Kein Zweifel, die Liestaler Grünen haben ein erfolgreiches Wahljahr hinter sich. So haben sie im März einen zusätzlichen Einwohnerratssitz und vor allem im Juni mit Lukas Ott erstmals in ihrer Geschichte das Stadtpräsidium gewonnen. Doch die Erfolge werden überschattet durch den unrühmlichen Zickzackkurs rund um den Quartierplan Ziegelhof: Bei dessen ersten Lesung im Einwohnerrat waren die Grünen dagegen, bei der zweiten kurz vor der Stadtpräsidiumswahl enthielten sie sich mit einer Ausnahme der Stimme, um dann nach Otts Krönung die Nein-Parole für die Urnenabstimmung herauszugeben.

Und jetzt, ein paar Wochen nach der für die Grünen enttäuschend verlaufenen Ziegelhof-Abstimmung, tritt der Vorstand der Grünen Liestal praktisch geschlossen zurück und wird durch eine neue Crew ersetzt. Ein Zusammenhang? «Das zeitliche Zusammenfallen ist reiner Zufall», sagt Esther Maag, die neue Präsidentin ad interim. Die Stabübergabe sei von langer Hand vorbereitet gewesen und «ohne irgendwelche Misstöne» abgelaufen.

Nationalrat reizt Maag

Und dass sie den Vorsitz nur ad interim übernehme, habe mit ihrer persönlichen Situation zu tun: «Ich habe das nicht gesucht, sondern liess mich dazu überreden, weil man jemanden mit Erfahrung wollte. Ich bin schon im kantonalen und nationalen Vorstand der Grünen und es wird mir jetzt schon ein bisschen viel.» Auf ihrem Radar hat die einstige Landratspräsidentin denn auch nicht die Liestaler Lokalpolitik, sondern die nationale Ebene: «Falls ich nochmals einen politischen Einstieg suche, dann bei den Nationalratswahlen in drei Jahren.»

Auf der Liestaler Sektionsebene hofft sie, dass in Bälde eines der neuen Vorstandsmitglieder – «am tollsten wäre jemand von den Jungen» – den Laden als Co- oder Vizepräsident zusammen mit ihr schmeisst.

Keine Maulkörbe

Auch der abgetretene Sektionspräsident Jürg Holinger verneint Differenzen, gesteht aber ein, dass die Grünen rund ums Ziegelhofprojekt geschickter hätten vorgehen können: «Wir hätten früher melden müssen, dass wir dagegen sind.» Dass die Grünen vor der Stadtpräsidiumswahl ein öffentliches Redeverbot gegen das Ziegelhofprojekt erlassen hätten, wie es hie und da kolportiert wird, bestreitet Holinger: «Wir verteilen keine Maulkörbe, wollten aber nicht aktiv an Ständen gegen das Vorhaben stehen.»

Für Holinger ist die Vorstandserneuerung sehr erfreulich, denn es sei alles andere als selbstverständlich, dass junge Leute für diese Arbeit gewonnen werden könnten. Bei den Grünen Liestal stellen sich mit Maria Dickson, Anna Ott, Roman Schmied und Albert Siegwart jetzt gerade vier Junge zur Verfügung. Der zurückgetretene Vorstand dagegen sei an Lebens- beziehungsweise Amtsjahren überaltert und habe seinen Rückzug schon 2011 beschlossen, sagt Holinger und fügt mit einem Lächeln an: «Ein 68-jähriger Grossvater wie ich passt nicht mehr zum Jungen-Image der Grünen.»