Fast ein Monat ist vergangen, seitdem der Reinacher Gemeindepräsident sein Amt abgegeben hat. In seinem Rücktrittsschreiben hatte er deutlich gemacht, dass er den Medien nicht für weitere Aussagen zur Verfügung stehe. Inzwischen ist es um die Asylheimaffäre, über die Hintermann gestolpert ist, ruhig geworden.

Doch jetzt ergreift Hintermann zum ersten Mal wieder das Wort. In seinem persönlichen Blog äussert er sich zu kursierenden Gerüchten, er habe einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall gehabt. Diese sind nicht ganz haltlos. Hintermann erlitt nämlich am Tag vor der Einwohnerversammlung, an dem harte Fragen zur Asylheimaffäre auf der Traktandenliste standen, eine Streifung, also einen temporären Schlaganfall. Wenige Tage darauf gab er seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

Gesundheit nicht Grund für Rücktritt

Inzwischen gehe es ihm gesundheitlich wieder gut, stellt er jetzt klar, und seine Gesundheit sei auch nicht ausschlaggebend für seinen Rücktritt gewesen – zumindest nicht direkt. Er schreibt, er habe dank des Zwischenfalls viel Zeit gehabt, um nachzudenken über das, was in der zwölf Jahren seiner Amtszeit zum Wohlergehen der Gemeinde beigetragen habe – nämlich «die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat, Einwohnerrat und Verwaltung».

Diese sieht er jetzt in Gefahr, weil Anschuldigungen gemacht worden seien, ohne die Sachverhalte vorher abgeklärt zu haben. «Ich bin erstaunt, wie viele sich eine Meinung anmassen anhand einiger hochgradig tendenziöser Zeitungsartikel», schreibt Hintermann.
Im Blog ist viel Groll gegen die Medien zu spüren. Die an sich selber gestellte Frage, ob er alles richtig gemacht habe, verneint er. Aber: «Aus dem Ruder gelaufen ist der jetzige Konflikt erst dadurch, dass er in die Medien getragen und dort skandalisiert wurde.» Persönlich will er nicht von Bitterkeit sprechen. Er habe viele positive Rückmeldungen erhalten, die Leserbriefe gegen ihn seien nicht repräsentativ. Mit seinem Blog-Beitrag macht Hintermann deutlich, dass nach zwölf Jahren als Gemeindepräsident sein öffentliches Wirken zu Ende geht. Er sei jetzt «wieder ausschliesslich Privatperson», er äussere sich nicht mehr zum politischen Geschehen.

Geäussert haben sich in einem offenen Brief «Mitarbeitende der Gemeinde Reinach». Sie sind voller lobende Worte für ihren ehemaligen Chef. Die Art seines Rücktritts habe grosse Betroffenheit ausgelöst.«Nie flossen so viele Tränen im Gemeindezentrum Reinach», schreiben sie.