Mehr Polizeipatrouillen sollen dem Baselbiet mehr Sicherheit bringen. Die dazu nötigen Kapazitäten will die Polizeileitung mit der Schliessung von sieben kleineren Posten gewinnen. Waldenburg will für einen Verbleib des Postens kämpfen

Da kann der Baselbieter Polizeikommandant Mark Burkhard noch lange einschränken, dass er die Reorganisation der Kantonspolizei nicht bloss auf die Frage der Postenschliessungen reduziert sehen will. Auf dem Weg, die gesamte Polizei mobiler zu machen, die Patrouillenstärke und Strassenpräsenz um 20 Prozent zu erhöhen sowie die gesamte Organisation zu entschlacken, bildet die Reduktion der Posten bloss einen von vier Reformbausteinen.

Viel wichtiger aus Polizeisicht ist etwa die personelle Frage. Rund 80 Neu- oder Umbesetzungen sind im Korps vorgesehen, die Hauptabteilung Verkehrspolizei und die neu gebildete Hauptabteilung Planung/Einsatz erhalten neue Chefs. Vizekommandant Beat Naef, der bisherige Verkehrspolizei-Chef, wird sich künftig um die Bereiche Kommunikation, Personal, Ausbildung und Rechtsdienst kümmern. Zudem wird mit der Mobilen Polizei eine völlig neue Einsatzabteilung gebildet.

Trotzdem wird sich die öffentliche Diskussion in den nächsten Tagen wohl einzig um die Schliessungen drehen. Das zeigte sich bereits gestern: Kaum hatten die Spitzen von Sicherheitsdirektion und Polizei die Details dieser Strukturreform bekannt gegeben, kamen aus Waldenburg sehr kämpferische Töne. Sie sei vom Vorgehen des Kantons masslos enttäuscht, ärgerte sich Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann im Gespräch mit der bz.

Nach einer ersten allgemeinen Information Ende August sei ein für den 25. Oktober anberaumtes Treffen ohne Angabe von Gründen abgesagt worden. Gestern Vormittag wurde sie bloss kurz am Telefon von Sicherheitsdirektor Isaac Reber über den Entscheid informiert. Wenn jetzt der Kanton mit den Gemeindebehörden im Waldenburgertal nochmals reden möchte, dann werde sie ganz gewiss nicht von ihrem bisherigen Standpunkt abrücken: «Ich sehe den Grund für diese Postenschliessung nicht. Die ganze Polizei-Reorganisation kann auch ohne Schliessung in Waldenburg durchgeführt werden.»

34 Patrouillen mehr

Im Grundsatz stimmt dem auch Isaac Reber zu. Selbst wenn aus Sicht der Polizeistrategie die Dinge eindeutig liegen: Dank der Postenschliessungen und des dadurch frei werdenden Personals wird die Baselbieter Polizei im Wochenschnitt 34 Zwei-Personen-Patrouillen mehr losschicken können. Wenn man diese Kapazität schwerpunktmässig einsetzt, dann werde dies völlig neue Einsatzmöglichkeiten ergeben, verspricht Kommandant Burkhard. Die bisherigen Erfolge im Kampf gegen den Kriminaltourismus (minus 30 Prozent im 2015) könnten konsolidiert und ausgeweitet, die Prävention verbessert und die Einsatzzeiten verkürzt werden. Gerade im Kampf gegen die Einbrecher seien die Abschreckung durch Strassenpräsenz und die mobilen Einsatzmöglichkeiten entscheidend.

Sicherheitspolizei-Chef Beat Krattiger verweist auf ein aktuelles Beispiel: Vor 14 Tagen gab es im Landkanton mit 50 Einbruchdiebstählen eine saisonale Spitze. Die Baselbieter Polizei reagierte mit einem Schwerpunkteinsatz, was die Zahl der Einbrüche in der vergangenen Woche auf «sehr niedrige» 15 Einbrüche senkte. Das Problem hierbei sei, dass mit den jetzigen Strukturen ein solcher Einsatzrhythmus nicht auf die Dauer aufrecht zu erhalten sei, ohne im Korps personellen Raubbau zu betreiben. Mit der neuen Organisation wird die Mobile Polizei zahlenmässig verstärkt und bildet zusammen mit dem Personal der übrig gebliebenen neun Posten das Patrouillen-Element.

Geringe Kriminalitätsrate

«Es ist noch nie ein Einbrecher auf einem Polizeiposten verhaftet worden», merkt Reber markig an. Zudem sei gerade im Bezirk Waldenburg die Kriminalität mit 2,4 Prozent aller im Landkanton begangenen Delikte die mit Abstand geringste. Im am stärksten belasteten Bezirk Arlesheim beträgt sie 63,2 Prozent. Die zehn Gemeinden mit der geringsten Kriminalitätsrate verfügen über keinen eigenen Posten, wirft Reber zugunsten der Postenschliessungen in die Waagschale. Doch davon lässt sich FDP-Gemeindepräsidentin Kaufmann nicht beeindrucken: «Die Kriminalität ist gerade darum bei uns so niedrig, weil unsere tüchtigen Polizisten das Dorfleben in- und auswendig kennen.» Ohne sie könnte die Kriminalität wieder zunehmen.

So richtig mag Kaufmann aber nicht mehr an die Rettung des eigenen Vier-Mann-Postens glauben – auch wenn Reber zugibt, dass es Gründe gibt, die Waldenburg zu einem Spezialfall machen. Fällt dort der Posten weg, gibt es im ganzen Bezirk keinen mehr. Gleichzeitig würde die Distanz zum nächstliegenden Posten in Liestal so gross wie nirgendwo sonst. «Vielleicht finden wir ja noch eine Zwischenlösung», vertröstet Reber im Hinblick auf die angekündigte Aussprache, die noch dieses Jahr stattfinden soll.