Das ehemalige Liestaler Brauerei-Areal Ziegelhof wird zu einem lebendigen Zentrum mit Gewerbe, Wohnen und Kultur. So hiess der Konsens an der Ergebniskonferenz vor etwas mehr als einem Jahr. Diese Konferenz bildete den Abschluss eines öffentlichen Diskussionsprozesses, wohin sich das Ziegelhof-Gelände am Rand der Altstadt unter der neuen Eigentümerin, der Pensionskasse Coopera, entwickeln könnte. Coopera kaufte das Areal im November 2015, nachdem das Vorgängerprojekt mit Ankermieter Coop gescheitert war.

Doch die Umsetzung des Konferenz-Resultats ist alles andere als ein Kinderspiel. Das zeigt auch ein kürzlich publiziertes Baugesuch: Cello Velo, der in Liestal schon fast Kult-Status geniesst und mit seinen Firmenbauten dem SBB-Vierspurausbau weichen muss, will an der Kasernenstrasse ein Wohnhaus in einen Veloladen umbauen. Damit bevorzugt das Unternehmen eine eigene Lösung. An der Ergebniskonferenz wurde Cello Velo noch als einer der attraktivsten gewerblichen Mietinteressenten gehandelt, der viel Leben aufs Ziegelhof-Areal gebracht hätte.

1 Ziegelhof-Abfüllhalle 

Auch zwei andere Hoffnungsträger sind abgesprungen: Die Liestaler Kulturplayer Daniel Muri – er ist auch noch Stadtrat – und Eric Rütsche liebäugelten damit, die einstige Ziegelhof-Abfüllhalle in eine Konzert- und Kongresshalle für ein bis zu 500-köpfgiges Publikum umzuwandeln. Etwas, was in Liestal fehlt. Doch nach der Erstellung einer Machbarkeitsstudie und erstem Fühlerausstrecken zu möglichen Nutzern haben sie ihr Projekt beerdigt. Es sei ihm in seiner momentanen persönlichen Situation über den Kopf gewachsen, sagt Muri. Er ist nach wie vor vom Bedarf einer solchen Halle in Liestal überzeugt, fügt aber bei: «Für Konzerte mit mehr als 100 Dezibel wären schalltechnisch sehr grosse Investitionen nötig. Dafür braucht es Geldgeber.»

2 Gewölbekeller im Haus zum Eck

Auch beim stimmungsvollen Gewölbekeller im Haus zum Eck könnten bauliche Unzulänglichkeiten einem Kulturprojekt im Wege stehen: Der Kulturverein Liestal möchte diesen Raum für Veranstaltungen im kleineren Kreis nutzen – aber nicht im ganz kleinen. Denn für mehr als 50 Besucher sei ein zweiter Ausgang in Form eines Tunnels nötig, sagt Barbara Buser. Und so etwas koste um die 700'000 Franken, was ohne Unterstützung durch Geldgeber nicht möglich sei. Derzeit komme man nicht vorwärts mit diesem Projekt.

3 Neues Sudhaus und 4 angrenzende Parkplätze

Damit sind wir beim Dilemma von Barbara Buser, die mit ihrer Firma Denkstatt die Ziegelhof-Entwicklung vorantreibt: Obwohl etliche Nutzungsfragen offen sind, will sie das Areal möglichst rasch mit Um- und Neubauten aufwerten, was auch wieder neue Nutzer anziehe. Im Vordergrund stehen der Ersatz des neuen Sudhauses (3) und die Überbauung der angrenzenden Parkplätze (4) an der Meyer-Wiggli-Strasse. Hier sollen Wohnungen und gewerbliche Flächen entstehen.

Insgesamt will Coopera nach wie vor 20 Millionen Franken in bauliche Erneuerungen auf dem Ziegelhof-Areal investieren. Dafür ist aber ein neuer Quartierplan notwendig; der alte mit dem Coop-Projekt ist Makulatur. Und in einem Quartierplan müssen nicht nur zwingend die Gebäudevolumen, sondern auch die Nutzung festgelegt werden. Denn diese hat unter anderem Auswirkungen auf die Anzahl Pflichtparkplätze. Buser: «Wir sind in einem Teufelskreis. Die Behörden wollen mit dem Quartierplan die Zukunft voraussehen, wir aber Schritt für Schritt mit dem arbeiten, was kommt, also eine Art rollende Planung betreiben.» Und sie ergänzt leicht genervt: «Die Parkplätze sind das bestimmende Element, sie dominieren alles.»

Der Liestaler Stadtpräsident ad interim Franz Kaufmann andererseits konstatiert, dass man mit dem Quartierplan gut vorankomme; in diesen Tagen findet der fünfte Workshop mit Ziegelhof- und Behördenvertretern statt. Kaufmann sagt aber auch: «Mit einem Quartierplan schafft man neues Recht und ermöglicht damit eine höhere Nutzung. Dafür muss man schon wissen, was man will. Ein Quartierplan und eine rollende Planung widersprechen sich.» Und bezüglich Parkplätze sagt er: «Sie sind ein Knackpunkt. Denn sie sind schwierig unterzubringen, wenn man nicht alles unterhöhlt wie im Vorgängerprojekt.» Gleichzeitig signalisiert Kaufmann Entgegenkommen. Allenfalls sei ein Ersatz an einem andern Ort möglich, oder die Parkplätze können etappenweise nachgewiesen werden.

5 Altes Sudhaus

Busers beide grössten Hoffnungsträger sind zur Zeit die Baselbieter Brauerei und die kantonale Abteilung Archäologie und Museum BL. Letztere sei an der Miete von rund 5000 Quadratmetern interessiert, um darin die jetzt auf 14 Standorte verzettelte Sammlung zu konzentrieren. Und die Bierbrauer wären für Buser die ideale Besetzung fürs alte Sudhaus. Dort, wo schon zu Ziegelhof-Zeiten Bier hergestellt wurde, könnte die Baselbieter Brauerei ihr Zwickelbier brauen, das sie heute in Ziefen produziert, aber im alten Sudhaus periodisch ab Rampe verkauft. «Wir sind am Verhandeln. Im Januar fällt der Entscheid», sagt Buser zum Stand der Beziehung.

Momentan seien 20 Zwischennutzer im Ziegelhof-Areal eingemietet und alle Gebäude in einem Zustand, dass es nicht hineinregne. Baulich stünden als nächstes Altlastsanierungen an, sagt Buser. Bei ihren terminlichen Erwartungen fahren Buser und Stadtpräsident a. i. Kaufmann übrigens auf derselben Schiene, auch wenn er das Tempo als angemessen und sie als zu langsam empfindet: Der neue Quartierplan soll bis in spätestens zwei Jahren alle Instanzen passiert haben.