Die Aussage könnte nicht klarer sein: «Mediziner und Pflegepersonal unterstützen das Universitätsspital Nordwest.» So lautete der Titel einer Pressekonferenz, zu der der Pro-Fusions-Verein um die ehemalige Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer gestern geladen hatte. Es traten auf: Christoph Meier, der ärztliche Direktor des Unispitals (USB), Jörg Leuppi, der Chefarzt der medizinischen Uniklinik des Kantonsspitals Baselland (KSBL), Hausarzt Balthasar Staehelin vom Ambulatorium Wiesendamm sowie Daniel Simon als Präsident des Berufsverbands der Pflegefachpersonen beider Basel (SBK). Diesen Stimmen sei im Hinblick auf die Abstimmung vom 10. Februar bisher zu wenig Gehör geschenkt worden, sagte Leutenegger.

Bloss: So eindeutig ist die Lage nicht. Das Personal der beiden Spitäler ist gespalten, sei es die Ärzteschaft oder die Angestellten in der Pflege. So publizierten die Gewerkschaftsbünde beider Basel ebenfalls gestern eine Mitteilung, in der sie den Staatsvertrag zur Spitalfusion «vehement ablehnen». «Die Fusion verschlechtert die Anstellungsbedingungen der Spitalangestellten beider Kantone», heisst es dort. Dies deckt sich mit der Haltung des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). Doch weshalb ist dann der SBK oder auch der Verband der Assistenz- und Oberärzte (VSAO) dafür, wenn auch letzterer explizit bloss «verhalten»?

Mehr USB- als KSBL-Ärzte dafür

«Was der VPOD als Gefahr sieht, sehen wir eher als Chance», sagt SBK-Präsident Simon auf Nachfrage der bz. Für seinen Verband bringe die Spitalfusion Sicherheit fürs Personal. «Wird das Unispital Nordwest nicht realisiert, so wird es zur Schliessung von Spitälern in unserer Region kommen», so Simon weiter. Und dies mache den Pflegeberuf unattraktiver. Dabei gäbe es schon jetzt zu wenige Pfleger. Dass der GAV bis zur Abstimmung noch nicht vorliegt, sei unschön.

Doch Simon hält fest: «Dass es einen GAV geben wird, ist im Staatsvertrag zur Fusion festgeschrieben. Das gibt ebenfalls Sicherheit. Ohne Fusion ist der bestehende GAV hingegen nicht festgeschrieben.» Und zur linken Kritik an der Rechtsform der Aktiengesellschaft: «Da sind wir ja am Verhandeln und es zeichnet sich ab, dass etwa der Kündigungsschutz auf gutem Weg ist.»

Abzuschätzen, welcher Personalverband nun für die Mehrheit spricht, ist schwierig. Was Simon aber trocken festhält, ist, dass «der VPOD ähnlich gross ist wie wir, aber noch diverse andere Berufsgruppen vertritt. Wir sind also der grösste Verband für Pflegefachpersonen». Auch bei den Ärzten gaben sich die Anwesenden gestern selbstbewusst: «Rund zwei Drittel der Chefärzte des USB haben ein Inserat pro Fusion unterzeichnet», sagt Meier. Und Leuppi will auch am KSBL «viel Engagement der leitenden Ärzte» festgestellt haben. Dabei ist grade am KSBL klar, dass es auch viele Kritiker gibt. So machte die bz im vergangenen Mai publik, dass sich fast alle der 13 Chefärzte in einem Schreiben an die KSBL-Leitung kritisch geäussert hatten. Und der Blick auf die Mitglieder des vereinten Pro-Komitees zeigt, dass zwar über 50 USB-Ärzte dabei sind, aber nur deren sechs vom KSBL. Interessant ist, dass Leuppi eine Altersdifferenz feststellt: «Ältere Ärzte sind kritischer, jüngere sehen in der Fusion hingegen mehr Chancen für die Zukunft.»

Auch die externen Ärzte sprechen nicht mit einer Stimme. Der Widerstand der Privatspitäler wurde von Hausarzt Staehelin aber als reines Partikularinteresse abgetan. Ihre Forderung nach Netzwerken statt Fusionen sei gar nicht umsetzbar: «Das Belegarztsystem vieler Privater ist nicht kompatibel. Das gäbe kein Netzwerk sondern einen gordischen Knoten», so Staehelin, der schliesst: «Aus medizinischer Sicht habe ich noch gar keine Gegenargumente gehört.»