Abwanderung, Attraktivitätsverlust, Abkoppelung vom Mittelland – über vieles ist schon diskutiert worden rund um die mögliche Stilllegung des Läufelfingerlis. Doch die Umstellung von Bahn- auf Busbetrieb hätte auch Folgen für die Schüler im Homburgertal: Nicht wenige von ihnen müssten sich nach dem Wegfall der S 9 auf lange Wartezeiten einstellen: Bis zu 40 Minuten hätten sie zu überbrücken. Darüber war bisher aber kaum etwas zu vernehmen.

Kinder würden zu früh eintreffen

Das Problem ist die heutige Buslinie Sissach – Wittinsburg der BLT. Der 108er würde einen neuen Fahrplan erhalten, wenn die Bahn auf dem Abstellgleis landet. Doch die Fahrzeiten sind nicht überall mit den Unterrichtszeiten kompatibel. Das jedenfalls zeigt die jüngste Fahrplan-Version für den angepassten 108er-Bus, die der bz vorliegt. Laut dem Entwurf würden etwa jene Schüler aus Känerkinden, die den Kindergarten und die Schule in Wittinsburg besuchen, bereits um 7.20 Uhr dort eintreffen. Die erste Lektion beginnt jedoch erst um 8 Uhr. Am Mittag das gleiche Problem: Der Bus würde kurz nach halb eins abfahren, die Schule endet aber fast eine halbe Stunde zuvor.

Betroffen wären Kindergartenkinder und Primarschüler bis zur 2. Klasse. Für Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, wären derart lange unbetreute Wartezeiten für diese Schulstufe unhaltbar. «Auch Fahrplanänderungen im Fernverkehr machen zuweilen Anpassungen bei Busfahrplänen nötig», sagt sie. «Hier aber würde es ausgerechnet die jüngsten Kinder treffen: Sie müssten morgens schon um Viertel nach sieben auf dem Bus sein.» Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Schule Wittinsburg ihre Unterrichtszeiten an den neuen Busfahrplan anpasst und den Schulstart auf 7.30 Uhr vorverlegt. Das hätte jedoch zur Folge, dass die beliebten Blockzeiten aufgegeben würden – mit neuen Problemen. Fuchs: «Wenn eine Familie Kinder an zwei Schulstandorten der Kreisschule Homburg hat, würde deren Unterricht zu verschiedenen Zeiten starten und enden. Der Familienalltag müsste allenfalls ganz anders organisiert werden, dabei waren die Blockzeiten doch dereinst mühsam erkämpft worden.»

Die VCS-Geschäftsführerin ist der Ansicht, es wäre Aufgabe des Kantons gewesen, die Auswirkungen einer Stilllegung des Läufelfingerli auf die Schulen rechtzeitig vor der Abstimmung aufzuzeigen. «Schliesslich machen Schülerinnen und Schüler einen grossen Anteil der Fahrgäste im Homburgertal aus.» Zudem könnten die Blockzeiten kaum aufgeweicht werden. Denn sie sind gesetzlich festgehalten. In der entsprechenden Verordnung heisst es: «Der tägliche Unterricht beginnt (...) um 8 Uhr und endet um 12 Uhr.» Zwar kann der Schulrat Abweichungen bewilligen, doch ein Schulbeginn vor 8 Uhr ist erst ab der 5. Klasse und nur an einzelnen Tagen zulässig.

Für Pendler unattraktiv

Der Ersatz der S9 durch Busbetrieb ist im zweiten Teil des 8. Generellen Leistungsauftrags im Bereich des öffentlichen Verkehrs (GLA) für die Jahre 2020/21 enthalten. Darüber stimmt der Kanton Baselland am 26. November ab. Sagt das Stimmvolk Ja zur Vorlage, ist für das Läufelfingerli im Dezember 2019 Schluss. Der VCS hat anhand des Fahrplan-Entwurfs auch angeschaut, wie stark sich die Fahrzeiten von Läufelfingen nach Zielen im Mittelland verändern würden. Nach Bern und Zürich verlängert sich die Hin- und Rückfahrt um 37 und 33 Prozent, wenn man sie mit der aktuell schnellsten Verbindung via den «Turnschuh-Anschluss» in Olten vergleicht – das ist die inoffizielle Umsteigeverbindung, für die nur wenige Minuten für den Zugwechsel vorhanden sind, die aber sehr beliebt ist.

Mehr Zeit einrechnen müssten auch Passagiere mit Ziel Baden, Brugg oder Solothurn. Hier wären die Pendler gegenüber heute täglich 43 Minuten länger unterwegs. Im Fall Aarau wären es gar 45 Minuten mehr – das ist ein Plus gegenüber heute von 83 Prozent.