Mit dem Tod von Lislott Pfaff, die 1931 in Liestal geboren wurde, ist eine markante Baselbieter Stimme für immer verstummt. Sie wird aber in ihrem literarischen und publizistischen Werk weiterleben. Ihr Baselbieter Dütsch in Gedichten und Prosatexten ist stark vom Lieschtlemer Dialekt geprägt. Dabei achtete sie aber stets auf eine gepflegte Mundartsprache, ohne der phonetischen Schrift sklavisch verfallen zu sein. Wir waren uns einig, dass die Phonetik zur Linguistik und damit zur Wissenschaft gehört, literarische Texte aber vor allem lesefreundlich sein müssten.

Lislott Pfaff war zuerst als Fremdsprachenkorrespondentin im In- und Ausland tätig, später dann als medizinwissenschaftliche Übersetzerin in einem Basler Pharmakonzern. Dort erhielt sie Einblick in die medizinische Forschung und in die damit verbundenen Tierversuche. Was sie dort gesehen hatte, machte sie zu einer vehementen Gegnerin dieser Versuchslabors mit Tieren. Dagegen hatte sie dezidiert gekämpft, in zahlreichen Gastkommentaren, Leserbriefen und zuletzt in ihrer Novelle «Chemie der Leidenschaften», die 2015 im Verlag Johannes Petri herausgekommen war. Hier zeigte sie sich als erstaunlich gut informierte Autorin, die auch sprachlich überzeugte.

«Alice» und Schyzo-Vreneli»

Als Ur-Liestalerin beobachtete und kommentierte sie das Geschehen in ihrem Stedtli mit wachen Augen und spitzer Feder in ihrer Kolumne «D Alice meint» in der Oberbaselbieter Zeitung. Mit Witz und Ironie, dabei etwas distanziert, aber immer liebevoll, stand sie dem Fortschritt oft kritisch gegenüber. Das und ihr tapferes Einstehen für die Tiere brachte ihr auch öfters Kritik ein. Immer wusste sie aber damit souverän umzugehen. Eine Lislott Pfaff liess sich nie entmutigen. Mit der gleichen scharfen Zunge und pointensicheren Versen zog sie an der Fasnacht auch jahrelang als Schnitzelbänklere «Schyzo-Vreneli» durch Liestals Wirtschaften und hatte die Lacher stets auf ihrer Seite.

Lebwohl, Summervogel, und hab Dank für dein beherztes und unerschrockenes Schreiben. Du bleibst auch für mich als treuer, wenn auch nicht immer unkritischer Weggefährte ein Vorbild an Aufrichtigkeit und Einstehen für seine Überzeugungen. Jetzt hast du, Lislott, die Metamorphose durchgestanden, und der Schmetterling in dir ist zu jener Harmonie aufgebrochen, die du ein Leben lang gesucht hattest.