Vier Wochen Vaterschaftsurlaub? Lieber nicht! Mit vier zu drei Stimmen hat der Bundesrat die Initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» zur Ablehnung empfohlen. Die Initiative will, dass Väter vier Wochen Vaterschaftsurlaub erhalten. Bezahlt, versteht sich. Die Urlaubstage dürfen im ersten Jahr nach der Geburt flexibel bezogen werden. Die Befürworter der Initiative sind der Meinung, dass Väter so eine bessere Verbindung zu ihrem Kind aufbauen können und die Rollenverteilung in der Familie positiv beeinflusst wird. Dass sich Vater und Mutter die Erziehung und den Haushalt also aufteilen und eventuell auch beide wieder arbeiten gehen.

Die Initiative hat natürlich auch Gegner. Diese wollen keinen staatlich verordneten Vaterschaftsurlaub und vertreten die Position, dass Unternehmen individuelle Lösungen finden sollen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass Unternehmen in der Region Basel der Forderung der Initianten nachkommen? Die «Schweiz am Wochenende» hat sich bei den hiesigen Unternehmen umgefragt.

Ikea top, Novartis Flop

Es gibt zwar durchaus Firmen, die den Vätern mehrere Wochen Zeit mit ihrem neugeborenen Kind ermöglichen. Es sind aber nur wenige – und vor allem Grossunternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Firma Georg Fischer AG, die in Sissach einen Ableger hat. Georg Fischer gewährt frisch gebackenen Vätern seit diesem Sommer vier Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei heutzutage wichtig, schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Wie viel Geld der längere Vaterschaftsurlaub kostet, gibt Georg Fischer nicht bekannt. Aber: «Wir sind überzeugt, dass der Arbeitsausfall und damit die Kosten, die wir durch die zusätzlichen Absenztage haben, tragbar sind. Wenn wir erfahrene, qualifizierte Mitarbeitende längerfristig an uns binden, können wir auch Kosten sparen.»

Auch Mitarbeiter der Ikea-Filiale in Pratteln profitieren von einem langen Vaterschaftsurlaub. Sechs Wochen unbezahlter Urlaub sind seit September möglich, ausserdem können zusätzlich noch zwei Wochen unbezahlter Urlaub bezogen werden. Ikea hatte bei dem Schritt vor allem die Gleichstellung im Blick: «Mit dem Vaterschaftsurlaub setzt Ikea Schweiz insbesondere die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Stärkung der Frauen fort», so das Unternehmen. Die Georg Fischer AG und Ikea sind eine Ausnahme, auch unter Grossunternehmen. Die Pharma-Riesen Roche und Novartis beispielsweise gewähren ihren Angestellten sechs Tage Vaterschaftsurlaub. «Novartis zieht aktuell nicht in Erwägung, den Vaterschaftsurlaub zu verlängern. Wir gewähren bereits einen Vaterschaftsurlaub von 6 Tagen. Zusammen mit den ebenfalls gewährten 5 freien Brückentagen sind das bereits 11 zusätzliche Ferientage. Einem gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub stehen wir im jetzigen wirtschaftlichen Umfeld eher zurückhaltend gegenüber», so Novartis.

Arno Kerst, Präsident der Syna, welche die Initiative für einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub unterstützt, ärgert sich über solche Aussagen. «Das ist einfach nur peinlich. Diese Unternehmen könnten sich einen Vaterschaftsurlaub problemlos leisten». Anders sieht er die Situation von KMU: «Bei diesen ist es tatsächlich so, dass ein mehrwöchiger Vaterschaftsurlaub sie vor grosse Probleme stellen kann.»

Engagierte KMU

Das bestätigt Christoph Buser, FDP-Landrat und Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. «Grossunternehmen können den vorübergehenden zeitlichen Ausfall von Angestellten naturgemäss besser auffangen als kleinere Unternehmen oder gar Familienbetriebe mit drei, vier Angestellten. In vielen KMU kann es schon herausfordernd sein, wenn jemand krank wird oder anderweitig kurzzeitig ausfällt». Bei einem längeren Vaterschaftsurlaub wären KMU gezwungen, zusätzlich Mitarbeiter temporär einzustellen. Das würde allerdings Mehrkosten verursachen. «Und auch hier gilt, dass die Mehrkosten bei KMU naturgemäss im Verhältnis zu den gesamten Aufwendungen deutlich stärker ins Gewicht fallen als bei Grossunternehmen.»

Aber auch für KMU ist es ein Anliegen, dass sie ihren Mitarbeitern Zeit mit ihrer Familie ermöglichen. Bereits zweimal wurde seit 2013 deshalb im Kanton Baselland das Projekt «KMU im Baselbiet in Aktion – Familienfreundlichkeit als Erfolgsfaktor» durchgeführt. In diesem Projekt werden Firmen von einer externen Fachstelle auf ihre Familienfreundlichkeit geprüft und es wird ihnen aufgezeigt, wo sie Verbesserungspotenzial haben. Jeweils zwei Jahre dauert die Projektphase. Insgesamt nahmen bis jetzt 21 Unternehmen an dem Projekt teil.

In der zweiten Projektstaffel machte unter anderem die Alabor Gartenbau AG mit. Geschäftsführer Thomas Jundt machte gute Erfahrungen mit dem Projekt. «Wir haben uns in dieser Zeit vertieft damit auseinandergesetzt, wie wichtig das Thema der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf ist», erklärt Jundt. Sein Unternehmen begann deshalb aktiv, die Bedingungen für Eltern zu verbessern. Rückwirkend auf den 1. Januar 2017 führte die Alabor Gartenbau AG beispielsweise einen Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen ein, Mütter erhalten 16 Wochen Mutterschaftsurlaub bei vollem Lohn. Mindestens zwei Väter hätten in diesem Jahr bereits von dem Angebot profitiert. «Natürlich würden wir den Vätern gerne mehr Urlaub geben», so Jundt. «Aber mit den Grossunternehmen können wir nicht mithalten, immerhin trägt unser Unternehmen die Kosten selber». Aber: «Ich denke es zählt schon, wenn wir den Vätern wenigstens ein paar Tage mehr ermöglichen als das gesetzliche Minimum.»