Wir alle mögen uns noch gut erinnern: Der letzte Winter war schneearm und zu warm. Welche Folgen hatte dies für den Gartenboden?

Urs Streuli: Wenn der Baselbieter «Lätte» nicht mehrfach 20 Zentimeter tief durchfriert und dann wieder auftaut, fehlt die sogenannte Frostgare, er sinkt also quasi zusammen. Dadurch steht den Bodenlebewesen im Frühjahr zu wenig Sauerstoff zur Verfügung, sie können keine Krümel bilden. Genau das war der Fall. So gut es ging – und es ging nicht gut –, haben wir von Hand nachgeholfen.

Es folgte ein nasser und kühler Sommer, worüber sich vermutlich nur die Schneckenzunft freute.

Genau, die Nässe machte den Boden noch luftärmer, und eine Invasion Spanischer Wegschnecken überzog das Land. Viele waren schon im Vorherbst geschlüpft und hatten den milden Winter spielend überlebt. Dank ihrer bereits beträchtlichen Länge überwanden die Tiere die aufgestellten Schneckenkragen. Entsprechend frassen sie auch dreimal so schnell wie sonst im Frühjahr. Die gute Konsequenz: Ende August war die Lebensuhr der «Spielverderber» zum Glück bereits abgelaufen.

Förderte dieses Wetter auch andere Schädlinge im Garten?

Leider ja, eine neue und wirklich schlimme Plage ist aufgetaucht. Wohl wegen des fehlenden Winters hatte die eingeschleppte Kirschessigfliege gute Voraussetzungen für eine massenhafte Vermehrung. Alle, die ab August Früchte und Beeren in ihrem Garten ernten wollten, bekamen dies zu spüren. Die Frustration war dementsprechend gross, auch bei uns im Ebenrain-Garten. Lediglich die weissen Trauben und die Andenbeeren blieben von der Fliege verschont. Wir hoffen, die Natur findet selber eine Lösung, denn momentan herrscht für mich als Berater grosse Ratlosigkeit.

Welchem Gemüse behagte dieses Sommerwetter, welches hatte zu leiden?

Die Tomaten erlitten sogar im gut belüfteten Plastiktunnel Krautfäulebefall. Nachdem dieser aggressive Pilz letztes Jahr praktisch kaum aufgetreten war, war das ein ziemlicher Schock. Schuld war die oft feuchtwarme Luft. Doch es gibt durchaus auch Erfolgsmeldungen: Rot- und Weisskabis sowie Wirz – sonst eher Sorgenkinder im Biogarten – gediehen prall und prächtig. Auch die Herbstsalate sind eine wahre Freude, dank des milden und sonnigen Wetters seit Anfang September.

Leute mit grossen Rasenflächen mussten in diesem Sommer weniger giessen, dafür mehr mähen. Trifft das zu?

Ganz richtig, alles kann man halt nie haben. Die Liebhaber reiner Rasenflächen ohne breitblättrige Pflanzen sind wohl zudem darüber erfreut, wie dominant die Gräser dastehen. Als Flachwurzler dursten sie nämlich in trockenen Sommern viel rascher als die tief wurzelnden Kräuter. Wo der Rasen jetzt noch hoch und dicht dasteht, gehen wir ein letztes Mal mit dem Rasenmäher drüber. Umweltfreundlicher wäre natürlich, ein paar Schafe zu mieten …

Vor einem Monat – am 21. Oktober – fegte «Gonzalo» über unser Land. Gab es im Ebenrain-Garten Schäden?

Dummerweise ja. Es fuchst mich, doch irgendwie hat es einfach noch gefehlt: Nach 30 Jahren flog der Plastiktunnel zum ersten Mal davon. Nachdem wir das Gewirr von Stangen, Drähten und Folie entwirrt hatten, ging es unverdrossen ans neu Aufstellen. So lautet im Garten überhaupt die beste Devise: Nur nicht entmutigen lassen – das nächste Jahr gibts bestimmt andere Probleme.

Sie bieten Gartenkurse an, die in der ganzen Region und darüber hinaus beliebt sind. Welche Themen stehen im kommenden Jahr zur Auswahl?

Das Meiste im Garten gilt im nächsten Jahr noch genauso wie in diesem. Deshalb versuche ich, in der Kurspalette vor allem Grundwissen und -fertigkeiten zu vermitteln und nicht zu sehr Modeströmungen mitzumachen (siehe Rubrik «Kurse» rechts oben, Anm. d. Red.).

Darf die bz-Leserschaft auch 2015 mit Ihren Gartentipps rechnen?

Sehr gerne. Die vielen Reaktionen zeigen mir, dass ich oft den Nerv der Gartenmenschen treffe. Die in diesem Jahr begonnene Serie «Gäste im Garten, die sich selber einladen» wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Denn da gibt es noch unzählige Beispiele von Lebewesen, die auf den ersten Blick lästig oder schädlich sind, aber eigentlich auch sehr viel für uns Nützliches vollbringen. Den Start wird das Spatzenvolk machen.