Die Fans der Rotstab-Clique sind enttäuscht. Auf Facebook machen Anhänger ihrem Frust Luft: «Ein grosser Verlust an Kultur! Ich bin echt ratlos über euren Entscheid!», so eine Frau. «Schade», kommentiert eine andere den Beitrag, in welchem die Clique über ihren Entscheid informierte.

Einige können es gar nicht glauben, dass die Rotstab-Clique ab 2019 nicht mehr am Umzug teilnehmen wird. Sie hoffen auf einen Scherz. «Ob das zum Sujet ghört??? evt. Fake News oder echt ???» und «Die promote sicher ihres Fasnachtsmotto, wenn jo, isch es e gueti Wärbig», so zwei Kommentare.

Es gibt weitere kritische Stimmen am Entscheid der Rotstab-Clique: «S isch irgendwie e chli es Trötzele! Me merkt das nit erst im 88igste Joor... will d Fasnacht generell het sich gänderet und nit erst gester. Chli e faade Bigschmack! (…)», schreibt ein Mann. Eine Frau pflichtet ihm bei: «Find i au (…) gäbt sicher anderi Forme, s’Pfyffe und Drummle als Clique wieder an Maa resp. Frau z’bringe. Schade.»

Beim Fasnachtskomitee Liestal sitzt der Schreck tief. Obmann Ruedi Schafroth kann den Entscheid der Clique noch immer nicht nachvollziehen. «Ich finde es sehr schade. An der Fasnacht hat es Platz für alle.» Schafroth hat besonders deshalb Mühe mit dem Entscheid der Gruppe, weil sich die Kritikpunkte der Rotstab-Clique nicht auf die eigentliche Strassenfasnacht beziehen. «Die beschriebenen Vorfälle fanden alle nach dem Umzug statt, und mit dieser Entscheidung wird der Umzug abgestraft. Das kann ich nicht verstehen.» Die Clique lässt sich trotz des Rummels nicht umstimmen. «Dass wir ab 2019 nicht mehr am Umzug mitmachen, ist beschlossene Sache», sagt die Präsidentin der Clique, Carol Zumbrunnen, mit fester Stimme. Der Entscheid sei nicht von heute auf morgen gefallen. Schon seit mehreren Jahren habe die Clique wahrgenommen, wie sich die Fasnacht im Stedtli negativ entwickle.

Landfasnacht im Wandel

Zum einen hätten sich die Zuschauer verändert, so Zumbrunnen. «Sie verstehen den traditionellen Wert der Fasnacht und unserer Musik nicht mehr.» Vor allem am späten Abend sei die Stimmung in den Gassen für die Pfeifer und Trommler der Rotstab-Clique unerträglich geworden. Die Musiker wurden laut Zumbrunnen als «Schiss-Pfyffer» beschimpft, einmal flog sogar eine Flasche in Richtung der Gruppe.

Aber auch die Zusammensetzung des Umzugs insgesamt habe sich verändert. Es gebe immer mehr Wagen mit lauter Musik und Guggen. Das Verhältnis mit diesen Formationen sei zwar gut, aber: «Uns konnte man so gar nicht mehr hören.» Die Clique bekam das Gefühl, dass ihre traditionelle Musik nicht mehr gefragt ist.

Aber ist es denn die richtige Lösung, sich als traditionelle Gruppe mit Trommeln und Piccolos ganz aus dem Umzug zurückzuziehen? Zumbrunnen kennt die Antwort nicht. Nur: «Für uns fühlt es sich richtig an.» Gerne würde sie die Schulen in Liestal mehr in die Pflicht nehmen, damit sich die Stimmung der Zuschauer gegenüber den traditionellen Instrumenten wieder verbessert. «In Basel gibt es an den Schulen die Fasnachts-Box. Damit wird der traditionelle Wert der Fasnacht erklärt», erklärt Zumbrunnen. Sie könnte sich ein ähnliches Modell für Liestal vorstellen. «Aber es ist uns klar, dass die Schule mit dem engen Lehrplan nicht viel Zeit für solche Extras hat.»

Die Rotstab-Clique will sich nun auf das jährliche Cabaret konzentrieren.