Lobbying: Top! Support: Top! Offerte: Top! Ginge es nach diesen drei Kriterien, so stünde längst fest: Liestal wird neue Aussenstelle der Universität Basel. Man könnte die Evaluation nach möglichen Standorten eigentlich abblasen – spätestens, seit sich der Liestaler Einwohnerrat einstimmig hinter die Uni-Pläne seines Stadtpräsidenten Lukas Ott gestellt hat. Doch, so einfach liegen die Dinge nicht. Liestal wird zappeln gelassen.

Im Baselbieter Hauptort wirbt man heftig um die Studierenden – nichts mehr vernommen hat man hingegen von einem anderen heiss gehandelten Kandidaten: Münchenstein. Im Juli gaben die Regierungen von Basel-Stadt und Baselland bekannt, dass neben dem Liestaler Bahnhofs-Areal drei andere Standorte im Landkanton geprüft würden, ob sie für die Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät infrage kämen: das Allschwiler Bachgraben-Gebiet, das Muttenzer Polyfeld und der Münchensteiner Teil des Dreispitz.

Vorpreschen kam schlecht an

Noch im Mai weibelte der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP) für «seinen» Dreispitz, brachte ein freies Firmengelände im Freilager-Areal ins Rennen. Der Dreispitz sei «nicht so weit ab vom Schuss wie Liestal», sagte er in einem bz-Interview. Nun lässt Lüthi verlauten, man begrüsse die Idee eines Uni-Standorts Dreispitz immer noch – das schon. Doch mehr könne man derzeit nicht sagen, wegen der laufenden Evaluation. Kein Wort mehr über Konkurrentin Liestal. Hinter vorgehaltener Hand heisst es, Lüthis damaliges Vorpreschen sei nicht mit der Dreispitz-Grundeigentümerin, der Christoph Merian-Stiftung (CMS), abgesprochen gewesen. Sie habe verärgert reagiert. Die CMS gibt sich diplomatisch, verweist auf die Politik: Erst, wenn sich diese für den Dreispitz entschieden habe, schaue man, was dort möglich sei.

Bisher eher wie Zaungäste wirkten Muttenz und Allschwil. Beide Gemeinden sind eher unfreiwillig auf die Karte der Uni geraten. In Allschwil fühlte man sich zunächst gar überrumpelt: Die Uni wäre im Life-Sciences-Cluster im Bachgraben-Gebiet eher ein Fremdkörper, sagte Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli noch im Sommer. Nun steht Allschwil den Plänen entspannter gegenüber. «Die Uni hat signalisiert, dass die Studierenden an die Unternehmen im Bachgrabengebiet herangeführt werden könnten», sagt Nüssli. Es soll also einen Austausch geben. Eine Resolution zu verabschieden wie in Liestal – das war im Allschwiler Einwohnerrat aber nie ein Thema. Die Allschwiler Bemühungen insgesamt: lauwarm.

«Wir scharren nicht»

Muttenz ist als Uni-Standort ins Spiel gekommen, weil die Gemeinde das Polyfeld in Bahnhofsnähe entwickelt. Man erwarte die ersten Zwischenergebnisse mit Spannung, sagt Gemeindepräsident Peter Vogt. «Aber wir betreiben kein Lobbying – und wir scharren nicht.» Das klingt nicht, als würde sich Muttenz gross um einen Uni-Standort bemühen. Nichts mehr vernommen hat man seit Juli von den beiden Trägerkantonen. «Mittlerweile wurde derselbe Planungsstand über alle vier Standorte erreicht», schreibt Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion auf Anfrage. Dieser Planungsstand werde den Regierungen von Stadt und Land «demnächst vorgestellt». Der Einbezug der Standortgemeinden und Grundeigentümer sei vorgesehen.

Stumm stellt sich Basel-Stadt. Die Evaluation werde nicht kommentiert, sagt Regierungssprecher Marco Greiner. Dies, bis die Gespräche über das Globalbudget der Universität zwischen Baselland und Basel-Stadt abgeschlossen seien. Im Schreiben der Regierungen vom Juli hiess es, ein Standortentscheid werde «voraussichtlich innert Jahresfrist» gefällt – also bis Juli 2017. Bis dahin wird Liestal weiter lobbyieren. Es gehe auch um Berechenbarkeit, sagt Ott: «Bei unserem Angebot können sich die Kantonsregierungen beider Basel und die Uni sicher sein, dass die Politik hinter dem Standort steht.» Tatsächlich: Bei den Konkurrenten gibt es diese Sicherheit – zumindest offiziell – nicht.

Auch am gestrigen Dies Academicus der Universität war der Gang ins Baselbiet ein Thema. Thomas Bachmann, Meister der E. E. Akademischen Zunft, dichtete in der Fassrede:

Wenn nämlich in der Zukunft Fakultäten
auch in der Basler Agglo liegen täten,
dann ist doch sicher es nicht unvernünftig,
den Dies gleich noch mitzugeben künftig.