Seit bald einem halben Jahrhundert grübeln die Birsfelder über ihr nicht existierendes Zentrum. Unzählige Ideen wurden ausgetüftelt, um dem Geviert zwischen Kirchmattschule und Haltestelle Schulstrasse Charakter zu verleihen. Überhaupt will die Vorortgemeinde wegkommen von ihrem grauen Image. Es gab Umfragen, Studien, Potenzialauswertungen und Workshops – bisher ohne konkretes Ergebnis. Doch noch nie war die Planung so weit fortgeschritten wie jetzt. Der Gemeinderat präsentierte am Donnerstag vor 250 interessierten Birsfeldern gleich drei Projekte, die «Birsfelden ein neues Gesicht geben sollen», wie es Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) ausdrückte.

Die Knacknuss Zentrumsplanung aufbrechen soll eine Promenade, nämlich vom «Zentrumsplatz» (heute der Parkplatz bei der Post) über eine gewundene Allee, die «In den Gassen» heissen und ein erweiterter Dorfplatz sein soll. Weiter nördlich stösst der Flaneur dann auf den «Brunnenplatz», bis er westlich des Schulhauses zum «Kastanienhof» kommt, einem Alters- und Gesundheitszentrum mit öffentlichem Spielplatz.

Umgeben ist die Promenade von Längsbauten, die bei der Hauptstrasse öffentliche Nutzungen beherbergen sollen, so auch die Gemeindeverwaltung. Vorgesehen ist zudem Wohnraum für rund 350 Menschen. Der zuständige Stadtplaner Harry Gugger verheimlichte nicht, dass mit der Zentrumsplanung Grünraum verschwinden würde. Aber er betonte wie Hiltmann die «qualitative Verbesserung der Aussenräume».

Auf einen möglichst geringen ökologischen Fussabdruck geachtet hat man bei den beiden Hochhäusern, die private Investoren mit Unterstützung der Gemeinde erstellen wollen. Beim Birs-steg soll ein flächenmässig kleiner, aber 90 Meter hoher Bau den Dorfkern überragen. Zur Birs hin ist auf einer heute versiegelten Fläche ein öffentlicher Grünraum vorgesehen.

Mieten sollen tief bleiben

An der Birseckstrasse am Ortsausgang Richtung Sankt Jakob ist ein schlankes Hochhaus geplant, diesmal 70 Meter hoch. Auch dort sollen ein Park und der Zugang zum Fluss der Allgemeinheit offen stehen. Die beiden Hochhäuser sollen insgesamt Platz für rund 150 Wohnungen unterschiedlicher Grösse bieten. Die Mietpreise sollen sich in allen vorgesehenen Neubauten in gewöhnlichen Höhen bewegen, wurde mehrfach betont. «Wir bauen sicher keine Luxuswohnungen», versicherte etwa der Architekt des Projekts beim Birssteg.

Nimmt man die Stimmung im Saal als Massstab, haben all diese Projekte gute Chancen, verwirklicht zu werden. Ablehnend äusserte sich niemand. Stattdessen gab es mehrfach Lob für das Planungsgeschick des Gemeinderats. Es dominierte die Freude, dass es endlich vorwärts gehe mit der Planung. «Wir haben ja gar kein Zentrum», sagte eine jüngere Frau zur «Schweiz am Wochenende». Dabei sei Birsfelden eine Gemeinde, in der die Menschen noch miteinander reden würden. «Dafür brauche es endlich den nötigen Platz.»

Erst Quartierplanverfahren

Zu hören war auch, dass viele Junge gerne in Birsfelden bleiben möchten, aber keine geeignete Wohnung finden. Deshalb wird der Bau der Hochhäuser begrüsst. Dabei wird alter, günstiger Wohnraum verschwinden. Doch das scheint man in Birsfelden in Kauf zu nehmen. Nur ein älterer Herr fragte, was mit der aktuellen Mieterschaft geschieht. «Es ist als Gemeinderat unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Veränderungen fair ablaufen», antwortete Hiltmann.

Trotz des positiven Echos liess sich der Gemeindepräsident am Donnerstag nicht zur Annahme verleiten, die Birsfelder Zentrumsfrage sei jetzt gelöst. «Ein erster Schritt ist gemacht», meinte er. Zuversichtlich ist er nur, dass die Gemeindeversammlung am 9. April Geld spricht, um einen Quartierplan fürs Zentrum auszuarbeiten. Danach werde es noch viele Diskussionen geben, sagte Hiltmann voraus. Und für die beiden Hochhäuser sind sowieso separate Quartierpläne vorgesehen.