Deutlicher kann es Oliver Jacobi nicht sagen: «Waldenburg wird durch den Bau der dritten Belchenröhre nicht entlastet. Es wird im Stedtli deswegen nicht weniger Verkehr geben.»

Der Baselbieter Kantonsingenieur dämpft damit die Erwartungen, die viele der umliegenden Gemeinden mit dem Sanierungsplan des Belchentunnels verbinden. Momentan existiere bloss eine Umweltverträglichkeitserlaubnis für den gleichzeitigen Betrieb von zwei Röhren. Will heissen: Bloss weil es am Belchen staut, wird der dritte Tunnel wohl nie geöffnet werden.

Ein Tunnel wäre viel zu teuer

Dies ist aber nur eine von zwei Hiobsbotschaften, die Jacobi dem Stedtli Waldenburg überbringt. Die zweite lautet: «Eine Tunnelumfahrung Waldenburgs hat bei uns momentan die Priorität null.» Damit scheint Waldenburgs Vizegemeindepräsidentin Margrit Aebi recht zu behalten: «Lieber als die dritte Belchenröhre hätten wir den Umfahrungstunnel. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben», sagte sie als erste Reaktion in der vergangenen Woche.

Seit mindestens 30 Jahren geistert dieses Anliegen durchs Dorf – und fand schliesslich gar den Weg in den kantonalen Richtplan. Doch weiter ging es nie. «Als kleine Gemeinde haben wir leider keine Lobby und sind auf den Goodwill des Kantons angewiesen», sagt Gemeindeverwalter Markus Meyer.

Er wie auch Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann würden eine Umfahrung sehr begrüssen, da das Stedtli aufgewertet würde. Doch Jacobi stellt klar: «Ein Tunnel ist rund zehnmal teurer als eine offene Strasse. Das liegt nicht drin.» Überhaupt stellt er mit Blick auf die Verkehrszahlen die Dringlichkeit infrage. 2900 Fahrzeuge passierten Waldenburg 2011 pro Tag. Zum Vergleich: Die Liestaler Rheinstrasse zählt täglich 44000.

Herausfordernde Totalsperrung

Das sieht man im Bezirkshauptort anders. Nicht zuletzt, dass die einzige unbeschränkt befahrbare Schwerverkehrsroute Richtung Zürich durchs Waldenburgertal und über den Hauenstein führe, sei störend. Kaufmann: «Es geht teilweise um Millimeter.» Dagegen helfe auch keine Tunnelumfahrung, sagt Jacobi. Zu gross müsste die Röhre sein.

Des Weiteren befürchten die Waldenburger, dass die Hauptstrasse nach ihrer Mitte 2013 anstehenden Sanierung nicht mehr alle Transporte schlucken kann. Sie wird nämlich im Dorfkern auf Einspurigkeit verengt. «Die Breite über Trottoirhöhe bleibt dieselbe», beruhigt Jacobi. Problematischer wird es während der Sanierungsphase: Waldenburg wird während sechs Wochen für jeglichen Verkehr gesperrt – ohne Umleitung. Schwertransporte müssen dieses Zeitfenster also meiden. Sogar die Rettungsdienste rücken dann je nach Seite von Balsthal oder Liestal aus. Der kommende Sommer dürfte also die ruhigste Phase werden, die Waldenburg je erlebt hat – wenn da nur nicht die Sanierungsbaustelle wäre.