«Wir sind zu dritt im Verein. Den neuen Lagerraum haben wir seit letztem Dezember», sagt Claudio Speiser auf dem Weg zu dem geheimen Ort, wo der Verein Feuerkunst-Pyrotechnik seine Feuerwerkskörper wie Schätze lagert. «Wir wollen nicht, dass jemand einbricht und unbefugt explosives Material stiehlt, darum halten wir den Ort geheim», erklärt Speiser.

Er ist Präsident und der kreative Kopf des Vereins, der nebst anderen Aufträgen seit fünf Jahren das Nationalfeier-Feuerwerk in Roggenburg am 31. Juli durchführt. Wer sich Speiser als pyromanischen Zünzgerlibueb vorstellt, liegt meilenweit daneben. Ruhig, sachlich und konzentriert räumt er sechs Zoll grosse Feuerwerkskugeln in eine Kartonschachtel.

Minutiöses Programmieren

«Das Material für Roggenburg passt auf ein einziges Palett. Das können wir gut zu dritt bewältigen», sagt Speiser. Die Sechs-Zoll-Kugeln sind die grössten dieser Art, die in Roggenburg gezündet werden. «Das hier ist ein Goldregen. Aber es gibt in dieser Grösse ganz verschiedene Formen und Farben.» Nebst grösseren und kleineren Kugeln kommen auch buntes Bengalfeuerwerk und sogenannte Cakes, Kisten mit einzelnen Kometen, die serienartig geschossen werden, zum Einsatz. All diese einzelnen Elemente zu einem gesamten Feuerwerk zusammenzusetzen, bedeutet für Speiser viel Arbeit.

Er erzählt: «Für das musiksynchrone Feuerwerk in Roggenburg, das acht Minuten dauert, habe ich 15 Stunden mit Programmieren verbracht.» Programmieren bedeutet in diesem Fall, bis auf die Zehntelsekunde genau die Reihenfolge, die Art des Geschosses, Zünd- und Sichtbarkeitsdauer und den Abschusswinkel in den Computer einzugeben, damit am 31. Juli dann alles reibungslos abläuft. «Seit drei Jahren machen wir Feuerwerke auch musiksynchron. Das heisst, alles muss genau zum Rhythmus der Musik passen», sagt Speiser. Doch welche Musik erwartet nun die Zuschauer in Roggenburg dieses Jahr? «Das bleibt eine Überraschung.»

Feuerwerke mit Botschaft

«Was für mich die Faszination von Feuerwerk ausmacht, ist die Vergänglichkeit», sagt Speiser. «Das Feuerwerk gibt es so nur einmal und danach kann es nie mehr gleich sein. Das macht es speziell.» Er legt grossen Wert auf die Bedeutung jedes seiner Feuerwerke. «Ich will damit Träume verschenken, Geschichten erzählen und eine Botschaft vermitteln», sagt Speiser. «Die immer gleichen Feuerwerke ohne tieferen Sinn, welche die grossen Firmen abfeuern, finde ich langweilig und inhaltlos.»

Er persönlich arbeite wochen- oder sogar monatelang an dem Konzept seiner Feuerwerke. «Zuerst suche ich ein Thema, dann die passende Musik.» Der Vorteil seines Vereins sei, dass er nicht rentieren müsse. «Wir machen das als Hobby und müssen nicht davon leben können. Daher müssen wir nur unsere Unkosten decken. Meine persönliche Arbeitszeit verrechne ich nicht.»

Speiser freut sich auf den Abend in Roggenburg, auch wenn der Aufbau noch viel Konzentration fordert. «Wir haben dort immer viel Lob für unsere Arbeit bekommen und es herrscht eine gewisse Kollegialität vor Ort.» Augenzwinkernd fügt er hinzu: «Und das Grillteam ist unschlagbar.»