Teile des Baselbiets, allen voran Flussufer, Naturschutzgebiete und Wälder werden seit Jahren zusehends von Neophyten in Beschlag genommen. Dabei sind vor allem die invasiven Vertreter wie Japanischer Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut, Goldrute und Sommerflieder problematisch, weil sie heimische Arten verdrängen, Ökosysteme stören oder wie der Knöterich ganze Uferbereiche destabilisieren. Der Kanton hat die Problematik schon vor einem halben Dutzend Jahren erkannt und das federführende Sicherheitsinspektorat eine Strategie zur Bekämpfung der Neophyten erstellt.

Kostenpunkt dafür eine Million Franken pro Jahr und das über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Regierung weigerte sich aber aus Spargründen, die ausgearbeitete Vorlage an den Landrat weiterzuleiten. Die zuständige Regierungsrätin Sabine Pegoraro (FDP) sagte gemäss Landratsprotokoll im Jahr 2012: «Die Bekämpfung von Neobioten ist zwar ein wichtiges Anliegen, aber im Vergleich mit andern Vorhaben weniger strategiekonform.» Neobioten ist der Überbegriff von Neophyten und dem tierischen Pendant, den Neozoen; darunter fallen Asiatische Marienkäfer oder Buchsbaumzünsler. Schliesslich machte der Landrat der Regierung Beine und diese legte letzten Sommer endlich die Strategie gegen die ungebetenen Eindringlinge vor. Derzeit liegt das Papier bei der landrätlichen Umweltschutz- und Energiekommission zur Beratung.

Kopfschütteln bei Naturschützern

Doch dem Landrat eilt es weiterhin und er überwies an seiner letzten Sitzung ein Budgetpostulat von Mirjam Würth (SP) über 300 000 Franken zur Neophyten-Bekämpfung im nächsten Jahr. Dies gegen den Widerstand von Pegoraro, die im Landrat argumentierte, die Regierung werde per 2016 einen Verpflichtungskredit «für allfällig notwendige zusätzliche Massnahmen» zu dem, was in der Verwaltung jetzt schon gemacht werde, beantragen. Jetzt für die schon «ordentlich budgetierten Aufgaben» noch 300 000 Franken obendrauf zu packen, ergebe keinen Sinn. Eine Nachfrage bei Pegoraros Sprecher Dieter Leutwyler bestätigt das Bild, das die Regierungsrätin im Landrat vermittelt hat: Der Kanton weiss derzeit nicht, was er mit dem zusätzlichen Geld machen soll.

Bei den Naturschutzorganisationen, aber auch verwaltungsintern macht sich Kopfschütteln breit, wobei es auf der Hand liegt, dass sich niemand aus der Verwaltung in der Zeitung gegen die Chefin äussern will. Dafür sagt Postulantin Mirjam Würth, die auch Pro Natura Baselland präsidiert: «Wir von den Umweltverbänden haben diesen Herbst bei einem Treffen mit Regierungsrätin Pegoraro und einigen Chefbeamten die fehlenden Mittel für die Neophyten-Bekämpfung angesprochen. Dabei wurde klar, dass es beim Tiefbauamt und bei der Abteilung Natur und Landschaft an Geld und Personal auch für die dringendsten Arbeiten fehlt, die über den allgemeinen Unterhalt hinausgehen.»

Tropfen auf heissen Stein

Würth verweist auf das Beispiel Klingenthal-Lachmatt in Muttenz. Dorthin werden in einem derzeit laufenden Prozess die Kreuzkröten von der Zurlinden-Grube im Prattler Planungsgebiet Salina-Raurica transferiert. Würden am neuen Kröten-Ort die Neophyten nicht bekämpft, bestehe die Gefahr, dass die getätigten Investitionen in dieses Ersatz-Biotops gefährdet seien. Und Würth weiter: «Alleine die Abteilung Natur und Landschaft braucht im nächsten Jahr 100 000 Franken für die Neophyten-Bekämpfung. Ich verstehe nicht, wieso die Bau- und Umweltschutzdirektion nicht weiss, was mit dem Geld machen.»

Und Susanne Brêchet, Geschäftsführerin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbands, meint: «Die Strategie des Kantons ist sehr gut. Es ist nun wichtig, vor allem in den Naturschutzgebieten und entlang von Fliessgewässern, wo die Samen des Knöterichs und des Springkrauts flussabwärts verbreitet werden, zu handeln.» Es sei erstaunlich, dass der Kanton nicht wisse, wie das Geld einzusetzen. Denn dieser sei zuständig für Pflege und Unterhalt seiner Uferabschnitte und der Naturschutzgebiete und habe dafür zu wenig Manpower. Er könne nun mit dem Geld Arbeit auslagern oder Leute einstellen, auch wenn das nur ein Tropfen auf den heissen Stein sei, so Brêchet.