Die Verzweigung Augst ist ein Nadelöhr im schweizerischen Nationalstrassennetz. Das Autobahnkreuz ist regelmässig verstopft, ebenso die anschliessenden Teilstücke der Autobahnen 2 und 3. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will nun reagieren: Bald soll es möglich sein, auf den entsprechenden Abschnitten auch auf dem Pannenstreifen zu fahren. Die Strassen können so deutlich mehr Verkehr schlucken.

Der Birsfelder Gemeindepräsident und FDP-Landrat Christof Hiltmann bezeichnet die geplanten Kapazitätserweiterung als «halbherzig». Das schreibt er in einem Beitrag in der jüngsten Ausgabe des «Standpunkts der Wirtschaft». Er kritisiert, dass die Kapazität zumindest bei einem Ausbauprojekt des Astra nur lokal vergrössert werde.

Er meint damit das A2-Teilstück zwischen dem Anschluss Liestal und der Verzweigung Augst. Dort soll der Pannenstreifen zwar in Fahrtrichtung Zürich/Luzern freigegeben werden, nicht jedoch auf der Gegenfahrbahn, also in Fahrtrichtung Basel. Dieser Abschnitt wird dreispurig bleiben, hinzu kommen maximal zwei Spuren für Ein- und Ausfahrten. In Richtung Zürich/Luzern hingegen wird es neu vier statt drei Fahrstreifen geben.

Nur ein «Pfläschterli»?

«Ich bin der Meinung», sagt Hiltmann zur bz, «dass die gesamte Verkehrskapazität zwischen Rheinfelden und den Grenzübergängen Deutschland und Frankreich unmittelbar erhöht werden muss. Wir können nicht weitere 20 Jahre alleine auf Grossprojekte warten.»

Pannenstreifennutzungen sind gemäss Hiltmann nur ein Mosaikstein, daneben brauche es «weitere rasch wirksame Massnahmen», zum Beispiel schnellere Unfallräumung, optimierte Verkehrsleitsysteme, die Nutzung der A98 über Deutschland als Transitroute oder die Aufhebung des Nachtfahrverbots für Lastwagen.

«Solange das Thema nicht gesamtheitlich angegangen wird», sagt Hiltmann, «handelt es sich um Pfläschterli: Der Stau verschiebt sich lediglich um ein paar Kilometer.»

Hiltmann kämpft auf politischer Ebene seit Jahren gegen den wachsenden Verkehr auf der A2 an. Dieser schwappt zu Stosszeiten regelmässig von der Autobahn auf Birsfelden herüber, dann ist unter anderem die Hauptstrasse verstopft. Im vergangenen Jahr liess Birsfelden deswegen die Gemeindestrassen für den Durchgangsverkehr sperren, die Ortspolizei verteilt rigoros Bussen.

Für das Pannenstreifen-Umnutzungsprojekt ist die Astra-Filiale Zofingen zuständig. Dort heisst es auf Anfrage, man habe sich bei der A2 aus Kostengründen auf eine Fahrtrichtung begrenzt. «In Richtung Basel wären grosse bauliche Massnahmen notwendig», sagt Esther Widmer, Sprecherin der Astra-Filiale.

Projekt kostet 4,9 Millionen

In Fahrrichtung Zürich/Luzern hingegen würden die Anpassungen weniger aufwändig ausfallen. Laut Widmer müssen auf rund 700 Metern unter anderem Abwasserschächte aufgehoben oder verstärkt werden: «Die sind nicht dafür ausgelegt worden, dass ständig Fahrzeuge drüberfahren.»

Der andere Abschnitt, der künftig mehr Verkehr absorbieren kann, ist derjenige zwischen Augst und der Ausfahrt Rheinfelden West. Dieses Teilstück misst rund 1,3 Kilometer.

Hier werden die Pannenstreifen in beiden Fahrtrichtungen befahrbar sein. Damit Lastwagen oder Autos auch künftig bei Pannen sicher anhalten können, wird eine Nothaltebucht eingerichtet. Auch bei einer Brücke sind Anpassungen notwendig. Bei allen zu verbreiternden Abschnitten müssen der Wildzaun versetzt und die Signalisation angepasst werden.

Das Astra hat das Projekt zur Pannenstreifenumnutzung öffentlich aufgelegt. Seit dem 19. Juni und noch bis zum 19. August sind die Pläne bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion und auf der Bauverwaltung der Gemeinde Pratteln einzusehen.

Die Kosten für die Verbreiterungen beziffert das Astra auf rund 4,9 Millionen Franken, mit der Fertigstellung wird bis 2019 gerechnet. Enteignungen sind laut Sprecherin Widmer kaum notwendig. Nur für die Nothaltebucht müsse Land erworben werden, eine einvernehmliche Lösung sei aber in Sicht.