Überraschende Wende in Zullwil: Der zurückgetretene und nicht mehr in den Gemeinderat gewählte Roger P. Hänggi will nun doch Gemeindepräsident werden. Vor einer Woche sagte er noch, dass er mit der Politik in Zullwil abgeschlossen hätte. „Zum Wohl der Gemeinde“, nennt Hänggi einen Grund für seine Kandidatur. Doch dahinter steckt mehr.

Das Protokoll eines Paukenschlags im beschaulichen Zullwil: Sonntagabend ruft Roger P. Hänggi einen Vertreter der FDP Zullwil an und informiert diesen, dass er trotzdem zur Wahl des Gemeindepräsidenten antreten will. Die FDP, welche mit einer eigenen Gemeinderatsliste dazu beigetragen hat, dass Hänggi nicht mehr in den Gemeinderat gewählt wurde, musste reagieren.

Und sie tat es: Am nächsten Tag werden Verhandlungen geführt. Am Schluss wird Hans-Rudolf Schneebeli als Gemeindepräsidentenanwärter aufgestellt. Er hatte am Sonntag vor einer Woche den Einzug in den Gemeinderat verpasst. Schneebeli wird offiziell als Kandidat der Liste Pro Zullwil und nicht mehr als FDP-Kandidat auftreten. „Wir mussten dies so machen, weil sonst bei einer allfälligen Wahl der neu gewählte Pascal Helfenfinger den Rat wieder hätte verlassen müssen“, so Esther Wunderlin vom Komitee Pro Zullwil, das auch hinter der FDP-Gemeinderatsliste stand.

Silver Hänggi muss aus dem Rat

In der Tat: Wird nun Schneebeli gewählt, muss Silver Hänggi den Rat verlassen. Dasselbe Schicksal droht ihm, wenn Roger P. Hänggi gewählt wird. Das heisst: Der momentane Gemeindevizepräsident wird aus dem Rat ausscheiden. Roger P. Hänggi sagt, dass er mit Silver Hänggi darüber gesprochen habe und dies für Letzteren kein Problem darstelle. Silver Hänggi war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

Eine verworrene Sache, die sich erst auf den zweiten Blick auflöst. Roger P. Hänggi spricht von ermunternden Gesprächen mit Leuten, die ihn dazu bewogen hätten trotzdem als Gemeindepräsident zu kandidieren.

Er betont, dass sein Vorgehen keine Taktik war und er wirklich vorhatte, nicht zur Gemeindepräsidentenwahl anzutreten. Doch es gibt noch einen konkreten Grund für sein Umdenken: „Ich wollte meinem Gegenspieler Roland Häner nicht kampflos das Gemeindepräsidium überlassen.“ Häner steht unter anderem hinter dem Komitee Pro Zullwil. Zwischen ihm und Hänggi ist ein erbitterter Streit ausgebrochen. Häner ist 2015 mit zwei anderen Gemeinderäten aus dem Rat zurückgetreten.

Der offizielle Grund damals: Gemeindepräsident Roger P. Hänggi hatte eine dringliche Motion eingereicht, die eine Verlagerung der Gemeindeverwaltung nach Breitenbach anregte. Doch die Streitereien zwischen Hänggi und Häner schwelen seit längerer Zeit. Dass es der Plan der FDP gewesen sein soll, Häner überraschend zur Wahl ins Gemeindepräsidium aufzustellen, dem widerspricht Wunderlin: „Die Einwohner von Zullwil wissen seit über zwei Jahren, dass er kein politisches Amt mehr ausüben wird.“ Und dass Hänggi diese Aussage ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt in Frage stellt, sei äusserst irritierend.

Das Ziel des Komitees war klar: „Wir wollten, dass der Gemeinderat selber einen Präsidenten wählt“, so Esther Wunderlin. Esther Wunderlin und das Komitee stellen indes eine klare Forderung: „Wir erwarten, dass Roger P. Hänggi den eindeutigen Willen der Zullwilerinnen und Zullwiler endlich akzeptiert und nicht mehr als Gemeindepräsident antritt.“

Hänggi nun für die SVP

Hänggi ist froh, dass es nun überhaupt zu einer Wahl kommt. „Es ist zwar jetzt keine Wahl zwischen mir und Häner, wie ich es mir gewünscht hätte“, so Hänggi. Doch immerhin hätten die Zullwilerinnen und Zullwiler nun die Chance zu wählen. Hätte er die FDP nicht informiert, wäre es wohl zu gar keinem Wahlkampf gekommen, meint Hänggi. Doch er sagt auch: „Jetzt haben wir den Schlamassel wieder.“ 

Roger P. Hänggi tritt nun für die SVP und nicht mehr für die gemeinsame Liste an, die ihn in den Gemeinderat bringen sollte. „Ich wollte Farbe bekennen“, so Hänggi. Schliesslich sei er überhaupt erst in die SVP eingetreten, nachdem sich der Machtkampf mit der FDP und Roland Häner zugespitzt hatte.