroffen von den Arbeiten ist die Primarschule Neuallschwil. Von Seiten Schulleitung zeigt man sich jedoch zufrieden mit den Verbesserungen. «Wir sind vor rund zwei Wochen auf den Kanton zugegangen und haben ihm die Probleme mitgeteilt. Er hat rasch und gut reagiert», sagt Schulleiterin Regine Smit zur «Schweiz am Wochenende». Der Kanton hat laut Smit zusätzliche Lotsen aufgeboten, die auch während den Stosszeiten zum Rechten schauen würden. Der Info-Flyer für die Schüler sei zudem überarbeitet worden.

Die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) bestätigt diese Angaben. So kämen seit Mittwoch drei neue Lotsen an neuralgischen Punkten zum Einsatz. Der überarbeitete Flyer werde in den kommenden Tagen verteilt. «Die Sicherheit hat für uns oberste Priorität», sagt Nico Buschauer, Sprecher der Baudirektion. Bislang habe er zum Glück keine Kenntnisse von Zwischenfällen oder Verletzten.

Miriam Schaub ist Mutter und wohnt gleich bei der Baslerstrasse. Sie sagt, zumindest die Absperrung des provisorischem Trottoirs zum Tram hin müsse besser sein. «Gerade Kinder sind häufig abgelenkt und achten nicht auf den Verkehr. Jetzt markieren Leitbaken den Trottoirrand. Das genügt nicht.»