«Das Auto muss losfahren und du musst schneller schiessen.» Schon von weitem hört man die Anweisungen des 23-jährigen Regisseurs Samuel Morris. Geschäftig läuft er auf dem Filmset herum, gibt Anweisungen und erklärt, wie er sich die Szene vorstellt. In der Neumattstrasse in Aesch drehte diese Woche der junge Nachwuchsregisseur die nächste Szene für seinen neuen Kurzfilm «Doug & Walter».

Das weite Land und zwei irre Typen, die die Freiheit suchen, aber daran scheitern: «Doug & Walter» erzählt den skurrilen Roadtrip von zwei Aussenseitern inmitten der Schweiz. Die beiden sind ein ungleiches Paar. Doug, ein US-Amerikaner Mitte 50 mit Burnout-Syndrom wurde kürzlich entlassen. Getrieben von dem Wunsch nach Freiheit will er nun nochmals richtig auf den Putz hauen. Walter, sein ehemaliger Arbeitskollege, ist ein zurückhaltender Typ und bewundert Doug für seine ungestüme Art. Zusammen machen sie die Schweizer Landstrassen unsicher und rutschen von einem Abenteuer ins nächste: mit fatalen und weitreichenden Folgen. «In der Schweiz gibt es vor allem Filme, die nachdenklich machen. Einen richtigen Road-Trip-Film gibt es nicht – bis jetzt», freut sich Flavio Gerber, Mitbegründer der Filmgerberei GmbH, die den Film produziert.

SRF wollte nicht

«Doug & Walter» ist ein Kurzfilm, etwa 20 bis 23 Minuten lang. Gedreht wird er in acht Drehtagen an verschiedenen Orten in der Region. Neben Aesch auch in Seewen, Grellingen, Liesberg und Blauen. Morris, der aus Pfeffingen stammt und die Region daher kennt, erklärt: «Wir haben hier eine super Location gefunden, die perfekt zum Film passt und die Stimmung repräsentiert, die ich mir wünsche.» Vorher sei er auf der Suche nach passenden Orten durch die ganze Schweiz gereist – erfolglos. «Die Drehzeit ist knapp. Einen zusätzlichen Drehtag konnten wir uns aber leider nicht leisten, da wir nur ein niedriges Budget haben.»

Die Kosten des Films belaufen sich auf über 100'000 Franken. Ein Teil davon wurde durch Crowdfunding finanziert. Zudem wird «Doug & Walter» unter anderem vom Bundesamt für Kultur, dem Fachausschuss Audiovision der beiden Basel und privaten Gönnern unterstützt. Auch das SRF habe man angefragt, sagt Nadine Lüchinger, die Produzentin. Doch das Schweizer Radio und Fernsehen lehnte ab. Sie lacht: «Das Drehbuch war ihnen zu blutig.»

In der Zwischenzeit ist das Auto wieder auf Anfangsposition, die Schauspieler und der Kameramann sind wieder in Stellung. Morris deutet mit der Filmklappe und einem lauten «Film ab» den Beginn des nächsten Drehs an. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein: Das Filmteam, das aus 23 Personen besteht, wird die Szene noch mehrmals drehen – bis sie perfekt im Kasten ist. Nebst den beiden Hauptdarstellern, Jeff Zach und Nicolas Rosat, treten in weiteren Rollen auch Manuela Biedermann und als Kneipenwirt Beat Schlatter auf.

Der Durchbruch als Ziel

Diesen Herbst wird «Doug & Walter» fertiggestellt sein. Gleich nach Ende der acht Drehtage, heute Freitag, gehen die vielen Stunden Filmmaterial zum Schneiden und Bearbeiten. Anschliessend wird er an nationale und internationale Filmfestivals eingeschickt, bei denen er möglichst viele Preise abräumen soll. Auch wird er bei Open Air-Kinos zu sehen sein.

Samuel Morris, der nie eine Filmschule besucht hat, ist in der Filmszene kein unbeschriebenes Blatt. «14», sein erster Doku-Film wurde mit dem Basler Filmpreis ausgezeichnet. Mit «Schritt für Schritt» gewann er zwei Jahre später den ersten Platz an den Schweizer Jugendfilmtagen. Mit beiden Filmen nahm er als jüngster Regisseur an den Solothurnern Filmtagen teil. «Doug & Walter» soll sein neues Meisterwerk werden. «Er kann für mich der absolute Durchbruch sein», hofft Morris. Auch Lüchinger ist klar: «Mit einem Kurzfilm lässt sich schwer Geld verdienen. Der Film ist eher eine grosse Investition in die Zukunft, eine Investition in Morris.»