50 Jahre Bürgergemeinde Bubendorf, 20 Jahre Forstrevier Riedbach: Die Jubiläen sind Anlass zu einer grossen Waldexkursion. Was erwartet die Besucher? Wie geht es dem Wald? Revierförster Balz Recher antwortet.

Der heisse und trockene Sommer hat vor allem Buchen und Rottannen teils arg zugesetzt. Wie sieht es in Ihrem Forstrevier aus?

Balz Recher: Wir sind momentan am Holzen von Buchen, die dürr werden. Das sind hauptsächlich ältere Bäume. Rund ein Drittel dieser Stämme sind kaputt; sie liefern bloss Energieholz, sonst sind sie nicht mehr brauchbar. Statt 100 Franken für einen Kubikmeter gibt es bloss noch die Hälfte, was finanziell einen massiven Verlust bedeutet. Wie es weitergeht, wissen wir nicht. Die Trockenheit ist noch nicht zu Ende.

Und die Rottannen?

Sie sind vom Borkenkäfer befallen – vor drei Wochen vom einen auf den anderen Tag. Im ganzen Revier haben wir überall Nester, wie ich es während meiner gut 30-jährigen beruflichen Tätigkeit noch nie erlebt habe. Das ist auch eine Folge der Hitze. Wir haben damit gerecht, dass sich der Borkenkäfer viel früher bemerkbar macht, weil der Frühling ebenfalls trocken gewesen ist. Dafür ist es jetzt umso gravierender. Beim Nadelholz ist der Markt total zusammengebrochen. Der Sturm Burglind Anfang Jahr fällte schon mehr Holz als erwartet.

Im Bloond zwischen Bubendorf und Ziefen haben Sie etliche Bäume geschlagen. Geschah dies aus Sicherheitsgründen?

Teils – und das wird immer öfters der Fall sein. Aber wir können gar nicht mehr so schnell reagieren, wie es überall losgeht. Seit Januar sind jede Woche irgendwo Bäume umgestürzt – ohne irgendwelchen Sturmeinfluss. Wir machen nur noch Totengräberarbeit. Bei dieser Trockenheit wird das Holz spröde; Äste brechen ab, ganze Bäume fallen zu Boden. Zudem sind Buchen und Eichen voller Nüsse wie noch selten, auch Fichten tragen derart viele Zapfen, dass sie diese Last nicht mehr tragen können. Ebenfalls problematisch ist die Eschenwelke, bei der wir rigoros eingreifen müssen, um zu verhindern, dass Bäume spontan umstürzen. Die dünnen Fichten hingegen wurden im Rahmen einer ganz normalen Pflegedurchforstung gefällt. Dies hat nichts mit der Trockenheit zu tun.

Sind die Folgen dieses Sommers für den Wald schon absehbar?

Nein, das wird sich erst nächstes Jahr zeigen.

Was würde ein trockener Herbst und danach noch ein eiskalter Winter bedeuten?

Das wäre eine extreme Belastungsprobe für den Wald.

Müssen bei uns künftig vermehrt Bäume gepflanzt werden, die resistenter sind gegen heisses und trockenes Wetter?

Das tun wir bereits. Wir setzen dort, wo es ideal ist, vermehrt auf Eichen. Wir beobachten, dass ihre Kronen derzeit noch ziemlich vital aussehen verglichen mit Buchen, die braun sind und stark leiden. Dazu kommen weitere Laubbäume und Nadelhölzer, die besser auf die Klimaerwärmung reagieren, wie beispielsweise die Douglasien. Und je länger, je mehr werden Versuche gemacht mit anderen Baumarten wie Atlaszedern, die aus südlichen Regionen mit wenig Niederschlag stammen und trotzdem eine gewisse Kälteresistenz besitzen.

Sie haben die negativen finanziellen Auswirkungen angesprochen. Was heisst das für die Waldbesitzer?

Der ökonomische Druck steigt, weil die Einnahmen aus dem Holzerlös rückläufig sind. Die Waldeigentümer fühlen sich im Stich gelassen. Wenn sich in der Landwirtschaft eine Krise abzeichnet, dann verstreichen keine zwei Wochen, und schon wird in Bern ein Kässeli geöffnet und Geld fliesst. Aber im Forst, der immerhin ein Drittel der Landschaft bewirtschaftet, geschieht nicht viel. Viele der Sofortmassnahmen, die wir jetzt im Rahmen der Sicherheit ausführen, werden nur wegen der Erholungsfunktion des Waldes durchgeführt. Somit sollte sich auch die Allgemeinheit an den Kosten beteiligen.

Morgen Samstag führt das Forstrevier Riedbach eine grosse Waldexkursion durch. Was zeigen Sie dem Publikum?

Wir präsentieren die verschiedenen Möglichkeiten der Holzhauerei. Ein Helikopter ist vor Ort. Mit ihm demonstrieren wir, wie man spezielle Fälle lösen kann. Mit dem Vollernter führen wir vor, wie die maschinelle Holzernte funktioniert. An Posten zeigen wir, was mit dem geschlagenen Holz geschieht, welche Schäden Buchen wegen der Trockenheit aufweisen und wie wichtig die Arbeitssicherheit in unserem Beruf ist.

Soll dieser Anlass auch Verständnis in der Bevölkerung wecken für Ihre Tätigkeit?

Auf jeden Fall. Wir organisieren jährlich eine Waldexkursion in Bubendorf. Zu unserem Jubiläum steht nach 2004 nun wieder ein grösserer Anlass mit allen vier Reviergemeinden an.
Nicht selten begehren Leute auf, wenn in grossem Mass Bäume gefällt werden. Sollte die

Öffentlichkeit nicht noch stärker informiert werden, wenn Sie Holzschläge planen?

Das machen wir ja. Aber in der Regel erreichen wir die Personen, die dann reklamieren, trotzdem nicht. Diese lassen sich auch an Waldexkursionen nicht blicken. Solche Leute interessieren sich nicht wirklich für unseren Wald. Wir sollten noch viel mehr Holz nutzen, weil unsere Wälder massiv überaltert sind.

Grosse Waldexkursion morgen Samstag, 13.30 Uhr; Treffpunkt ist im Bloond/Kreuzholz in Ziefen.