Jedes Mal, wenn Beat Böhlen auf sein E-Bike steigt und von seinem Wohnhaus in Richtung Zentrum Reinach fährt, ärgert er sich über die neue Strassengestaltung: «Wenn man über einen dieser hohen Trottoir-Absätze fährt, gibt es einen Schlag aufs Rad. So fördert man das Radfahren nicht.»

Dazu kommen Verengungen oder Hindernisse im Strassenverlauf, denen man ausweichen muss. «Es fliesst viel Geld in unnötige Schikanen, das man anderswo besser verwenden könnte.»

So kam die Idee auf, mit einer Initiative gegen die Ärgernisse vorzugehen. Der ehemalige Einwohnerrat, der heute parteilos ist, hat schnell Unterstützung gefunden. Auch beim Unterschriftensammeln stiess er auf Zuspruch aus der Bevölkerung. «Viele verstehen nicht, was diese unnötigen Strassen-Korrekturen sollen.»

Im vergangenen Oktober hatte er rund 700 Unterschriften zusammen und reichte die Initiative «Gegen vergoldete Strassen und aufgezwungene Schikanen» bei der Gemeinde ein.

Reinachs Gemeindepräsident Melchior Buchs sieht die Strassengestaltung nicht als Schikane. Für ihn macht sie durchaus Sinn. «Wir wollen das höchste Mass an Sicherheit erreichen, besonders auf Schulwegen.» Nach Meinung der Initianten tragen die verkehrsberuhigenden Elemente jedoch nichts zur Sicherheit von Fussgängern und Velofahrern bei. Grosse Fahrzeuge und LKW müssten in Kurvenbereichen aufs Trottoir ausweichen, die Absätze stellten eine Gefahr für Rollstuhl- und Rollatorfahrer dar.

«Über die Höhe dieser Schwellen lässt sich durchaus diskutieren», lenkt Buchs ein. Es könne sein, dass die Gemeinde am einen oder anderen Ort auch einen Fehler gemacht habe. Grundsätzlich seien die Gestaltungselemente jedoch nichts Neues, auch die erhöhten Trottoirs seien verbreitet und weithin akzeptiert.

Beat Böhlen hingegen glaubt nicht an künstliche Verkehrsberuhigungen. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand. «Wenn da und dort ein versetzt parkiertes Auto steht und die 30er-Zone gekennzeichnet ist, werden auch keine Schleichwege durch die Quartiere entstehen.» Und falls das doch passieren sollte, gäbe es immer noch die Möglichkeit von Radarfallen. «Man kann nicht alle Gefahren entfernen, Fussgänger und Velofahrer sind auch in der Verantwortung.»

Das Ziel der Gemeinde sei nun, mit den Initianten zusammenzusitzen und ihr Anliegen «ernsthaft zu diskutieren», so Buchs. Der Gemeindepräsident sagt, er sei bis jetzt noch nicht auf die Initiative angesprochen worden. «Ich glaube, dieses Thema steht bei den Reinachern nicht zuoberst.»