«Die Energiezukunft 2050 kann kommen», ist das Fazit des EBL-Geschäftsführers Tobias Andrist nach einer Woche «Experiment Anwil 2050». Die 580 Einwohner des relativ abgelegenen Juradorfs auf 588 Metern über Meer hatten vom vergangenen Montag bis Samstag komplett auf E-Mobilität umgestellt; selbst die Müllabfuhr kam mit einem elektrischen Fahrzeug.

Die Elektra Baselland (EBL) hatte diesen Test organisiert und präsentierte an der Podiumsdiskussion am Freitagabend in der Anwiler Mehrzweckhalle erste Ergebnisse. Für Andrist ist deshalb klar: «Die Technologie für den Energiewandel ist da; und die EBL ist bereit.» 

Über 27'000 Kilometer

Die Anwiler waren demnach bis Freitagabend 27'341 Kilometer mit insgesamt 142 Elektrofahrzeugen gefahren: 97 Autos, 25 E-Bikes, je ein Gemeindefahrzeug, Handwerkerfahrzeug und der erwähnte Müllkipper sowie elf E-Mobile, die bereits Anwilern gehört hatten.

Dabei wurden laut Tobias Andrist 3,8 Tonnen CO2 (Kohlenstoffdioxid) eingespart. Die EBL stellte für das Experiment 30 Langsam- und zwei Schnellladestationen für die E-Fahrzeuge auf; der Strombedarf im Ort sei deshalb um 8,5 Prozent gestiegen, mit Leistungsspitzen von 100 Prozent. Dank der 27 Photovoltaikanlagen im Dorf habe der Zusatzbedarf ausschliesslich mit erneuerbarer Energie gedeckt werden können.

Auch das Stromnetz sei stabil, der befürchtete Blackout ausgeblieben: «Auf dem Land ist das gut machbar; die Stromnetze wurden hier konservativ geplant. Aber schon in urbanen Quartieren wie in Liestal dürfte es Probleme geben.»

Gemeinderats-Vizepräsident Marcel König berichtete von einer positiven, lockeren Stimmung im Dorf: «Es war deutlich ruhiger als sonst. Ab und zu hörte man nur ein Suuuuuum; das kam mir fast mystisch vor.» Das Experiment habe «schon etwas im Denken» geändert, sagte er.

Seiner Meinung nach habe es sich gelohnt, «Dinge auszuprobieren, denen man skeptisch gegenüber eingestellt ist: Aber das kann man auf jedes Thema anwenden.» Auch Podiumsleiter Tobias Müller, bekannt als Moderator der SRF-Sendung «Einstein», sah in «Anwil 2050» Möglichkeiten, «die Leute zu begeistern».

«Der Star der Familie»

EBL-Chef Andrist lobte die Anwiler: «Die Bereitschaft mitzumachen war beeindruckend gross.» Er zitierte einige Reaktionen der Bevölkerung: «Ein fabelhaftes Auto; ich wills gar nicht mehr hergeben. Der Star der Familie.»

Andere hätten von problemlosen Fahrten nach Zürich und Bern berichtet. Die EBL errechnete den Anwilern eine Ersparnis von 880 Tonnen CO2 und 570'000 Franken für Benzin, wenn das ganze Dorf mit den Erstfahrzeugen auf E-Mobilität umstiege. Als Müller die Anwiler im Saal allerdings fragte, wer sich nun ein Elektroauto zulegen werde, hob sich nur eine Hand.

Die hohen Anfangskosten, sich ein Elektroauto zuzulegen, sieht Tobias Andrist durchaus als Problem. Florence Brenzikofer, Grünen-Landrätin und Vizepräsidentin der nationalen Partei, forderte deshalb, vor allem den öffentlichen Verkehr auf Elektroantrieb umzustellen: «Hier ist die Schweiz noch weit hintendran im europäischen Vergleich.»

Das erfolgreiche Experiment helfe, der Politik zu zeigen, «dass es funktioniert». Auch das Gemeindeauto mit Elektroantrieb, das sich die Verwaltungsmitarbeiter teilten, sei ein Anfang, den auch andere Gemeinden relativ einfach umsetzen könnten.

Ein weiterer Aspekt des Experiments neben der E-Mobilität war für die EBL das Stromsparen im Haus. Sie hatte deshalb einen Wettbewerb zwischen zwei Anwiler Familien ausgerufen, deren Häuser zu «Smarthomes» – vernetzten Häusern zur effizienten Energienutzung – umgerüstet wurden: Wer den Stromverbrauch während der Woche im Vergleich zu einem zuvor überwachten Zeitraum mehr reduzieren hatte können, durfte die Einrichtung behalten. Beide Familien konnten laut Andrist beeindruckende 68 Prozent Energie einsparen und durften beide die Technik behalten.