35 Ausstellungen zu den verschiedensten Facetten des Ersten Weltkriegs sind demnächst und zum Teil schon jetzt am Oberrhein zu sehen. Organisiert werden sie vom Netzwerk Museen, in dem Geschichtsmuseen aus der Region Mitglied sind. Ab kommenden Mittwoch, 25. Juni, beginnt im Lörracher Dreiländermuseum die trinationale Überblicksausstellung «Die zerrissene Region».

«Wir zeigen nicht den Kriegsverlauf, sondern werfen einen deutlichen Blick auf die Zivilgesellschaft, die Propaganda und die Folgen des Krieges», erklärte Museumsleiter Markus Moehring anlässlich der Medienkonferenz zur Vorstellung der Ausstellung.

Möchte jemand einen der in Lörrach gezeigten Aspekte vertiefen, ist dies in einer der 35 Ausstellungen möglich. So thematisiert das Historische Museum Olten die Befestigungsanlagen am Hauenstein, in Porrentruy geht es um die Ereignisse im Jura und im Vogesenort Saint-Amarin um eines der wenigen Täler im Elsass, das die französischen Truppen schon nach Beginn des Ersten Weltkriegs eingenommen hatten.

«Sammlung wurde gezielt trinational erweitert»

Grundlage der Lörracher Ausstellung ist die mit über 1000 Objekten umfangreiche eigene Sammlung des Museums, von ihr werden 400 Objekte gezeigt. «Begonnen hatte damit schon während des Ersten Weltkriegs der Museumsgründer. In den letzten 20 Jahren haben wir die Sammlung gezielt trinational erweitert», erläuterte Moehring.

Viele Propagandaplakate, die zu Beginn der Ausstellung zu sehen sind, riefen zur Zeichnung von Kriegsanleihen auf. «Die Zeit ist hart, aber der Sieg ist sicher», heisst es auf dem deutschen Aufruf zur siebten Kriegsanleihe, das als Garant der Popularität ein Porträt des beliebten Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg zeigte. Stärker als Frankreich finanzierte Deutschland den Krieg über Anleihen, weshalb die deutsche Niederlage auch viele deutsche Sparer ruinierte.

In der Schweiz werden Grenzbesetzung, Mobilisation und Heimkehr durch etliche Postkarten und Lithografien thematisiert, die zu sehen sind. Auf einem I-Pad lässt sich in der Ausstellung Carl Spittelers Rede «Unser Schweizer Standpunkt» nachlesen.

Ausgestellt werden neben Fahnen und Uniformen, Gewehren und Eisenpfeilen, die von Flugzeugen abgeworfen wurden, auch sentimentale Abschiedsszenen und eindrückliche Gemälde des Markgräfler Malers Adolf Riedlin, der 1914 als Soldat schwer verwundet wurde. Nach der Niederlage des Deutschen Reichs mussten zwischen November 1918 und September 1920 zwischen 110'000 und 150'000 Einwohner Elsass-Lothringen, die erneut französische Region, in Richtung Deutschland verlassen.

Um der Propaganda und der mächtigen Zensur etwas entgegenzusetzen, zeigen die Ausstellungsmacher den in Paris produzierten Parcours «Aus Schlamm und Tränen» mit bewegenden 3-D-Ansichten aus dem Schützengraben. Unterlegt wird die sechsminütige Abfolge von Original-Horrorfotos mit anrührenden Zitaten aus deutschen und französischen Frontbriefen.