Die groben Umstände der Tragödie stehen fest: Der Unfall ereignete sich an jenem Januarmorgen im Jahr 2012 gegen halb neun Uhr, die Temperatur betrug damals rund fünf Grad unter Null. Ein Gutachten schätzte die Geschwindigkeit des von Delémont her kommenden Autos vor dem Unfall zwischen 45 und 68 Kilometer pro Stunde ein, an jener Stelle gilt Tempo 80.

Die heute 73-jährige Frau kam mit ihrem grauen Peugeot nach einer Drehung schliesslich am Rand der Fahrbahn zum Stehen, das Heck ragte noch auf die Gegenfahrbahn hinaus. In diesem Moment kam von Laufen her ein blauer Peugeot korrekt entgegen. Die Lenkerin versuchte auszuweichen und knallte so seitlich in das Heck des grauen Peugeots.

Beifahrer starb am Unfallort

Beide Lenkerinnen wurden insbesondere im Beckenbereich schwer verletzt. Für einen Mitfahrer auf der Rückbank des grauen Fahrzeugs kam allerdings jede Hilfe zu spät: Er wurde unter anderem am Kopf so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb.

Die Staatsanwaltschaft stellte einen Strafbefehl mit einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 100 Franken wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung aus. Da die Frau deutlich langsamer als 80 Kilometer pro Stunde gefahren sei, ging man von einem leichten Verschulden aus. Jedoch hätte sie bei diesen Aussentemperaturen mit Glatteis auf der Strasse rechnen und daher ihre Fahrweise anpassen müssen. Konkret sei gefrorener Tau auf den Wiesen sichtbar gewesen, deshalb hätte man auch auf der Fahrbahn damit rechnen müssen. Das wollte die 73-jährige Lenkerin aber nicht auf sich sitzen lassen und erhob Einsprache. Am Dienstag sagte sie vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz aus, die Strasse sei auf ihrer Route zuvor nirgends vereist gewesen, auch nicht an höher gelegenen Stellen im Jura. «Sie wusste, wie man im Winter angepasst fährt. Sie war äusserst vorsichtig unterwegs. Es war nicht vorhersehbar, dass sich die Strassenverhältnisse so schlagartig verschlechtern», argumentierte ihr Verteidiger. Ausserdem seien an jenem Morgen kurz zuvor bereits zwei Unfälle mit geringem Sachschaden an jener Stelle geschehen. Darum könne man nicht ausschliessen, dass dabei beispielsweise Öl ausgetreten sei. «Die Unfallstelle liegt auch nahe der Birs, die Feuchtigkeit könnte zu Glatteis geführt haben. Es ist mir ein Rätsel, weshalb man nach den Unfällen dort nicht ein Warnschild aufgestellt hat», so der Verteidiger weiter.

Kosten übernimmt der Staat

Einzelrichterin Sibylle Keller sprach die Frau von allen Vorwürfen frei: Sie habe nicht mit einer Eisfläche auf der Fahrbahn rechnen müssen. So haben auch ein nachfolgender Lastwagenfahrer wie auch die Rettungskräfte bestätigt, dass die Kurve überraschend rutschig gewesen sei. Auch auf den Fotos der Polizei sei keine eindeutig nasse Fahrbahn zu erkennen. Richterin Keller betonte indes, von den insgesamt 80 Fotos in den Akten seien lediglich zwei direkt nach dem Unfall aufgenommen worden. Auch die korrekt entgegenkommende Fahrerin des blauen Peugeots wollte offenbar keine Bestrafung der 73-jährigen Unfallverursacherin: «Ich empfinde, dass niemand Schuld ist. Das sind Sachen, die einfach passieren», gab sie zu Protokoll.

Mit dem Freispruch gehen die Verfahrens- und Gutachterkosten von rund 17 000 Franken sowie Verteidigerkosten von 12 000 Franken zu Lasten des Staates. Der Freispruch ist allerdings noch nichts rechtskräftig, die Baselbieter Staatsanwaltschaft kann das Urteil weiterziehen.