Ein Fahrplanwechsel mit Angebotsveränderungen ist jeweils wie das alternative Zusammensetzen eines erweiterten Riesenpuzzles, bei dem am Schluss aber wieder alle Teile zueinander passen sollten. Während das neuste Puzzle, das per Mitte letzten Dezember grössere Umwälzungen auf dem Bahnnetz und vor allem der Ostschweiz Verbesserungen brachte, für die SBB passt, beklagen sich im Raum Basel nun erste Fahrgäste über Verschlechterungen. Nicht, weil weniger Züge fahren, sondern weil deren Komfort nachgelassen habe.

So soll zum Beispiel der frühmorgendliche Entlastungszug von Olten nach Basel, der 7.17 Uhr in Basel ankommt, seit dem Fahrplanwechsel nicht mehr als Doppelstockzug, sondern mit veraltetem, einstöckigem Rollmaterial geführt werden. Dies mit der Konsequenz, dass es viel zu wenige Sitzplätze gebe. Und auch aus dem Laufental kommen Reklamationen, weil die bisherigen ICN-Doppeltraktionszüge zwischen Basel und Biel in der Regel nur noch als Einfachkomposition mit entsprechend kleinerem Platzangebot verkehren. Und da ist der Verdacht nicht mehr fern, dass die Region Basel komfortmässig zugunsten anderer Landesteile bluten muss.

Privileg ist zu Ende gegangen

Eva Juhasz, öV-Delegierte des Kantons Baselland, sind die Platznot-Klagen aus dem Laufental auch bekannt. Sie verweist darauf, dass die SBB zu Spitzenzeiten zwischen Basel und Delémont Entlastungszüge anbieten, der Kanton beim Fernverkehr aber grundsätzlich keinen Einfluss auf die SBB nehmen könne. Beim Regionalverkehr, bei dem der Kanton als Besteller auftritt, habe es hingegen mit dem Fahrplanwechsel keine Änderungen gegeben, auch nicht beim eingesetzten Rollmaterial, versichert Juhasz. Letzteres ändere die SBB nur in Ausnahmefällen aus betrieblichen Gründen.

SBB-Mediensprecher Reto Schärli bestätigt: «Im Regionalverkehr sind einige Züge mit mehr Kompositionen als vor dem Fahrplanwechsel unterwegs, Verkürzungen gab es nirgends. Sonst ist das Rollmaterial heute gleich wie vor dem Wechsel.» Es gebe allerdings eine Ausnahme, ergänzt Schärli: «Der Zug Nummer 17042 von Olten nach Basel wird seit dem Fahrplanwechsel tatsächlich nicht mehr als Doppelstockzug geführt. Dabei handelt es sich aber um einen Verstärkungszug während der Hauptverkehrszeit, und bei solchen Zügen sind doppelstöckige Wagen schweizweit die Ausnahme.»

Denn normalerweise setzt die SBB Doppelstockwagen im Fernverkehr ein. Werden sie dort während eines gewissen Zeitfensters nicht gebraucht, so kommt der Regionalverkehr zum Handkuss. Und das war bei besagtem Morgenzug während der letzten Jahre der Fall, weil er laut Schärli erst nach 7.30 Uhr nach Chur zum Einsatz gekommen ist.

Damit ist seit dem Fahrplanwechsel aber Schluss; stattdessen besteht der Zug Nummer 17042 jetzt aus den sogenannten Einheitswagen 2, die nicht gerade aus der bahntechnischen Steinzeit, aber etwa aus der Bronzezeit stammen. Schärli verspricht: «Selbstverständlich wollen wir genügend Sitzplätze anbieten, das natürlich auch zwischen Basel und Biel. Wir beobachten die Situation deshalb sehr genau und behalten uns Verstärkungsmassnahmen vor.» Ende Januar werde man eine erste Bilanz ziehen. Dass die ICN-Züge auf der Juralinie nur noch als Einfachtraktion geführt werden, hat damit zu tun, dass der Bedarf nach diesen Neigezügen auf der Ost-West-Achse gestiegen ist.