«Der Pendlerverkehr durch das Dorf nimmt Jahr für Jahr zu», sagt der Sissacher Gemeindepräsident Peter Buser. Das sieht FDP-Landrätin Saskia Schenker genauso: Je länger je mehr sei der Ortskern vom Durchgangsverkehr ab der Umfahrung A22 ins Diegtertal belastet. «An Arbeitstagen staut sich abends der Verkehr auf der Sissacher Hauptstrasse.»

Und am Morgen sieht es nicht besser aus. Schenker und Buser sind sich einig: «Längerfristig braucht es eine bauliche Lösung.» Heisst: Es ist Zeit für eine neue Umfahrung.

Sissachs Verkehrsprobleme scheinen eigentlich längst gelöst. Nach einer harzigen Bauphase mit verschiedenen Zwischenfällen war der Chienbergtunnel, der die Gemeinde umfährt, 2006 endlich mit Pauken und Trompeten eröffnet worden. Der Ortskern war deutlich entlastet, eine verkehrsberuhigte Begegnungszone wurde eingerichtet. Kehrseite der Medaille: Mit dem Umfahrungstunnel wurde die Verkehrsanbindung des Oberbaselbiets in Richtung Basel deutlich verbessert. Das löste einen Bauboom aus – und damit eine deutliche Zunahme des Pendlerverkehrs. Selbst die Nachbargemeinde Itingen ist mittlerweile mit Durchgangsverkehr belastet.

FDP-Landrätin Schenker und ihre Mitstreiter wollen nun Druck beim Kanton machen. Mit einem parlamentarischen Vorstoss fordern sie eine neue Umfahrung. Konkret: eine Bahnunterführung von der Hauptstrasse am westlichen Ortseingang hinüber zur Itingerstrasse beim Schloss Ebenrain. «Eine solche Verbindungsstrasse würde unser Problem sicher teilweise lösen und den Ortskern entlasten», ist Gemeindepräsident Buser überzeugt. «Wir unterstützen deshalb die Forderung im Landrat auch.»

Rasche Besserung nicht in Sicht

Die Verbindungsstrasse ist denn auch bereits im kantonalen Richtplan aufgeführt. Und dennoch ist die sogenannte Netzen-Unterführung noch reine Zukunftsmusik. Bisher seien noch keinerlei Voruntersuchungen zur möglichen Umsetzung oder zu allfälligen Kosten vorgenommen worden, sagt Nico Buschauer von der zuständigen Bau- und Umweltschutzdirektion. Der Planungshorizont ist denn auch gemäss Richtplan länger als 15 Jahre. Ziel aber bleibt die Entlastung des Sissacher Dorfkerns sowie von Wohnquartieren in Sissach und Itingen vom Durchgangsverkehr.

Auf rasche Besserung wagt Buser kaum zu hoffen: «Wir sind immer wieder darauf hingewiesen worden, dass wir ja bereits den Chienbergtunnel erhalten haben», sagt der Gemeindepräsident. Gegen den Durchgangsverkehr aus dem Diegtertal aber nütze der bestehende Umfahrungstunnel gar nichts. Dazu brauche es die neue Verbindungsstrasse, betont Buser: «Und diese würde ja dann der Bevölkerung im ganzen Tal dienen.»