Der FHNW-Campus Muttenz hat seine Bewährungsprobe bereits hinter sich. Der grösste Standort der vierkantonalen Hochschule ist vor mehr als fünf Wochen in Betrieb gegangen. Am Montag war nun die feierliche Einweihung mit bundesrätlichem Besuch. Der zeitliche Abstand zwischen Eröffnung und Einweihung hatte den Vorteil, dass die Spitzen von FHNW und Kanton die ersten Erfahrungswerte mitteilen konnten – und die lobenden Worte über den 300-Millionen-Bau somit auf der Realität fussten.

FHNW-Neubau: Einmal von oben nach unten im Schnelldurchlauf.

Ein Thema in den Ansprachen an der Medienkonferenz war etwa das Spitzenbrechen. So heisst die Massnahme, mit der verhindert werden soll, dass von den rund 4000 Studierenden zuviel auf einmal in Muttenz eintreffen. Die Lektionen wurden so angesetzt, dass sie stündlich und halbstündlich beginnen. Der SBB rangen FHNW und Kanton zudem ab, dass sie morgens zwei Schnellzüge in Muttenz halten lässt. «Wir sind weltweit der erste Hochschulcampus, der den Unterricht konsequent zeitlich gestaffelt angesetzt hat», sagte Ruedi Hofer zur bz. Laut dem FHNW-Standortleiter beider Basel sind die ersten Erfahrungen positiv ausgefallen seit der Eröffnung des Campus am 17. September. «Aber wir müssen weiterhin analysieren, wie sich die Studierenden verhalten. Das kann man trotz aller Studien, Berechnungen und Erfahrungswerte nie genau vorhersagen.»

Das sagen die Studis zum FHNW-Neubau

Das sagen die Studis zum FHNW-Neubau

Kantonsarchitekt Marco Frigerio blickte ein Jahrzehnt zurück. 2007/08 seien die ersten Studien ausgearbeitet worden. Wo heute der 65-Meter-Block throne, seien zuvor unter anderem Eisenbahnerhäuschen und ein Gewerbebau gestanden – inklusive Swingerclub. Der Landerwerb habe sich kompliziert gestaltet, erinnerte sich Frigerio. Beim Hochbauamt seien einige delikate Fragen aufgetaucht: «Darf der Kanton diese Einfamilienhäuser kaufen? Muss er einen Swingerclub kaufen? Wie sieht das denn aus?» Das Geschäft habe viel Fingerspitzengefühl gebraucht.

So sieht der neue FHNW-Campus in Muttenz aus

«Symbol der Verankerung»

Monica Gschwind erwähnte den «Mut», den man im Kanton gehabt habe, «auch in eher mageren Jahren erheblich Mittel für diesen grosszügigen Neubau zur Verfügung zu stellen». Zwar habe der Landrat die Mittel gedeckelt, sagte die Baselbieter Bildungsdirektorin. Trotzdem sei ein gelungener, prächtiger Bau entstanden. FHNW-Direktionspräsident Crispino Bergamaschi gab das Lob gleich zurück: Der Bau sei ein Symbol der Verankerung der Hochschule im Kanton Baselland.

Breite Brüstungen entschärft

Für Sabine Pegoraro war die gestrige Einweihung eine Dernière. Die Baselbieter Baudirektorin tritt bei den Wahlen 2019 nicht mehr an. Für sie sei es die letzte Einweihung, die sie als Regierungsrätin begehe, sagte Pegoraro, und fügte an: Es sei auch das grösste Objekt, dass sie je eingeweiht habe.

Die ersten Nachbesserungen hat der Neubau schon hinter sich. So sind auf den breiten Brüstungen im Atrium Aufsätze montiert worden – die Abschrägungen sollen verhindern, dass auf den Flächen Gegenstände wie etwa Getränkeflaschen abgestellt werden. Sie könnten herunterfallen und jemanden verletzten. Diese Gefahr ist jetzt gebannt.