Er gilt als einer der Architekten der bikantonalen Trägerschaft der Universität Basel und er prägte deren Wachstumskurs in den letzten Jahren: Ueli Vischer. Der 65-Jährige präsidiert seit September 2005 den Universitätsrat, das oberste strategische Gremium der Uni. Vischer ist eine der grossen Figuren im politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt: ehemaliger Regierungsrat, Verwaltungsratspräsident der Messe Schweiz, Partner im Anwaltsbüro Vischer, einer der renommiertesten Kanzleien der Schweiz.

Strategiewechsel mit neuem Chef

Demnächst wählen die Regierungen beider Basel den elfköpfigen Universitätsrat für die Amtszeit 2018 bis 2021. In diesem Zusammenhang wird Ueli Vischer als Präsident infrage gestellt. Dies insbesondere von bürgerlichen Kräften im Baselbiet: Der Landkanton sei seit zehn Jahren gleichberechtigter Miteigentümer der Uni, sagt Rolf Richterich, FDP-Fraktionschef im Landrat. «Es ist nun an der Zeit, dass der Präsident dieses wichtigen Gremiums auch mal aus dem Kanton Baselland kommt», fügt er an. Das war noch nie der Fall. Auch SVP-Präsident Oskar Kämpfer hält einen Wechsel an der Spitze der Uni nach zwölf Jahren für angebracht. Er betont, dass er Respekt vor Vischer und dessen Leistungen habe. Aus Sicht Kämpfers ist nun aber ein Strategiewechsel nötig – dieser gelinge am besten mit neuem Personal. Gemeint ist der wegen der schlechten Finanzlage des Baselbiets geforderte Sparkurs für die Uni.

Die Aussagen der Baselbieter Bürgerlichen haben für sich noch kein riesiges Gewicht. Gewählt wird der Uniratspräsident schliesslich von den Regierungen beider Basel – gemeinsam. Die bz weiss: Die Besetzung des Ratspräsidiums ist im Rahmen der Verhandlungen der Regierungen zur Unifinanzierung sehr wohl ein Thema. Vischer sind die Diskussionen um seine Person spürbar unangenehm. «Die Regierungen sind frei, mich zu wählen – oder eben nicht», sagte er kürzlich im bz-Interview. Ob er bereit sei weiterzumachen, verrät Vischer auf erneute Nachfrage nicht. Sofern er von den Regierungen angefragt werde, werde er sich dann äussern.

Vischer als Advokat der Baselbieter

In Basel werden die Forderungen nach einer Blutauffrischung an der Uniratsspitze vorsichtig kommentiert: Oswald Inglin, CVP-Grossrat und Präsident der Bildungs- und Kulturkommission, hat Verständnis, dass der Partnerkanton, der jährlich rund 170 Millionen Franken an die Uni bezahle, seine Ansprüche anmelde. Diese gelte es ernst zu nehmen. Er frage sich aber, ob es so einfach und sinnvoll sei, Vischer jetzt zu ersetzen. «Ueli Vischer hat das für dieses wichtige Amt nötige Format. Er führt den Unirat mit vornehmer Zurückhaltung und mit klarem Kopf», sagt Inglin. Vischer verkörpere Kontinuität, das sei gerade in den struben Zeiten, in denen die Uni derzeit stecke, von Vorteil. Auch kann Inglin nicht nachvollziehen, weshalb der Ruf nach einem Baselbieter Präsident so laut geworden ist: «Vischer ist zwar auf dem Papier Basler, war und ist aber im Unirat gewiss nicht der schlechteste Advokat der Baselbieter Interessen», sagt Inglin. Er verweist auf die Bereitschaft Vischers, im Landkanton eine namhafte Fakultät anzusiedeln, was ja bei Studierenden und Professoren auf Skepsis stösst.

Pointierter äussert sich der kürzlich abgetretene Basler Erziehungsdirektor und LDP-Nationalrat Christoph Eymann. «Bezieht sich die Forderung aus dem Baselbiet darauf, dass der aktuelle Präsident weg muss, dann finde ich das nicht richtig», sagt Eymann. Etwas anderes wäre es, wenn Baselland bei der nächsten Vakanz einen eigenen Kandidierenden präsentieren würde. «Das wäre gewiss nicht unverschämt», sagt Eymann. Die federführenden Regierungsräte, Conradin Cramer (LDP, BS) und Monica Gschwind (FDP, BL) wollen sich nicht äussern. «Der Respekt vor dem aktuellen Präsidenten gebietet es, dass wir dieses Thema nicht öffentlich diskutieren», sagt Gschwind einzig.