Es «baselbieteret» nie so intensiv wie an der traditionellen Herbstvernissage des Kantonsverlags: Da stellen Autoren aus dem Baselbiet oder zumindest mit einem engen Bezug dazu einem Baselbieter Publikum ihre Bücher zu einem Baselbieter Aspekt vor. Das war auch am Dienstagabend so. Und man stellte sich einmal mehr die bange Frage, wo so interessante Nischenprodukte wie die Werke zu einer Liestaler Kunstschreinerei oder zum regionalen Wüten der Spanischen Grippe vor bald 100 Jahren erscheinen würden, wenn das auch schon andiskutierte Wegsparen des Kantonsverlags Realität würde.

Immerhin scheint dieses Risiko im Moment wieder kleiner zu sein, wie das Referat von Bildungsdirektorin Monica Gschwind zeigte. Sie thematisierte nicht nur ihre Begeisterung fürs «wertvolle Kulturgut» Buch, das mit den an der Vernissage präsentierten Werken ein Stück reicher werde, sondern sie kommunizierte auch einen für die Zukunft des Kantonsverlags wichtigen Personalentscheid: Gschwind hat Mathias Naegelin, der den Verlag längere Zeit ad interim führte, zum offiziellen Verlagsleiter befördert.

Notfall nur noch auf Anmeldung

Dieser Naegelin bat dann – in Zusammenarbeit mit dem kultigen Kabarettisten-Duo Strohmann-Kauz – fünf Autoren auf die Bühne, deren Werke unterschiedlicher kaum sein könnten:

Mit «Krankenbesuche verboten!» widmet sich Autor Andreas Tscherrig einem Thema, das zumindest auf der Ebene der beiden Basel bisher kaum näher beleuchtet worden ist – der Spanischen Grippe. Sie wütete in der Region ab dem Sommer 1918 bis ins frühe Folgejahr hinein und hinterliess hier 1200, weltweit 50 Millionen Tote. Tscherrig sprach an der Vernissage von einer «in der Geschichtsschreibung beider Basel lange vergessenen Seuche» und stieg deshalb beim Recherchieren tief in die Staatsarchive in Basel und Liestal hinab. In den Mittelpunkt stellt er in seinem Buch die Aktionen und Reaktionen der beiden Sanitätsbehörden in einem schwierigen Umfeld: Mangel an Ärzten und Pflegpersonal, Bedarf an Notspitälern, missachtete Vorbeugeregeln in der Bevölkerung und in der Presse verbreitete Wundermittel gegen die Grippe. Wie dramatisch die Situation war, zeigt etwa ein Inserat in der bz vom 17. Juli 1918 mit der Ankündigung des Spitalarztes, dass Patienten, auch Notfälle, nur auf Anmeldung aufgenommen werden können, «da das Krankenhaus wegen der spanischen Influenza überfüllt ist».

Unter dem Titel «Weltklasse in Liestal» beleuchten Stefan Hess, der auch das Dichter- und Stadtmuseum Liestal leitet, und Wolfgang Loescher einen ganz besondern KMU: die Kunstschreinerei Bieder. In ihrem reich bebilderten Band schildern die Autoren den Aufstieg der Liestaler Allerweltsschreinerei zur führenden Kunstschreinerei in der Schweiz mit Kundschaft aus der internationalen High Society, aber auch den späteren Niedergang. Zudem werden 17 ausgewählte Arbeiten näher vorgestellt. Kein Zufall ist, dass der Kunstschreinerei Bieder im Liestaler Dichter- und Stadtmuseum ab 30. November eine Sonderausstellung mit Möbelstücken, Entwürfen, Fotografien und anderem gewidmet ist.

«So schmeckt das Baselbiet». In der Reihe der «bild.geschichten.bl» gehen Franziska Schürch und Miriam Baumeister der Nahrungsmittelproduktion und der Esskultur im Baselbiet, begleitet von zahlreichen historischen Aufnahmen, nach.

Im dritten Band «Neue Baselbieter Merkwürdigkeiten» schildert der unverwüstliche Autor René Salathé 61 ernstzunehmende respektive amüsante Begebenheiten aus dem Kanton.

«Aurea Bulla», ein Roman über zwei römische Jugendliche in der Region vor zwei Jahrtausend, schliesslich wendet sich an ein ganz beschränktes Publikum: Lateinschüler auf Sek-Stufe. Das Lehrplan 21 kompatible Schulbuch, das Mitautor Martin Müller vorstellte, zeigt, dass heutige Schüler Sprachen bedeutend lustvoller lernen dürfen.