Liestals Beizenszene bleibt auch im nächsten Jahr in Bewegung, ganz besonders in der Altstadt. Die schlechte Nachricht dabei: Am unteren Ende des Stedtlis gibt mit Natalie Freivogel eine junge, vielversprechende Wirtin den Kochlöffel ab. Die 32-Jährige verlässt das «Amtshaus» nach drei Jahren auf Ende März. Sie sagt: «Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist, und es tut mir weh zu gehen. Aber ich brauche für meinen Aufwand auch einen gewissen Lohn.»

Damit spielt Freivogel auf die «hohe» Miete von monatlich 3500 Franken und die personalaufwendige Situation an, dass sich Küche und Gasträume auf drei Stockwerke verteilen. Beschleunigt hat ihren Abgangsentscheid die anstehende Sanierung der Rathausstrasse mit Start nach der Fasnacht: «Wegen diesem Umbau können wir vier Monate lang nicht draussen servieren.»

Wie es mit dem «Amtshaus» weitergeht, ist im Moment noch offen, es sollte aber ein Restaurant bleiben, wie Besitzer Urs Bähler versichert. Er habe fünf Interessenten und wolle die Pacht noch vor Weihnachten vergeben. Den Mietzins, der auch die Inventarmiete und die Nebenkosten umfasse, erachtet Bähler als «sicher nicht zu hoch» für die Lokalität.

«Heilige Kühe» auf dem Teller

Gute, wenn auch zeitlich noch etwas unkonkrete Nachrichten gibt es vom oberen Stedtli-Ende: In die schon seit bald einem Jahr leerstehenden Räume des ehemaligen Kleidergeschäfts PKZ zieht die Burger-Kette «Holy Cow» ein. Pressesprecherin Kyra Müller hofft, dass die Eröffnung im zweiten Quartal des nächsten Jahres erfolgt. «Es ist in unserem Interesse, dass dies möglichst bald geschieht», doppelt sie nach, denn «Holy Cow» miete die Lokalität schon seit mehreren Monaten. Doch gleichzeitig schränkt Müller ein, dass die Eröffnung der «Holy Cow»-Filiale am Rümelinsplatz in Basel Vorrang habe. Die 2009 in der Westschweiz ins Leben gerufene Holy Cow Gourmet Burger Company SA betreibt mittlerweile zwölf Filialen in der Schweiz; die neuste ist Anfang dieses Monats in Zürich eröffnet worden.

Auch bei Coop in der Mitte der Rathausstrasse gibt es im nächsten Jahr Änderungen, dies aber weit über den Gastronomie-Bereich hinaus. Wobei vorauszuschicken ist, dass Coop wie schon letztes Jahr beim gescheiterten Ziegelhof-Projekt eine etwas spezielle Informationsschiene fährt. Sie lautet in den Worten von Mediensprecher Ramon Gander einmal mehr: «Wir sagen nichts, weil das Ganze nicht spruchreif ist.»

Dabei ist das Baugesuch für den Umbau eingereicht, das heisst, das Projekt befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Greifen wir also zurück auf Aussagen aus Coop-nahen Kreisen und auf das, was der Liestaler Stadtrat Franz Kaufmann in der Fragestunde der letzten Einwohnerratssitzung bekannt gab. Demnach baut Coop im nächsten Sommer seine derzeit auf zwei Stockwerke verteilte Filiale Stabhof auf eine Etage im Erdgeschoss zurück. Doch weil dabei die Rolltreppe wegfällt, ist der Verkaufsflächen-Verlust gegenüber der heutigen Situation nicht so gross, wie es auf den ersten Blick scheint.

Beim Umbau der Liestaler Filiale setzt Coop auf sein neues Ladenkonzept mit vielen Frischprodukten und neuer Präsentation, wie es gestern am Beispiel der umgestalteten Filiale im Zürcherischen Zumikon erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Gastronomisch gibt es in Liestal offenbar einen Rückschritt: Das heutige Selbstbedienungs-Restaurant im ersten Stock soll durch ein Café mit Snacks innerhalb des neuen Ladens im Erdgeschoss ersetzt werden.

Felix Mühleisen gibt nochmals Gas

KMU-Sprecher Michael Bischof sieht die Liestaler Beizenszene im grossen Ganzen im Aufwärtstrend. Positiv wertet er insbesondere die Eröffnung des «Tapeo» im Ziegelhof Anfang dieses Monats und die Ankündigung von «Holy Cow». Zu Letzterem sagt er: «Das wird die Rathausstrasse aufwerten.»

Bischof ortet aber auch noch eine Lücke: «Es könnte noch ein oder zwei Gastro-Betriebe mit einem innovativen Angebot und Platz zum Verweilen im oder unmittelbar ums Stedtli vertragen.» Diesen Wunsch will ihm im nächsten Frühjahr der Liestaler Beizen-Fuchs Felix Mühleisen zumindest ein Stück weit erfüllen: Sein Café beim Törli ist zwar nicht neu, aber er will es ab nächstem Frühjahr noch mit einem Take-away-Aussenbetrieb aufpeppen. Zudem liebäugelt er mit längeren Öffnungszeiten am Abend.