Kaum haben sich die Wogen bei der InterGGA etwas geglättet, rollen schon die nächsten Wellen auf die regionale Kabelnetzbetreiberin zu. Im April erst hatten die Aktionäre bei der Generalversammlung dem Verwaltungsrat ihr Vertrauen ausgesprochen und damit den Vorwurf der Vetterliwirtschaft ad acta gelegt. Jetzt jedoch regt sich erneut Widerstand gegen die Aktivitäten des Verwaltungsrates: Informationen aus verschiedenen Quellen zufolge versucht die InterGGA gerade, die bisherige Prattler Dienstleisterin Improware, die seit 13 Jahren die Endkunden mit Bezahlfernsehen, Telefon und Internet versorgt, loszuwerden, indem sie den Vertrag, der im Herbst 2013 ausläuft, neu ausschreibt, und zwar so, dass offensichtlich nur die Bieler Firma Finecom die Bedingungen erfüllen kann.

Light-Abos werden überprüft

Improware-Geschäftsführer Sacha Gloor stört sich daran, dass die Dienstleistungen, die in der Ausschreibung mit zwei Referenzen seit mindestens zwei Jahren gefordert werden, nach seinem Kenntnisstand insgesamt nur von Finecom erfüllt werden können. Diesen Sachverhalt wolle er noch verifizieren. Viel wichtiger für die Inter-GGA-Kunden ist laut Gloor aber, dass die InterGGA von den potenziellen Dienstleistern wissen will, wie, «falls nötig», die heutigen Light-Angebote «migriert» werden könnten. Die Tarifpläne des heutigen Anbieters, also Improware, sollen «allenfalls während einer Übergangsfrist» beibehalten werden. Gloor kann sich nicht vorstellen, dass es im Sinne des Kunden ist, dass bei einem Anbieterwechsel die Konditionen der Light-Abos angepasst werden.

Widerstand in Binningen und Oberwil

Widerstand regt sich nach bz-Informationen in Binningen und Oberwil. So bestätigt der zuständige Binninger Gemeinderat Urs-Peter Moos auf Nachfrage, dass die Ausschreibung der InterGGA im Gesamtgemeinderat Thema sei. Details wollte er gestern allerdings keine nennen, sondern verwies darauf, «dass die Gemeinde Binningen direkt mit der InterGGA und den Aktionären kommunizieren wird und nicht über die Medien». Der Oberwiler CVP-Landrat Peter H. Müller verweist ausserdem darauf, dass bei einem Zuschlag für Finecom die vor einigen Jahren für 1 Million Franken angeschaffte Kopfstation, mit der die InterGGA unabhängig von der GGA Pratteln habe werden wollen, vermutlich unnötig werde, weil Finecom eine eigene Infrastruktur habe. Mit der Ausschreibung der Dienstleistungen wolle der Verwaltungsrat der InterGGA die langjährige Partnerin Improware eindeutig vergraulen: Die in der Ausschreibung geforderten «zeitversetztes Fernsehen» und Mobilkommunikation schlössen sie als Dienstleisterin aus.

Für Kunden soll sich nichts ändern

Zur Seite springt dem Verwaltungsrat allerdings Oberwils Gemeindepräsidentin Lotti Stokar: «Die Ausschreibung ist legal. Sie ist es nicht wert, eine Riesengeschichte draus zu machen. Die letzten zwölf Monate haben gezeigt, wie wenig hinter den Vorwürfen gegen den Verwaltungsrat steckt.»

Auch Verwaltungsratspräsident Karl Schenk betont, dass es der InterGGA «enorm wichtig» sei, dass die Kunden keine Nachteile aus einem etwaigen Dienstleisterwechsel hätten. Deshalb wolle die InterGGA auch konkurrenzfähig bleiben mit einem möglichst breiten Angebot, das auch «zeitversetztes Fernsehen» und Mobilkommunikation beinhalte. Mit der öffentlichen Ausschreibung, die ausdrücklich auch an die Improware adressiert sei, wolle der Verwaltungsrat feststellen, wer diese Produkte am besten bereitstellen könne. Dabei könnte auch die Kopfstation in die Offerte mit einbezogen werden, die dann aber weiterhin, zum Beispiel als redundante Empfangsstation, genutzt würde.