Allschwil will jetzt auf die veränderte Nachfrage reagieren. Die Gemeinde plant, den Friedhof umzugestalten. Nach dem Willen des Gemeinderats könnten für die Bestattungen künftig rund 200 Bäume genutzt werden, einzelne freistehend, andere angeordnet in zwei Alleen. Weil sich mehrere Verstorbene einen Baum teilen, wären so bis zu 2400 Beisetzungen möglich. Zum Vergleich: Der Friedhof zählt derzeit rund 200 Bestattungen pro Jahr.

Die Massnahmen machen eine Revision des kommunalen Friedhofs- und Bestattungsreglements notwendig. Heute Mittwoch berät der Einwohnerrat abschliessend über die Änderungen. Bislang haben sich alle Fraktionen im Ortsparlament wohlwollend zu den Umgestaltungsplänen geäussert: Es werde ein steigendes Interesse befriedigt, hiess es. Ausserdem würde der Friedhof landschaftlich aufgewertet, wenn der Baumbestand steige.

Immer mehr private Anbieter

Allschwil betritt mit den Baumbestattungen im Baselbiet Neuland. Nur in Gelterkinden ist ein ähnliches Projekt in der Pipeline. In Basel-Stadt hingegen gibt es das Angebot schon länger. Der Friedhof Hörnli, der grösste Friedhof der Schweiz, richtete 2012 den sogenannten «Weissen Garten» ein. Auf einem Grabfeld wird die Asche von Kremierten direkt in die Erde gegeben.

Eine andere Möglichkeit auf dem Hörnli ist das Wiesengrab. Metallplaketten am Boden erinnern an die Beigesetzen. Die neuen Angebote sind auch eine Reaktion auf die wachsende private Konkurrenz. Unter der Einhaltung von gewissen Auflagen ist es in der Schweiz grundsätzlich erlaubt, die Asche von Verstorbenen in der freien Natur zu verstreuen – die Zahl der Anbieter ist immens.

In Gelterkinden ist der Rückgang der klassischen Erdbestattungsarten mit Sarg oder Urne frappant. Sie seien im Gegensatz zu früher «nicht mehr üblich», teilte der Gemeinderat Ende Januar mit: «Von zirka 60 Beisetzungen pro Jahr gibt es drei bis sieben Erdbestattungen und in etwa gleich viele in Erdurnengräber.» Das heisst: Bei rund fünf von sechs Beerdigungen kommt die Urne zum Einsatz, die dann «oberirdisch» beigesetzt wird, also in Gemeinschafts- oder Familiengräber oder aber in Urnenwände überführt wird.

Die Gelterkinder Friedhofskommission hat ein Konzept erarbeitet, das ein Feld mit grossen Bäumen vorsieht. Für die Arbeiten ist, wie in Allschwil, noch eine Revision des kommunalen Bestattungs- und Friedhofsreglement vonnöten. Die Arbeiten sind jedoch bereits im Gang.

Mit den Baumgräbern entschärft Allschwil auch einen Konfliktherd. Nicht immer ist es möglich, die Hinterbliebenen ausfindig zu machen, damit sie rechtzeitig reagieren können, wenn ein Grab aufgehoben werden soll.

Bei Reihen- und Gemeinschaftsgräbern sowie Urnennischen beträgt die maximale Belegungsdauer 25 Jahre; bei Familien- und Doppelgräbern sind es 50 Jahre. Bei den Baumgräbern gelten zwar ebenfalls Fristen: Gemeinschaftsbäume dürfen höchstens 25 Jahre belegt werden, Familienbäume 50 und Generationenbäume 100 Jahre. Jedoch wird die Asche in biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt. «Eine Räumung der Gräber ist nach Ablauf der Ruhezeit damit nicht erforderlich», hält der Allschwiler Gemeinderat in seinem Bericht an den Einwohnerrat fest.

Was jedoch wechselt, sind die Nummernschilder an den Stämmen. Mit ihnen ist es möglich, ein Grab aufzufinden. Die Namen der beigesetzten Personen sollen an diversen Orten auf dem Friedhof zu finden sein, etwa mit Gravuren auf Steinen. Pro Baum können laut Gemeinderat acht bis zwölf Personen beigesetzt werden, bei einem Familienbaum dürfen es maximal 25 Urnen sein, bei einem Generationenbaum sogar bis zu 100. Die Behälter werden «in einigem Abstand um den Stamm in einem Kreis angeordnet».

Kein Grabschmuck mehr erlaubt

Umgewöhnen müssen sich die Angehörigen und Besucher. Blumen hinterlegen und Grabkerzen anzünden – bei Baumgräbern ist das nicht mehr gestattet. «Um das natürliche Bild des Waldes beziehungsweise der Bäume zu erhalten, wird der unmittelbare Bestattungsort der Urne nicht gekennzeichnet», schreibt der Gemeinderat. Darum «soll auch kein Grabschmuck platziert werden dürfen».