Diesen Strafbefehl wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Es könne zwar durchaus sein, dass er auf der Autobahn mit seinem Ferrari zwei Fahrzeuge rechts überholt habe. Aber dies nicht als grobe Verletzung von Verkehrsregeln. Den Strafbefehl hat er deshalb angefochten. Und weil sich der Vorfall auf der A 2 zwischen Schweizerhalle und Liestal abspielte, fand die Fortsetzung heute Dienstag vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz statt.

Der Fahrer erzählt seine Version. Er sei an jenem Sonntag im Frühjahr 2016 auf dem Rückweg von seinem Büro nach Hause gewesen. Es habe ihn genervt, dass zwei Autos ihn auf der Überholspur blockierten. Beinahe widerrechtlich langsam seien diese auf der Überholspur unterwegs gewesen. Er habe mehrfach versucht, auf sich aufmerksam zu machen. Ohne Erfolg. Deshalb habe er sich entschlossen, auf die Raststätte zu fahren, um am Kiosk Sonntagszeitungen zu holen. Deshalb habe er auch die Spur gewechselt. Doch dann habe er sich umentschlossen und sei wieder auf die schnellere Spur. So könne es sein, dass er rechts überholt habe, wenn auch ohne Absicht.

Der Ferrari-Fahrer war es ein Anliegen, dass das Gericht wusste, dass er nicht irgendein Ferrari-Fahrer sei. Er sagt, rechtswidriges Verhalten entspreche ihm nicht. Schliesslich sei er Unternehmer mit über tausend Mitarbeitenden und habe als Oberst im Generalstab 1500 Diensttage absolviert. Er sei denn auch erschrocken, als ihn ein Polizeiwagen aus dem Verkehr nahm. Er sei auf einen Parkplatz eskortiert worden, der einem hohen Verbandskollegen gehört, wie er betont. Die Richterin sagte freundlich, dass er wohl verstehe, dass er wie jeder andere behandelt werde, der wegen eines Verkehrsdeliktes vor Gericht stehe.

Die Angst um den Jagdschein

Der Anwalt sagt, sein Mandant wisse, dass ein Ferrari-Fahrer polarisiere. Er sei häufig von Kontrollen betroffen. Doch die Beweislage reiche einfach nicht aus. Einer der Polizisten sei unerfahren gewesen und habe erst drei Wochen nach dem Vorfall einen Rapporteintrag gemacht, der dem ersten Protokoll nicht entspreche. Der zweite Polizist sei auf dem Rücksitz gesessen und könne sich an das konkrete Überholmanöver gar nicht erinnern. Eine Busse könne sein Mandant akzeptieren, ein Strafbefehl, der einen Eintrag im Strafregister mit sich bringe, habe aber Konsequenzen. Nicht nur auf die Reputation. Sein Mandant sei aber auch Jäger. Und bei einem zweiten Eintrag im Strafregister würden bei ihm automatisch die Waffen eingezogen. Den Vorfall nehme sein Mandant sehr ernst, deshalb nehme er jetzt vermehrt die Dienste eines Chauffeurs in Anspruch, betonte der Anwalt.

Nach kurzer Beratung folgte das Urteil. Der Strafbefehl wird revidiert, allerdings verschärfend. Der Ferrari-Fahrer habe wiederholt die Verkehrsregeln grob verletzt. Die Polizeiarbeit sei zwar sicher nicht optimal, aber der Vorgang an sich sei eindeutig. Sein Fahrmanöver zeige ein bewusstes Verhalten. Das Verdikt lautet auf eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 3000 Franken sowie eine Busse von 10'000 Franken. Das Urteil ist nicht rechtskräftig und kann innerhalb von zehn Tagen angefochten werden.