Die Gräben sind tief in Zwingen, seit die Öffentlichkeit über die anthroposophischen Methoden zweier Primarlehrerinnen Bescheid weiss. Bisher aber konnten die Medien nur ein einseitiges Bild vermitteln. Eltern, die sich über den Lernrückstand ihrer Kinder öffentlich beschwerten, sprachen ebenso freimütig wie die Lehrerin, welche den Unterricht bemängelte. Der kritisierte Schulleiter wollte sich bisher ebenso wenig äussern wie der Schulrat.

In einem Brief hat sich diese Woche aber eine der Lehrerinnen, deren Unterrichtsmethoden in den vergangenen Wochen unter Beschuss geraten sind, an die Eltern gewendet. Sie weist die Vorwürfe zurück, wonach der Lernrückstand der Schüler, die heute kurz vor dem Übertritt in die Sekundarschule stehen, auf ihren Unterricht zurückzuführen seien. «Im Lehrplan sind keine der uns vorgeworfenen Lerninhalte unerlaubt», schreibt die Lehrerin. Sie verteidigt darin explizit die Rudolf-Steiner-Methoden. Eurythmie sei «so erlaubt wie andere Bewegungsübungen». Die Eltern seien stets Anfang Schuljahr zum Besuch der Bewegungsstunden eingeladen worden.

Genauso wie der Schulrat hätten die Eltern, die den «pädagogischen Wert» der Übungen erkannt hätten, die Eurythmie als förderlich und erwünscht befunden.
Der Wert dieser Unterrichtsmethode beziehe sich letztlich auch auf andere Fächer wie den Sprach- und Mathematikunterricht, argumentiert die Lehrerin. Das kolportierte Morgengebet sei vielmehr ein Gedicht gewesen, das einen bewusst gewählten ethisch/moralischen Inhalt habe.

Kanton vertritt klare Haltung

Die Lehrerin, die derzeit die dritte Klasse unterrichtet, hält an ihrer Pädagogik fest. «Der Grund», schreibt sie im Brief weiter, «warum ich seit meiner staatlichen Aus- und Weiterbildung mit Elementen der Steiner-Pädagogik in der Staatsschule unterrichte, ist folgender: Ich bin vorbehaltlos überzeugt von der Richtigkeit der anthroposophischen Erziehungs- und Lehrmethode. Ich weiss (...), dass keinem Kind aus dieser Methode im späteren Leben Nachteile erwachsen, das Gegenteil ist oft zu erfahren.» Die Lehrerin wünsche sich, dass auch Kinder in der Staatsschule aus denjenigen Elementen, «die ich aufgrund des Lehrplans und der Vorgaben überhaupt anwenden kann, einen Gewinn erzielen».

Ob sie aber innerhalb des Lehrplans unterrichtet hat, ist unklar. Der Kanton Baselland hat nach den Anschuldigungen ein aufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet. Unter anderem soll herausgefunden werden, ob die betroffenen 5.-Klässler aufgrund des Unterrichts einen Lernrückstand aufweisen und ob die geforderte Stundentafel eingehalten worden sei.
Zur Eurythmie hat sich die Baselbieter Bildungsdirektion aber schon klar verlauten lassen. Das sei «kein Fach im Lehrplan der Volksschule Basel-Landschaft», sagte Sprecherin Monique Juillerat, nachdem der Konflikt an die Öffentlichkeit gelangt war. Nicht zu erreichen war die Lehrerin, die den Brief verfasst hatte.