Es ist auf den Tag genau acht Jahre her, doch noch immer beschäftigt eine Teenager-Party die Gerichte. Im Mai 2010 ging es in Laufen um Musik, ein bisschen mehr um Alkohol und in einem Zimmer spätnachts dann auch um Sex.

Die treibende Kraft war eine damals 20-jährige Frau, die mit zwei damals 23-jährigen Männern eine Art «Partnertausch» vornahm: Sie schlief abwechselnd mit beiden Männern, während der andere jeweils mit einer betrunkenen 14-Jährigen Sex hatte. Die Beweislage war schwierig, weil ausser den vier Personen niemand im Zimmer war und vorher reichlich Alkohol geflossen war.

Umstritten war vor allem, ob die 14-Jährige derart betrunken war, dass sie zum Tatzeitpunkt komplett widerstandsunfähig war: Das bedeutet, dass der Täter eine Schändung begangen hat. Der Tatbestand wird üblicherweise beim Einsatz von K.o.-Tropfen angewendet, auch dort ist die Beweislage meistens schwierig. Klar ist, dass sich die 14-Jährige wegen des Alkoholkonsums mindestens einmal übergeben musste.

Das Strafgericht und später auch das Baselbieter Kantonsgericht verurteilten einen der Männer wegen Schändung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, dieses Urteil ist rechtskräftig. Der Mann musste dem Opfer eine Genugtuung von 8000 Franken bezahlen.

Der zweite Mann wurde milder bestraft, die Beweise reichten lediglich für den Nachweis von sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen. Das Strafmass betrug hier sieben Monate bedingt, die zu bezahlende Genugtuung 1000 Franken. Die wortführende ältere Frau wurde freigesprochen, weil sich nicht beweisen liess, dass sie die beiden Männer zur Schändung angestiftet hatte.

Kantonsgericht korrigiert Urteil

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft wie auch die Opfervertreterin waren mit dem Urteil nicht einverstanden und erhielten vom Bundesgericht im Juli 2017 Recht: Die Lausanner Richter wiesen die Geschichte zurück nach Liestal, die Kantonsrichter hätten diverse belastende Zeugenaussagen zu wenig berücksichtigt.

Damit kam es am Dienstag erneut zur Verhandlung, wobei die Liestaler Richter mit dem Rüffel aus Lausanne wenig anfangen konnten: So mussten sie auch den Tatbestand der Vergewaltigung explizit prüfen, obwohl die Beweislage dazu nichts hergab. Gerichtspräsident Dieter Eglin meinte gar, man erhalte stellenweise den Eindruck, die Bundesrichter hätten die Akten gar nicht gelesen.

Dennoch beugten sie sich dem Verdikt und nahmen eine andere rechtliche Würdigung vor: Sie verurteilten den heute 31-jährigen Mann wegen Schändung und erhöhten das Strafmass von ursprünglich 7 auf 14 Monate bedingt. Auch er muss nun eine Genugtuung von 5000 Franken an das Opfer bezahlen. Dazu kommen Verfahrenskosten von über 10'000 Franken.

Schriftliches Urteil abwarten

Für die heute 28-jährige Frau hingegen ändert sich nichts: Staatsanwältin Anne-Kathrin Goldmann hatte erneut eine Verurteilung wegen Anstiftung zur Schändung gefordert, doch die drei Kantonsrichter sahen dafür keine genügenden Beweise. «Sie hat lediglich die Situation geschaffen, das ist keine Anstiftung», sagte Dieter Eglin dazu.

Damit sind nun zwei Männer wegen Schändung bestraft, die Ideengeberin hingegen nicht. Das eröffnet erneut eine Beschwerdemöglichkeit beim Bundesgericht: So kann ein Urteil willkürlich sein, wenn es etwa in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft und auch das Ergebnis unhaltbar ist.

Staatsanwältin Anne-Kathrin Goldmann will zuerst das schriftliche Urteil abwarten, bevor sie über eine weitere Beschwerde ans Bundesgericht entscheidet.

Wie es dem inzwischen 22-jährigen Opfer heute geht, ist nicht bekannt: Sie nahm an der Verhandlung am Dienstag nicht teil.