Das taktische Manöver von Sabine Pegoraro könnte sich auszahlen. Dass die Baselbieter Baudirektorin, wie die bz gestern berichtete, an der nächsten Sitzung des Regierungsrates die Elba-Vorlage neu ohne die Variante «äussere Tangente» – also die Südumfahrung – vorlegt, stösst sogar bei bisherigen Befürwortern auf Verständnis. Dies vor allem, weil nun weniger Widerstand gegen die Initiative für eine Umfahrung Allschwil zu erwarten ist, die am 8. März zur Abstimmung kommt. Schliesslich schürten Südumfahrungs-Gegner wie CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter Ängste, dass die Umfahrung Allschwil bloss der erste Schritt zur Südumfahrung sei.

In Allschwil bedauert man es

«Ich bin nach wie vor für die äussere Tangente, aber immerhin lässt sich die Südumfahrung nun nicht mehr als Schreckgespenst missbrauchen, um gegen die Umfahrung Allschwil zu mobilisieren», sagt etwa FDP-Landrat Christoph Buser. Der Direktor der Wirtschaftskammer Baselland nennt Pegoraros Vorgehen «pragmatisch», die Umfahrung Allschwil prioritär zu behandeln. In der grössten Baselbieter Gemeinde selbst, die nur die entlastenden Effekte der als «Autobahn durchs Leimental» verteufelten Südumfahrung zu spüren bekäme, ist die Enttäuschung freilich grösser: «In Allschwil bedauern wir es alle», sagt FDP-Gemeinderat Robert Vogt zum Entscheid seiner Parteikollegin Pegoraro.

Dass bei der Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) nun nur noch die Varianten «Umbau bestehender Struktur» und «Ausbau» mit dem Teilprojekt «stadtnahe Tangente» (siehe Karte) dem Landrat vorgelegt werden sollen, habe er wegen des Drucks der Leimentaler Gemeinden allerdings geahnt. «Jetzt konzentrieren wir uns darauf, die reine Umbau-Variante zu verhindern», sagt Vogt. Der Allschwiler Alt-Landratspräsident Hanspeter Frey (FDP) sieht das ähnlich: «Der Umbau-Variante würden wegen des öV-Ausbaus ganze Strassenzüge zum Opfer fallen.» Er ist dezidiert der Meinung, dass einem Ja zur Umfahrung Allschwil am 8. März auch ein Ja zur Elba-Variante «Ausbau» folgen müsse. Schliesslich brauche es die Anschlusslösung der stadtnahen Tangente unter Binningen bis zum geplanten Gundelitunnel in Basel-Stadt, um den Verkehr vom Allschwiler Gewerbegebiet Süd/Paradies abzuleiten.

TCS fordert gemeinsame Planung

Dem widerspricht Kantonsingenieur Oliver Jacobi. «Die Umfahrung Allschwil funktioniert auch allein, ohne den letzten Teil der stadtnahen Tangente», sagt der Leiter des Baselbieter Tiefbauamtes. Der grösste Verkehrsstrom würde dann von Allschwil Süd über den Herrenweg und die Napoleonstrasse Richtung Oberwil auf die H 18 abgeleitet (auf der Karte in Orange). Zweifel bestehen auch, ob Basel-Stadt tatsächlich den Gundelitunnel realisiert. FDP-Grossrat Christophe Haller fordert als Präsident des TCS beider Basel eine rasche Umsetzung: «Der Nutzen für die ganze Region wäre gross.» Überhaupt wünscht sich Haller eine bikantonale Planung der Umfahrungsprojekte und sagt: «Die Koordination zwischen Baselland und Basel-Stadt läuft nicht gut. Wir blockieren uns gegenseitig.» Dass Pegoraro mit der Südumfahrung nun einen Stolperstein für die Umfahrung Allschwil aus dem Weg räumt, kann Haller nachvollziehen, auch wenn er langfristig nicht auf sie verzichten will.

Doch nicht alle rücken von ihrer Opposition ab: «Dass die Südumfahrung nun aus der Elba-Vorlage verschwindet, freut uns natürlich», sagt zwar Christine Koch. Die Aescher SP-Landrätin hält für ihre Partei aber auch fest: «Wir sind weiterhin für den Zubringer, aber gegen den Tunnel Allschwil.» Der Kanton habe höchstens die Mittel, um die geschätzten 180 Millionen Franken für den Zubringer von der Nordtangente zum Bachgrabengebiet zu stemmen, nicht aber die 250 Millionen für den Tunnel. Zudem fehle es an einer genauen Route. «Das ist alles zu vage», sagt Koch.

«Die Route können wir nicht einfach aus dem Ärmel schütteln», antwortet Vogt. Nach der Annahme der Initiative sei es an den Fachleuten des Kantons, diese festzulegen. Vogt weiss, dass diese Unsicherheit ein Nachteil ist: «Ich verstehe, wenn einige Anwohner Angst haben, dass die Strasse in ihrer Nähe gebaut wird, aber immerhin geht es nur um einen Tunnel.» Allzu sicher darf sich Taktikerin Pegoraro am 8. März also noch nicht sein.