Es war am frühen Dienstagmorgen so ein Moment, den alle Eltern wie der Teufel das Weihwasser fürchten: Ein 13-jähriges Mädchen fuhr zusammen mit zwei seiner Geschwister mit dem Velo vom elterlichen Hof die Bölchenpassstrasse hinunter nach Eptingen. Dort wollte es in den Bus nach Sissach umsteigen, wo es in die Sekundarschule geht. Doch so weit kam das Mädchen nicht.

In einer Kurve auf etwa halbem Weg stiess es mit einem entgegen kommenden Auto zusammen und blieb bewusstlos liegen. Sein Fahrradhelm war vom Aufprall hälftig geteilt. Ein Rega-Helikopter brachte es ins Kinderspital nach Basel. Dort wurden eine schwere Gehirnerschütterung und diverse Traumata festgestellt. Weitere Untersuchungen seien am Laufen, sagte ihr Vater Jan M. gestern.

Dieser Unfall auf der Bölchenstrasse hat nebst der persönlichen und familiären Tragik auch eine politische Dimension. Denn er ist Öl ins Feuer eines seit acht Jahren lodernden Konflikts zwischen der Familie des verunglückten Mädchens sowie zweier weiterer Familien, die am Bölchenabhang wohnen, und der Gemeinde, dem Schulrat der Kreisschule Tenniken-Eptingen-Diegten und dem Kanton.

Dabei geht es vor allem um die Zumutbarkeit des Schulwegs, die angemessene Entschädigung der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto ins Dorf hinunterfahren, und einen allfälligen Sammelbus. Erst im Januar hat das Kantonsgericht die Gemeinde Eptingen angewiesen, ihr Schulwegkosten-Reglement zu überarbeiten. Beschwerdeführer war ein Nachbar der vom Unglück betroffenen Familie. Ob der Fall ans Bundesgericht weitergezogen wird, ist offen, da das schriftliche Urteil noch nicht vorliegt.

Viele Höfe, lange Wege

Praktisch alle andern rechtlichen Streitfälle sind mittlerweile abgeschlossen. Den einstigen Schulbus gibt es nicht mehr und die Kindergarten- und Primarschulkinder aus Eptingen fahren mit dem öffentlichen Bus an ihre Schulstätten in Diegten und Tenniken. Trotzdem sieht Jan M. noch kein Ende der Fahnenstange. Er werde weiterkämpfen für eine bessere Situation, sagt er gegenüber der bz.

Seine Idealvorstellung ist, dass ein Bus die Kindergarten- und Primarschüler auf den zahlreichen Eptinger Aussenhöfen respektive von Sammelstellen abholt. Seine sechs Kinder würden davon zwar nicht mehr profitieren, weil sie aus dem Primarschulalter sind. Aber der 57-Jährige sagt: «Eines Tages bin ich Grossvater und dann geht das Theater mit meinen Enkeln weiter.»

Die Eptinger Gemeindepräsidentin Melanie Wussler sieht die Behörden nicht mehr in der Pflicht: «Wir haben die weiten Schulwege rechtlich zumutbar gemacht, indem wir die Eltern für ihre Fahrdienste bis zur Bushaltestelle entschädigen.» Und für die Kosten von der Bushaltestelle bis in die Schulen in Diegten und Tenniken komme ebenfalls die Gemeinde auf, indem sie die U-Abos für die Kinder bezahle. Dadurch stehe auch ein Sammelbus nicht zur Diskussion.

Bei 27 Höfen wäre ein solcher Bus sowieso eine Illusion, sagt Wussler. Auch betont sie, dass die Bevölkerung alle Verträge und Reglemente rund um die Schulwege grossmehrheitlich abgesegnet habe. Und müsste man nach dem Unfall nicht prüfen, ob die Bölchenstrasse sicher genug ist? Wussler: «Das ist eine Kantonsstrasse und somit Kantonssache. Aber es ist unmöglich, auf einer solchen Passstrasse alle heiklen Stellen zu entschärfen.»

Besonders tragisch: Das verunglückte Mädchen fuhr am Dienstag zum ersten Mal nach dem Winter wieder mit dem Velo die steile Strasse hinunter.