Egal ob eine deutsche Raststätte, ein teures Restaurant in Paris oder ein Hotel in den Vereinigten Staaten. Suchen Laufentaler im Ausland das stille Örtchen auf, überkommen sie gelegentlich heimatliche Gefühle. In zahlreichen Ländern findet sich Sanitärkeramik, die von der Keramik Laufen AG hergestellt wurde. In diesem Jahr feiert das Traditionsunternehmen mit Sitz im Städtchen Laufen sein 125-Jahr-Jubiläum.

Der Betrieb trägt den Namen Laufen hinaus in die Toiletten und die Badezimmer in aller Welt. Der Schriftzug der Firma erfreut sich seit Jahren internationaler Bekanntheit. «Die Keramik Laufen AG verfolgt eine erfolgreiche Markenpolitik», erklärt der Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler. Der Büsseracher kennt das Unternehmen gut und pflegt einen engen Kontakt mit den Verantwortlichen. Der Betrieb sei einer der regionalen Pioniere bei der industriellen Fertigung und später bei der Internationalisierung. «Sie haben es geschafft, sich über das Tal hinaus zu entwickeln.» Dasselbe gelte selbstverständlich auch für die Ricola, den zweiten weltweit renommierten Betrieb aus Laufen. Er selber habe einige Freunde und Kollegen, die für den Bad-Fabrikanten tätig seien.

Ein Viertel arbeitet in Laufen

Neben den Isola-Werken in Breitenbach ist die Keramik Laufen AG wohl das Unternehmen, in dem am meisten Menschen aus dem Laufental und dem angrenzenden Schwarzbubenland arbeiteten. Es gibt kaum jemanden in dieser Region, der nicht zumindest einen Verwandten hat, der irgendwann bei der Firma seinen Lohn verdiente. Derzeit hat der Betrieb 1800 Mitarbeitende, von denen rund ein Viertel in Laufen beschäftigt ist. Im zurückliegenden Jahr erzielte man einen Umsatz von rund 300 Millionen Franken.

Von solchen Zahlen konnten die Gründer der ehemaligen Tonwarenfabrik Laufen nur träumen. 1892 riefen Albert Borer, Johann Spillmann und Joseph Gerster-Roth die Mutterfirma ins Leben. In den ersten Jahrzehnten des Bestehens wurden erfolgreich Ziegel- und Backsteine produziert. In der Mitte der Zwanzigerjahre begann die AG für keramische Industrie, eine Tochtergesellschaft, mit der Herstellung von Schüttsteinen und Wandbecken. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von einem konstanten Ausbau, der 1967 in der Übernahme einer österreichischen Firma für Sanitärkeramik gipfelte. In den beiden Produktionsstätten in Gmunden und Wilhelmsburg produziert die Keramik Laufen AG noch heute. In den frühen Neunzigerjahren kamen zwei weitere Werke in Tschechien hinzu.

In den insgesamt fünf Produktionsstätten entstehen jährlich rund zwei Millionen Produkte. Dazu gehören Toiletten, Lavabos, Bidets, Badewannen, Duschwannen und Whirl-Systeme. Bei deren Gestaltung arbeitet die Keramik Laufen AG immer wieder mit angesehenen Designern zusammen. Letzter grosser Wurf war vor einigen Jahren die Entwicklung der sogenannten Saphir-Keramik, bei welcher der keramischen Masse das Mineral Korund beigemischt wird. Dadurch wird sie härter und biegsamer und erlaubt so Produkte mit deutlich engeren Radien, als dies bis anhin möglich gewesen war.

Firma ist in spanischer Hand

Seit dem Jahr 1999 gehört die Keramik Laufen AG zur spanischen Roca-Gruppe. Mit 20 000 Mitarbeitern ist der Betrieb aus Barcelona der grösste Sanitärkeramik-Hersteller der Welt. Durch die Übernahme der Keramik Laufen AG konnte Roca zum Branchenleader aufsteigen.

Für die Laufner Firma bedeute der Verkauf das Ende einer mehrere Jahre andauernden Krise. Diese hatte ihren Ursprung in einer missglückten Expansion. In wenigen Jahren erwarb die damalige Führung ganze 18 Unternehmen aus den Bereichen Sanitärkeramik, Geschirr, Grobkeramik und Fliesen. Resultat waren ein massiver Stellenabbau und ein gigantischer Schuldenberg.

Als die Übernahme durch die Roca damals ruchbar wurde, kursierten Gerüchte über eine Abwanderung der Firma ins Ausland. Urs Steiner, der während dieser Zeit als Stadtpräsident in Laufen tätig war, erinnert sich: «Wir verfolgten die Entwicklungen mit Sorge, da wir nicht wussten, was Roca vorhat.» Wahrscheinlich habe dieser Schritt jedoch die Rettung der Keramik Laufen AG bedeutet, findet er rückblickend. «Und auch das Städtchen Laufen konnte sich dadurch wirtschaftlich erholen.»

Eigener Showroom in Laufen

Allen Unkenrufen zum Trotz bekannten sich die Spanier zum Produktionsstandort Laufen. Zudem holten sie den Westschweizer Armaturen-Produzenten Similor AG ins Städtchen Laufen. Seit 2009 produziert die Keramik Laufen im neuen Produktionsgebäude an der Wahlenstrasse. Nebenan befindet sich seither mit dem Laufen Forum ein durchgestylter, mehrfach mit Preisen ausgezeichneter Showroom, in dem das Unternehmen seine Produkte ausstellt. Oftmals finden dort Anlässe rund um Bad und Architektur statt.

Der Name Laufen, der zu einem Markenzeichen geworden ist, bindet das Unternehmen an die Region», sagt Standortförderer Thomas Kübler. Es sei kaum denkbar, dass man den Hauptsitz nicht in Laufen habe. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt könne die Keramik Laufen AG von der Nähe zu Deutschland und Frankreich profitieren. «Nichtsdestotrotz ist der Konkurrenzdruck riesig.» Er könne sich gut vorstellen, dass die Führung den Standort Laufen immer wieder vor sich selbst und den Eignern legitimieren müsse.