Sie werde in die extremistische Ecke gedrängt, klagt eine muslimische Organisation, die in der Region Basel schon seit bald vier Jahrzehnten tätig ist. Als bekannt wurde, dass der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in einer Liegenschaft in Binningen Gebetsräume und ein Internat einrichten will, kam sofort Kritik auf. Der Vereinigung mit türkischen Wurzeln wird vorgeworfen, sie vertrete eine ultra-konservative Strömung des Islam, die mit westlichen Werten kaum vereinbar sei.

Auch dem Binninger Gemeinderat wurde es mulmig angesichts der neuen Religionsgemeinschaft in seiner Gemeinde. Er legte vorsorglich Rekurs ein gegen das Baugesuch für die Umnutzung der Liegenschaft an der Baslerstrasse 8. Am 20. Dezember teilte der Gemeinderat mit, er erwarte ein «detailliertes Nutzungs- und Betriebskonzept» als Voraussetzung für eine «abschliessende Prüfung dieser Zweckänderung». Weiter hält der Gemeinderat fest, er distanziere sich von «jeglichen Vereinigungen, welche die Werte unserer freiheitlichen Demokratie und unseres Rechtsstaats ablehnen».

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, mahnte zur Vorsicht im Umgang mit dem VIKZ. «Es geht diesem erzkonservativen Verband darum, seine Strukturen hochzufahren», wurde sie in der «Basler Zeitung» zitiert. Der VIKZ stehe in Verbindung mit demokratiefeindlichen Organisationen wie den Grauen Wölfen.

Vier Jahrzehnte in der Region

Der VIKZ verneint derartige Verstrickungen. Der Vorstand schreibt auf Anfrage der bz, der Verband vertrete eine konservative-sunnitische Auslegung des Islam. «Doch konservativ sind andere Religionsgemeinschaften auch.» Man werde, anders als häufig kolportiert, auch nicht aus dem Ausland unterstützt, sondern finanziere sich ausschliesslich über Spenden und Mitgliederbeiträge.

Springender Punkt im Umnutzungsgesuch war die vorgesehene Geschlechtertrennung. So sollen im Zentrum in Binningen die Mädchen und Buben bereits ab fünf Jahren getrennt bleiben. Es handle sich um ein Missverständnis, beteuert der VIKZ. «Das mit der Geschlechtertrennung ab fünf Jahren ist tatsächlich im Gesuch enthalten. Die Formulierung ist unglücklich gewählt. Wir können die Bedenken nachvollziehen.» Laut dem Vorstand wären in den Gebetsräumen die Geschlechter getrennt, wie das in allen Moscheen der Schweiz üblich sei. Die Kinder jedoch könnten sich frei bewegen.

Der VIKZ ist im Raum Basel seit über 35 Jahren aktiv. Er ist zwar Mitglied des VIOZ, der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich, nicht jedoch der Basler Muslim-Kommission (BMK). Die BMK stellt den VIKZ auf seiner Website vor. Demnach eröffnete der Verein mit rund 100 Mitgliedern sein erstes islamisches Kulturzentrum in Basel im Jahr 1981, später bezog er Räumlichkeiten in Bottmingen und Muttenz. Kürzlich kaufte der Verband für 5,8 Millionen Franken das dreigeschossige Gebäude in Binningen. «Für uns bot sich die Gelegenheit», schreibt der VIKZ, «eine Liegenschaft in der Nordwestschweiz zu erwerben. Bislang waren wir nur Mieter.»

Vorgesehen ist, dass im Gewerbebau Buben und Jugendliche wohnen können. Sie sollen in Religion unterrichtet werden und Nachhilfe erhalten. «Die Kinder würden weiterhin öffentliche Schulen besuchen, wie das bei unseren anderen Einrichtungen üblich ist», schreibt der Verband.

Der VIKZ unterhält in der Schweiz neben 14 Moscheen und Kulturzentren bereits drei derartige Schülerwohnheime in Zürich, Buchs und Wetzikon.

Sie seien von den Kantonen beaufsichtigt und bewilligt. Bei der Baselbieter Bildungsdirektion werde man ebenfalls ein Gesuch für das Internat einreichen.

Dass das Vorhaben in Binningen auf Widerstand stosse, damit habe man rechnen müssen, schreibt der VIKZ. «Es gibt in der Berichterstattung in den Medien aber auch scharfmachende Tendenzen, das bedauern wir sehr.»

Verband will sich öffnen

In Deutschland repräsentiert der VIKZ die drittgrösste türkisch-islamische Strömung und betreibt Schulwohnheime in grosser Zahl. Auch sie stossen auf Widerstand, zuletzt in Baden-Württemberg. Laut der «Stuttgarter Zeitung» kaufte eine Gemeinde im Dezember ein Grundstück zurück, um ein Internat des VIKZ zu verhindern.

Beate Sträter, Beauftragte des Reformierten Bundes für das christlich-muslimische Gespräch in Bonn, hält fest, der VIKZ vertrete theologisch «einen konservativen, aber nicht politisch orientierten Islam». Ebenso sei er wieder stärker in den Dialog eingebunden.

Der VIKZ Schweiz wiederum gibt sich öffentlichkeitsscheu. Der Vorstand schreibt, er habe bisher tatsächlich zurückhaltend informiert und keine eigene Website betrieben. «Wir erwägen jedoch, offensiver zu informieren, in der Hoffnung, Vorurteile abzubauen und Vertrauen schaffen zu können.»