Der Reigoldswiler Gemeinderat ist nicht mehr zufrieden mit der Baselbieter Polizei. Er hat die Leistungsvereinbarung, in der die Wahrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zwischen Gemeinde und Kantonspolizei geregelt ist, auf Ende dieses Monats gekündigt (Übersicht siehe Box). Ab 1. Juli gilt ein Vertrag mit 24 Security GmbH. Die private Sicherheitsfirma arbeitet in diesem Bereich bereits mit sechs weiteren Baselbieter Dörfern zusammen.

Immer wieder seien Hilfesuchende auch an den Tagen, die vertraglich durch die Polizei abzudecken waren, durch die Einsatzleitzentrale an die Gemeinde verwiesen worden, ist im «Reigetschwyler Bott» zu lesen. Der für Sicherheit zuständige Gemeinderat Thomas Moser wiegelt ab: «Grundsätzlich hat die Polizei einen guten Job gemacht, aber zwei-, dreimal ist sie nachts oder an Wochenendtagen angeblich nicht ausgerückt oder hat an den Gemeindepräsidenten verwiesen.»

Dies könne er aber nicht mit Gewissheit sagen, er habe lediglich davon gehört, schränkt Moser ein. Darauf angesprochen habe die Polizei geantwortet: Das sollte nicht passieren. Und sollte so was wirklich vorgefallen sein, sei das ein Fehlverhalten oder eine Fehlreaktion, erzählt Moser und ergänzt: «Aber ich konnte nicht auf einen bestimmten Fall zurückschliessen.»

Polizei will von nichts wissen

Die Baselbieter Polizei rückte gemäss eigenen Angaben seit 1. Januar 2017 dreimal nach Reigoldswil aus wegen Vorkommnissen, die Ruhe und Ordnung betrafen. «Dass die Einsatzleitzentrale Hilfesuchende an die Gemeinde verwiesen haben soll, ist uns nicht bekannt», sagt Mediensprecher Roland Walter.

Gemeinden mit Vereinbarungen sind jeweils von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr für Ruhe und Ordnung verantwortlich. Im Fall von Reigoldswil erfüllte diese Aufgabe Gemeindepräsident Urs Casagrande. «Hauptgrund, die Leistungsvereinbarung zu kündigen, ist, die Aufgabe von den Mitarbeitenden der Gemeinde wegzubekommen. Die Situation ist sehr unbefriedigend», klagt Gemeinderat Thomas Moser.

Die Reigoldswiler Exekutive hat mit dem Auflösen der Vereinbarung seine Unzufriedenheit mit der Aufgabenteilung Ruhe und Ordnung kundgetan. Läufelfingen kündigte die Vereinbarung schon 2016, weil es von der Polizei Daten zu Einsätzen verlangte, sie jedoch nicht erhielt. Aus anderen Gründen haben Lampenberg, Niederdorf, Waldenburg und Ziefen die Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei beendet.

Thomas Moser ist überzeugt, dass für Reigoldswil die neue Lösung mit 24 Security eine gute ist, zumal diese auch von Montag bis Freitag tagsüber Ansprechpartnerin für Ruhe und Ordnung ist. Er hat sich bei anderen Gemeinden erkundigt, die schon länger mit der Sicherheitsfirma kooperieren – und positive Reaktionen erhalten. Die Dienstleistungen der neuen Partnerin kommen die Reigoldswiler etwa 2500 Franken günstiger zu stehen. «Nun schauen wir, wie sich das entwickelt», ist selbst Moser gespannt.

Die 24 Security GmbH mit Sitz in Egerkingen und einer Zweigniederlassung in Hölstein beschäftigt rund 60 Sicherheitsleute, die meisten in Teilzeit. Sie ist im Baselbiet in Hölstein, Läufelfingen, Lupsingen, Niederdorf, Waldenburg, Ziefen und neu in Reigoldswil zuständig für Ruhe und Ordnung. Die Firma betreibt eine 24-Stunden-Hotline. Anrufe aus den sieben Gemeinden via Notruf 112 werden von der Polizei triagiert und je nach Beurteilung ans Sicherheitsunternehmen weitergeleitet. «Im Durchschnitt sind wir zwischen 20 und 40 Minuten vor Ort», sagt der stellvertretende Geschäftsführer von 24 Security, Sven Theiler.

«Schlechte Entwicklung»

Angestellte der Firma sind in der Region teils zu allen Tageszeiten unterwegs, weil sie auch andere Aufgaben wahrnehmen, wie patrouillieren oder Ordnungsbussen ausstellen. Die Sicherheitsleute müssen eine Grundausbildung und jährlich eine Weiterbildung absolvieren, an denen Spezialisten instruieren. «Wir müssen Kriterien erfüllen, um als Sicherheitsfirma die Bewilligung des Kantons zu erhalten», betont Theiler.

Reigoldswils Gemeinderat Thomas Moser kritisiert die auf Frühling 2015 eingeführte Leistungsvereinbarung zu Ruhe und Ordnung zwischen Gemeinden und Polizei. «Ich persönlich finde es etwas vom Schlechtesten, was der Kanton je an die Gemeinden delegiert hat. Es kann doch nicht sein, dass man solch heikle Aufgaben in die Hände von Personen gibt, die nicht dafür ausgebildet sind.» Ein Streit könne eskalieren. Dann zu schlichten könne gefährlich werden.

Der stellvertretende Geschäftsführer von 24 Security schlägt in die gleiche Kerbe: «Ich finde es eine schlechte Entwicklung. Es gibt Situationen, in denen wir nicht wissen, worum es geht.» Ein Telefonanruf könne harmlos klingen, das Angetroffene dann aber viel schlimmer sein, wofür es die Polizei benötige. «Es ist eine Gratwanderung», meint Sven Teiler.