Frau Fasnacht und Petrus hatten am Samstagnachmittag offenbar ein Stillhalteabkommen getroffen. Der Andrang entlang der Hauptstrasse vom Coop-Kreisel bis zum Kreisel Bruggstrasse/ Birsigtalstrasse war erheblich, als sich am Samstag um 14 Uhr der Umzug in Bewegung setzte. Da der Verkehr Richtung Therwil nicht unterbrochen werden durfte, kam es zu Staus. Einmal mehr hatten die Teilnehmer bei der Umsetzung der Fantasien nicht gespart. Die Reinacher Nuscheli-Waggis mit Perücken aus Stroh und Nasen aus Tannzapfen verteilten Kartoffeln. Die Nochwuchs-Waggis Birseck schossen sich auf Angela Merkel und die Griechenlandkrise ein, wobei ein Vers zum Flüchtlingsthema eher peinlich war. Überhaupt vermisste man sowohl auf den Wagen wie auch auf den meisten Zeedeln griffige Pointen.

Von Drogenkaffee bis Fifa

D’Chatzebuggler aus Aesch gestalteten ihren Wagen sehr schön mit dem Sujet des Rekorddrogenfundes in einer Ladung Kaffee für die Migros. Da hiess es:

Dr neusti Migros-Party-Hit,

Delica-Kaffi mit wissem Shit.

D’Granate-Schnägge hatten zwar ein charmantes fahrbares Fachwerkhaus, aber ein etwas schiefer Spruch liess ratlos. Bissiger waren die Kiwi-Frässer aus Oberwil, die das neue Lichtmanagement der Gemeinde aufs Korn nahmen und reimten:

Z Oberwil wärde d Liechter glöscht.

Jo s’Sparfuchs Lotti isch die Gröscht.

S’längt für 30-er Zone, Temposchwelle,

doch eifach nümme fürs Helle.

D’Birs-Pirate aus Aesch mussten natürlich eine Hommage an Marco Streller lancieren: «Stägglibuebe, wildi Zyte, feschte hesch chönne, das tuet niemer bestritte.» So harmlos daher kam auch der Zeedel der Deluxe-Waggis, die den Tod von Pierre Brice alias Winnetou ganz unironisch betrauerten: «Winnetou, du blibsch in unserne Härze, mir vermiss di mit Schmärze.» Witziger war da schon der Zeedel der Gschrubte, die das Fifa-Debakel und Sepp Blatter ins Visier nahmen:

Si legge ei Charte no dr andere, ‹Tschau› isch scho gseit.

Aber dr Sepp isch nonig ganz uss dem Verein uusegheit.

Sujets aus dem Alltag der Reinacher

Auf dem wunderschönen Wagen der Waldgeister, die hinter Gittern gehalten wurden, waren die Game-Manie und das Handy Thema, wobei ein konkreter Bezug zum Reinacher Schulalltag hergestellt wurde. Auf dem Wagen stand «Dr Tüüfel bringt diir nur Päch und hypnotisiert dii ganz fräch.» Der Zeedel gehört zum Besten der diesjährigen Fasnacht. Da hiess es zur Smartphone-Manie: «Hööred uff mit däm Seich! Düend nuur loose! Glyy händ iir suscht Duume-Arthroose!»

Die Schilderung des Schulalltags ist ergötzlich zu lesen, obwohl die geschilderten Zustände alles andere als lustig sind. Das Zeedel-Motto der Istiger heisst «Springsch mit uff?» Hier werden Sprungturmboykott, Werkhofschliessung, Fussball und der Versuch der SVP, im Blagettengeschäft mitzumischen, munter zusammengewürfelt. So heisst es da: «E Schwümmbi ohni Sprungturm isch, wie e Rynacher Beiz ganz ohni Tisch.» Schliesslich spielt die Oserclique auf ihrem Wagen auf den neuen Mercedes-SUV der Reinacher Polizei an:

Rynach muess spaare,

drum düen si jetzt 1. Klass fahre.

Sie düen flissig Buesse schriebe,

drum chönne si mitem Auto übertriebe.

Der Reinacher Waggis-Wagen der Zünftigen machte auf das Inter-GGA-, Wahl- und Spartheater aufmerksam und liess verlauten: «Dr alti Sprungturm dörf nümme läbe, im Chromstahlbad chasch s’Füdli bädele.»

Die Zunft-Waggis machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube und reimten: «Dr Ober-Kasperli, s’isch leider wohr, wird bestimmt dr Glych wie die letschte Joor.»

Guggenbombastischer Abschluss

Für den akustischen Drive sorgten die Guggenmusigen aus der Region. Die Schissdräggzygli, von denen es eine Menge gab, setzten poetische Tupfer im teils lauten Zug. Nach Beginn des Guggekonzerts vor dem Gemeindezentrum strömten die Massen wieder ins Zentrum, das einem riesigen Rummelplatz glich. Das Fasnachtskomitee Rynach hat auch dieses Jahr ganze Arbeit geleistet.