Was für ein Paukenschlag: Keine drei Wochen, nachdem sich das Baselbieter Stimmvolk klar dagegen ausgesprochen hat, die medizinische Grundversorgung am Spital Laufen und die erweiterte Grundversorgung an den Standorten Bruderholz und Liestal ins Gesetz zu schreiben, gibt das Kantonsspital Baselland (KSBL) bei seinen Planungen Gas.

An einer Personalinformation vergangenen Donnerstag wurde offenbar verkündet, dass die Chirurgische Abteilung in Laufen bereits Ende September 2017 schliessen könnte. Dies sagt der Laufner Stadtpräsident Alexander Imhof – und verwertete die Information gestern in der ersten Pressemitteilung der «Verhandlungsdelegation zur Zukunft des Spitals Laufen» (VDSL).
«Die Meldung kam für das Personal sehr überraschend und traf es hart.

Es flossen Tränen», sagt Imhof auf Nachfrage der bz. Dass das KSBL plant, am kleinsten seiner Standorte dereinst auf die Chirurgie zu verzichten, hat die Leitung schon länger im Rahmen einer Neuausrichtung der Standorte bekannt gegeben. Doch dass es bereits in gut drei Monaten so weit sein soll, kommt unerwartet.

Für Imhof ist der Fall klar: «Das KSBL wollte den Schwung aus der Abstimmung für die Arbeiten an der Spitalgruppe beider Basel nutzen und hat das Personal vor vollendete Tatsachen gestellt.» Dabei müsse die Spitalgruppe auch erst vors Volk.

KSBL: «Schliessung stufenweise»

Für die VDSL, die vergangene Woche ihre konstituierende Sitzung abhielt und der Imhof vorsteht, ist dieses Vorgehen des KSBL unhaltbar. Sie möchte unbedingt zuerst mit der Regierung und dem KSBL verhandeln, wie die Gesundheitsversorgung des Laufentals gesichert werden kann. Die Pläne des KSBL, aus Laufen ein Gesundheitszentrum mit Notfall-Permanence und stationärer Schmerztherapie und Rehabilitation zu machen, genügen der Delegation nicht.

Mit dem Laufental-Vertrag und dem isolierten Ja des Bezirks zur Spital-Initiative im Rücken fordern sie die Regierung auf, dafür zu sorgen, «dass bis Abschluss der Verhandlungen keine einseitigen, nicht mehr rückgängig zu machenden Veränderungen vorgenommen werden». Das wäre bei der Chirurgie nun aber bereits der Fall: «Wenn ein Spital Abteilungen schliesst, ist die Grundlage für dieses medizinische Angebot unwiderruflich weg», fürchtet denn auch Imhof. Nun erwarte er von der Regierung staatspolitisches Gespür.

Die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion reagiert diplomatisch: «Selbstverständlich ist die Regierung bereit, eine Delegation zu empfangen und steht einem Gespräch offen gegenüber.» Dabei stellt sich allerdings die Frage, was die Regierung überhaupt tun kann. Denn wie das KSBL auf Anfrage bestätigt, ist die Schliessung der Chirurgie nicht Teil der Spitalgruppen-Planung, sondern gehört zu einem internen Umstrukturierungsprojekt – in Eigenkompetenz.

Überhaupt ist das Kantonsspital darum bemüht, den Ball flach zu halten: «Es handelt sich nicht um eine vollständige Schliessung der Chirurgie per Herbst 2017, sondern wir haben den Mitarbeitern die geplanten nächsten Schritte unseres Projektes mit Zielbild 2020 kommuniziert», schreibt Sprecherin Brigitte Emmenegger.

Die Abschaffung der chirurgischen Operationen in Laufen erfolge stufenweise ab 2018. Allerdings – und daher rührt wohl die Angst der Mitarbeiter – ergänzt sie: «Je nach Veränderung in der Personalsituation muss sie eventuell auch vorgezogen werden.» Das KSBL wird also Pensionierungen oder natürliche Abgänge nicht mehr ersetzen.