«Respektiere dich selbst. Respektiere die anderen. Und übernimm Verantwortung für alles, was du tust.» Mit diesem Spruch des Dalai Lama leitet das Alters- und Pflegeheim Madle in Pratteln sein Leitbild ein. Doch nun sind bereits zwei Monate seit einem Bericht der Konsumentensendung Kassensturz vergangen.

Die Angehörigen, die im Beitrag gravierende Vorwürfe gegen die Heimverantwortlichen erheben, haben seit dann anscheinend nichts mehr gehört von Seiten Madle.

Es geht um mehrfach unerkannte Bronchitis, eine nicht installierte Notfallglocke, Pfleger, die trotz Glocke lange auf sich warten lassen, freiheitsbeschränkende Massnahmen und langzeitige Verabreichung von Beruhigungsmittel ohne Information der Angehörigen und ein über eine Woche lang unbemerkter Hüftbruch.

Gemeinderäte im Stiftungsrat

Es scheint so, als ob nach den erheblichen Vorwürfen die Verantwortlichen auf Tauchstation gegangen sind. Das Heim ist aber nicht einfach von einer privaten Stiftung getragen, sondern von den Gemeinden Pratteln, Augst und Giebenach.

Präsidentin des Stiftungsrates ist Elisabeth Schiltknecht. Sie ist SP-Gemeinderätin in Pratteln. Ihr Exekutiv-Kollege Max Hippenmeyer (FDP) ist auch Mitglied des Stiftungsrates.

Vizepräsident der Stiftung ist Hansjörg Steiner. Er ist Gemeinderat in Augst. Und Georges-André Etienne, Vizegemeindepräsident von Giebenach, hat ebenfalls Einsitz im Gremium.

Gemeinderätin und Stiftungsratspräsidentin Schiltknecht meint auf Anfrage der bz: «Anscheinend haben Sie unsere Stellungnahme zur Kassensturzanfrage nicht gesehen.» Damit lässt sie gleich viel verlauten wie vor zwei Monaten gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Für Schiltknecht ist die Geschichte beendet, die Geschehnisse kalter Kaffee: So handle es sich ausschliesslich um Vorwürfe/Konflikte vom Dezember 2010, welche man dann und im ersten Quartal 2011 zusammen mit den Angehörigen «bearbeitet» habe.

«Aus Personen- und Datenschutzgründen kann das Heim gegenüber Dritten keine weiteren Auskünfte dazu abgeben», sagt sie zum Schluss.

Einer der Angehörigen, die damals im Kassensturz berichteten, ist Gerd Ruder. Er ist enttäuscht über die «unprofessionelle Kommunikation» des Madle. Schildknechts Antwort wundert ihn nicht. «Hinter dem Datenschutz und den Patientenrechten kann vieles versteckt werden», sagt er.

Er und andere Angehörige der mittlerweile verstorbenen Bewohner hätten mehrfach das Gespräch gesucht, dann aber resigniert aufgegeben, weil die Gespräche nichts gebracht hätten.Die Angehörigen würden als Störfaktor empfunden.

Das Heim betont, stets zum Wohl der Bewohner gehandelt zu haben. Für Ruder hat der Stiftungsrat hingegen «nur das Wohl des Kaders und der Institution gepflegt».

Unabhängige fordern Antworten

Die Geschehnisse im Madle kommen nun auch aufs politische Parkett. Dominik Holenstein von den Unabhängigen hat eine Interpellation für die nächste Einwohnerratssitzung vom 26. August eingereicht. Ruder ist «nicht unglücklich» über das Engagement der Unabhängigen.

Ruder, der ebenfalls im Einwohnerrat sitzt, ist wie Schiltknecht bei den Sozialdemokraten. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit wollte Ruder die Angelegenheit ursprünglich aber nicht politisieren: «Egal, wer im Stiftungsrat sitzt, sie sollen professionell handeln.»

Oder nach den Worten im Madle-Leitbild: Respektiere dich, andere und übernimm Verantwortung für deine Taten.