Seit Tagen ist es bitterkalt. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind Courant normal. Für die Bauarbeiter sind eisige Zeiten angebrochen. An einigen Baustellen in der Region ist daher nicht mehr ans Arbeiten zu denken. Bei zwei Baustellen des Baselbieter Strassenprojekts H2 Pratteln–Liestal sind die Arbeiten in der Tat ausgesetzt, wie Projektleiter Rudolf Büchler vom kantonalen Tiefbauamt bestätigt. Sie werden erst nächsten Montag fortgesetzt, wenn es wieder etwas wärmer werden soll. Terminprobleme gebe es aber wegen des Arbeitsunterbruchs nicht. Dass im Winter die Leistung auf dem Bau abnimmt, ist einberechnet. Im Bauprogramm der H2 ist für die Monate Dezember und Januar jeweils nur die Hälfte der normalen Arbeitsleistung vorgesehen.

Implenia droht Unia mit Klage

Nicht alle Bauunternehmungen wie diejenigen bei der H2 sind laut Unia so vorbildlich und stellen die Bauarbeiten von sich aus ein. Auf der Baustelle der neuen Wohn- und Geschäftsüberbauung «Le Pont» beim Bahnhof Dornach-Arlesheim hat die Gewerkschaft am Dienstag eingegriffen. 20 Arbeiter der Firmen Implenia und Vincenz Armierungen haben die Arbeit «aufgrund der mangelnden Sicherheit» niedergelegt, wie es in einer Medienmitteilung heisst. «Die Bauleitung wollte trotz Eisbildung weiterarbeiten», kritisiert Mario Ricciardi, Leiter Bau und Gewerbe bei der Unia. Die Arbeiter seien jedoch massiv unter Druck gesetzt worden.

Eduard Schmied von der Implenia stösst dieser Vorwurf sauer auf. «Die Unia hat gar nicht die Kompetenz, die Bauarbeiten auf den Baustellen infolge Schlechtwetter zu unterbrechen. Dies dürfen nur die Bauunternehmungen selbst», sagt der Geschäftsleiter der Abteilung Bau Basel und zitiert den Artikel 28 des Landesmantelvertrags (LMV), den Gesamtarbeitsvertrag des Baugewerbes in der Schweiz. Er erwägt gar rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft wegen Hausfriedensbruchs. Zudem gebe es in der Schweiz keine gesetzlichen Einschränkungen, die das Arbeiten bei bestimmten Temperaturen verbieten würden, betont Schmied, der auch den Verband Bauunternehmer Region Basel präsidiert. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco habe nur Empfehlungen herausgegeben.

Ricciardi ist sich des Interpretationsspielraums im Artikel 28 des LMV bewusst. «Dies muss beim nächsten Mal besser geregelt werden.» Trotzdem hält er fest: «Die Bauarbeiter haben das Recht, die Arbeit zu verweigern, um Unfälle und gesundheitliche Schäden zu vermeiden.» Seit Tagen erhält der Unia-Vertreter Telefonanrufe von den Arbeitern auf den rund 600 Baustellen in der Region. «Sie fragen uns, wieso wir arbeiten, wenn es doch eine Versicherung gibt.» Tatsächlich zahlt die Arbeitslosenversicherung ab dem dritten Tag 80 Prozent des Lohnausfalls. Die ersten beiden Tage gehen jedoch zulasten des Arbeitgebers. Diese Wartefrist sei laut Ricciardi ein Grund, wieso die Firmen ihre Angestellten auch bei Schnee und Kälte weiter betonieren und mauern lassen würden.

Kein Unterbruch bei Tram 8

Auf den Baustellen bei der H2 hat nicht der Kanton Baselland als Bauherr, sondern haben die Baufirmen die Verantwortung, ob die Arbeiten eingestellt werden sollen oder nicht. Laut Kantonsingenieur Oliver Jacobi schreitet der Kanton nur ein, wenn die Sicherheit der Arbeiter gefährdet ist, die Qualität eines Baus leidet sowie etwa die Lärmbelästigung den Anwohnern oder die Rutschgefahr wegen Drecks auf der Strasse den Autofahrern nicht mehr zugemutet werden kann. Beim H2-Projekt sei dies bisher allerdings nicht geschehen, unterstreicht Jacobi.

Es gibt aber auch Baustellen, wo trotz Schneefall und Kälte weitergearbeitet wird. Am Bau des neuen Gebäudes der Basellandschaftlichen Kantonalbank beim Liestaler Bahnhof mussten die Maurerarbeiten und die Montage von Betonfertigelementen an den Fassaden bisher nicht unterbrochen werden. «Nur in den Obergeschossen sind die Arbeiten wegen Vereisungen eingestellt», sagt Kurt Heiniger von der Kantonalbank. Beim Bauprojekt Tram 8 in Basel wird laut Projektleiter Dejan Despotovic sogar «normal gearbeitet».