Er bewegt ein ganzes Tal – der Neubau der Waldenburgerbahn (WB). Für einen Infoanlass in Niederdorf war die Mehrzweckhalle am Dienstagabend gerammelt voll, schon tags zuvor hatten viele Interessierte den Weg in die Hölsteiner Rübmatthalle gefunden.

Das fertige Projekt

Die Baselland Transport AG (BLT), welche die WB Anfang 2016 übernommen hatte, präsentierte in Niederdorf das fertige Projekt für den Abschnitt zwischen Hirschlang und St. Peter. Das Plangenehmigungsdossier sei dem Bundesamt für Verkehr, der Bewilligungsbehörde, eingereicht worden, erklärt Reto Rotzler, Leiter Infrastruktur bei der BLT.
Auch wenn in Niederdorf die Bauarbeiten voraussichtlich erst Anfang 2021 starten, sind die betroffenen Anstösser bereits jetzt mit Vorbereitungen für den Bahn-Neubau konfrontiert.

Derzeit werden im Gelände Profile ausgesteckt, damit man sich vom breiteren Bahntrassee, grösseren Platzbedarf der Vorderen Frenke wegen des Hochwasserschutzes und von der Korrektur der Kantonsstrasse ein Bild machen kann. Für das ganze Vorhaben ist eine Neuauflage mit Umweltverträglichkeitsbericht nötig. «Inhaltlich sind die Unterlagen nicht sehr anders als die vorigen, aber ein solches Gesamtprojekt mit vielen Einzelprojekten muss auf die Umweltverträglichkeit geprüft werden», betont Rotzler.

Ende Monat dürfte bei einigen Anrainern der Blutdruck steigen, wenn sie einen eingeschriebenen Brief der BLT erhalten. Dabei geht es um Landerwerb. Der breitere Bachlauf und das grosszügigere Trassee benötigen mehr Platz – insgesamt zwei bis drei Meter. Weil die Verhältnisse durch Niederdorf jetzt schon eng sind, müssen Private Land abtreten. Dies wird nicht überall auf Begeisterung stossen; Diskussionen sind programmiert, Einsprachen ziemlich sicher.

Niederdorf muss während der Jahre 2021 und 2022 eine Bauerei von grösserem Ausmass über sich ergehen lassen. Das werde nicht schmerzfrei gehen, lassen die BLT-Verantwortlichen wissen. Gemeindepräsident Martin Zürcher korrigiert diese Aussage und meint: «Das klingt jetzt beschönigt.»

Mit dem WB-Neubau, den Hochwasserschutzmassnahmen und den Bauarbeiten an der Kantonsstrasse, in der auch noch Werkleitungen ersetzt werden, würde die Dorfbevölkerung auf eine harte Probe gestellt, so Zürcher. Vor Baubeginn finden in Gebäuden im Bauperimeter Beweissicherungsaufnahmen statt, um später allfällige Schäden feststellen zu können.

Ein Votant warnt: «Im Tal wird sich viel verändern, und es wird danach nicht mehr so aussehen wie einst». Er versteht nicht, weshalb man für ein gelb-rotes Bähnli so viel Geld ausgebe, «das ich vermutlich nie benutzen werde». Die Infrastruktur verschlingt rund eine Viertelmilliarde Franken, das Ende April bestellte Rollmaterial kostet 54 Millionen.

Infos aus erster Hand

Die BLT führt am 15. Mai in Oberdorf und am 20. Mai in Waldenburg weitere Infoanlässe durch, um die Einwohnerschaft über den Stand der Arbeiten zu orientieren. In Oberdorf muss ein Teil des Gebäudes der Basellandschaftlichen Kantonalbank dem WB-Neubau weichen. Die Bank garantiere jedoch, dass sie den Standort Oberdorf beibehalte, sagt Fredi Schödler, stellvertretender Direktor der BLT, zur bz.

Die Endstation Waldenburg erhält einen komplett neuen Bahnhof. Zusätzlich entsteht dort ein neues Depot sowie eine Werkstatt für Rollmaterial.