Markus Brunner (SVP) schaut verdutzt nach links und rechts. Er hebt als einziger im Saal die Hand, als es darum geht, den Antrag der Gemeindekommission, die Erneuerung des Kunstrasens beim Sportplatz Margelacker für 500'000 Franken für das kommende Jahr aus der Investitionsrechnung zu nehmen. Der Präsident der Gemeindekommission steht aber alleine da. An ihrer Sitzung beantragte die Kommission noch überdeutlich mit zwölf gegen drei Stimmen die Streichung des Investitionspostens. Angesichts der klammen Finanzen habe diese Erneuerung keine Priorität.

Doch an der Gemeindeversammlung selbst wollten seine Kommissionskollegen plötzlich nichts mehr davon wissen und solidarisierten sich mit den Fussballern. Mit dieser Kehrtwende manövrierte sich die Gemeindekommission ins Abseits. Ein Raunen ging durch die Versammlung. Ob es sich da niemand mit dem mächtigen Fussballverein und seinen über tausend Mitgliedern verscherzen wollte? Markus Brunner jedenfalls war restlos bedient: «Das ist eine absolute Frechheit!»

Diskussion erübrigte sich

Eine Diskussion über den Kunstrasen war im Plenum gar nicht mehr nötig. Gemäss Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne) ist «der Kunstrasen ist am Ende seiner Bespielbarkeit angekommen». SV-Muttenz-Präsident Hans-Beat Rohr warnte vor einem Trainingsunterbruch für die über 30 Mannschaften im Winter und Hochsommer, wenn der Naturrasen nicht bespielbar und der Kunstrasen ganz kaputt ist. Hausammann sprach auch über die Umweltverträglichkeit eines Kunstrasens. Eine skandinavische Studie zeigte, dass Kunstrasen mit Granulatkörnern umweltschädlich seien. Der aktuelle Muttenzer Kunstrasen ist ein Rasenteppich und hat keine solche Körner. Ein Variantenentscheid für den neuen Kunstrasen sei aber noch nicht gefallen, sagte Hausammann. Die Tendenz gehe aber wieder in Richtung Rasenteppich.

Finanzchef Alain Bai (FDP) suchte auch nach Traktandum Kunstrasen die Offensive und machte in seinen Erläuterungen zum Aufgaben- und Finanzplan sowie zum Budget den Anwesenden Mut. Die Aussichten in der am stärksten verschuldeten Gemeinde im Kanton Baselland würden sich verbessern. Die 2018 lancierte Leistungsüberprüfung habe bereits Spuren hinterlassen. Für 2019 ergeben sich dadurch Verbesserungen auf der Einnahme- und Ausgabenseite von einer Million Franken. Auch die Steuereinnahmen erhöhen sich. Für das kommende Jahr plant Muttenz bei einem Gesamtaufwand von 88 Millionen Franken ein Defizit von knapp 400 000 Franken. Der Steuerfuss verbleibt bei 56 Prozent.

Umstrittene Sparmassnahmen

Mehrere Massnahmen dieser Leistungsüberprüfung waren an der Versammlung umstritten. Gemeindekommissionspräsident Markus Brunner bezeichnete die Erhöhung des Verzugszinses für das nicht fristgerechte Bezahlen der provisorischen Steuerrechnung von aktuell sechs auf sieben Prozent als «Wucher». Gemeinderat Alain Bai begründete die Massnahme auch mit der schlechten Zahlungsmoral der Steuerzahler.

Die Parkplatzbewirtschaftung beim Hallenbad und den Schulhäusern Donnerbaum und Gründen stiess der FDP sauer auf. Wie die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission forderte sie ein Gesamtkonzept, eine Parkraumbewirtschaftung für ganz Muttenz und nicht punktuell an einzelnen Standorten. Über beide Massnahmen liess Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) aber nicht abstimmen, da sie in der Kompetenz des Gemeinderats liegen.

Abgelehnt hat die Versammlung hingegen den Kauf einer mobilen Radaranlage für knapp 100'000 Franken. Damit wollte der Gemeinderat in den Quartierstrassen, wo gemäss Anwohnern vermehrt zu schnell gefahren werde, Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Auf Antrag der FDP wurde der Kauf gestrichen. Der Gemeinderat solle lieber prüfen, ob die Miete einer Radaranlage wie in Arlesheim nicht sinnvoller wäre. Durchgewunken wurde die Erhöhung der Feuerwehrdienstersatzabgabe von maximal 600 auf 700 Franken. Die Gemeindeversammlung wird heute Donnerstagabend fortgesetzt.