Die eidgenössische Abstimmung zu «Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi)» vom 9. Februar hat neben den Ausbauprojekten im Ergolz- und Laufental Auswirkungen auf den Unterhalt, etwa bei der Erneuerung Infrastruktur der Waldenburgerbahn (WB).

Herr Steiner, in kleinem Kreis sagten Sie: «Wenn Fabi nicht kommt, ist das Waldenburgertal tot» ...

Urs Steiner: Vor Abstimmungen soll man nicht drohen, und in dieser Form ist das sicherlich übertrieben. Aber die WB ist die Lebensader des Tals, für die Wirtschaft, für den Berufs-, Schüler- und den Freizeitverkehr, und dafür müssen wir grösste Sorge tragen.

Ist es so wichtig, dass da Schienen liegen? Ginge es nicht mit Bussen?

Vor rund zwei Jahren hat man zusammen mit dem Kanton von null auf die Bahn strategisch hinterfragt: Bahn oder Bus? Verlängerung nach Salina Raurica etc.? Glasklares Ergebnis: Die WB muss eine Bahn bleiben. Sonst bringen wir die Leute aus dem Tal in den Stosszeiten nicht rechtzeitig auf den Knotenpunkt Liestal.

Die Strassen im Tal sind doch für Busse breit genug.

Wenn in der Stosszeit alle gleichzeitig in Liestal auf den Zug wollen, befördern wir pro Fahrt 300 bis 350 Personen. Dies wären drei bis vier Busse gleichzeitig; was allein schon wegen der Zufahrt zum Bahnhof in Liestal nicht möglich ist. Wir könnten keine pünktlichen Anschlüsse garantieren.

Welche Rolle spielt denn Fabi für die Existenz der WB?

Es geht um die Erneuerung der Infrastruktur für 200 Millionen Franken. So müssen wir das Lichtraumprofil und die Zugsicherung dem Eisenbahngesetz anpassen. Und die Zugänge zu den Bahnhöfen wie auch die Haltekanten der Perrons müssen zusammen mit dem neuen Rollmaterial dem Behindertengleichstellungsgesetz entsprechen.

Handelt es sich nicht um eine helvetisch perfekte Luxussanierung?

Ich habe mir die Bahnen der Schweiz in den letzten zwei Jahren bewusst angeschaut: Die WB gehört zu den am stärksten veralteten Bahnen von allen. Es geht um Investitionen für das nächste halbe Jahrhundert. Unser heutiges Rollmaterial würde zwar vielleicht noch 20 Jahre halten. Wenn aber Infrastruktur und Rollmaterial nicht den gesetzlichen Vorschriften entspricht, besteht die grosse Gefahr, die Betriebsbewilligung zu verlieren. Der Niederflureinstieg ist unter anderem für Behinderte entscheidend und gesetzlich vorgeschrieben.

Welcher Anteil dieser 200 Millionen soll von Fabi kommen?

2014 bis 2016 muss der erste Teil der Infrastruktur gebaut werden, damit ab 2018 das neue Rollmaterial darauf laufen kann. Diese erste Tranche kostet gemäss Landratsvorlage 45 Millionen, davon kommen vom Bund 15 Millionen. Die sind vom Bund gesichert. Für 2017 bis 2020 sind weitere Investitionen von 155 Millionen vorgesehen. Diese würden voll durch Fabi finanziert. Insgesamt sind also 170 Millionen Franken Bundesmittel budgetiert. Die Rechnung ist einfach: Fehlen 155 Millionen aus dem Fabi-Topf, habe ich starke Zweifel, ob der Kanton diesen Anteil finanzieren würde. Auf jeden Fall käme zeitlich wie finanziell viel Sand ins Getriebe. Deshalb ist Fabi nicht nur für die WB wichtig, sondern für das Waldenburgertal, damit es als Randregion weiterhin erschlossen bleibt.

Die Abstimmung wird aber eidgenössisch entschieden, nicht in Hölstein oder Oberdorf.

Das ist richtig. Aber schauen wir ins Laufental: Seit Jahren fordert man die Umfahrung Zwingen-Laufen. Geht es aber bei der Vignettenabstimmung um die Finanzierung, hat man kein Gehör. Solch eine Blamage müssen wir im Waldenburgertal vermeiden: Ich erwarte ein wuchtiges Ja für Fabi. Sollte es entgegen meiner Erwartungen ein Nein geben, müsste ich mich als Verwaltungsratspräsident der WB fragen, ob das Tal die Bahn will. Und im Landrat wäre, falls man über eine Finanzierung durch den Kanton diskutieren müsste, ein Nein aus dem Waldenburgertal eine schwere Hypothek. Anderseits wird ein wuchtiges Ja die Regierung in Pflicht nehmen, haben wir doch einen für den öV guten Eigenfinanzierungsgrad von rund 50 Prozent.

Die Gegner argumentieren, dass mit Fabi die Autofahrer die Bahn mitfinanzieren müssten und die Mehrwertsteuer steigt.

Als WB-Verwaltungsratspräsident habe ich den lokalen Hut auf. Dabei richte ich auch ein Auge auf andere Infrastrukturprojekte in der Region: Entflechtung Pratteln, Ostkopf Basel SBB, Doppelspur Laufental, Wendegleis Liestal – zusammen Projekte, für welche die Region Basel rund eine Milliarde Franken erhalten soll. Das Nein der Wirtschaftskammer bezieht sich auf die Finanzpolitik des Bundes. Ich weiss aber, dass Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser klar für die Waldenburgerbahn und den Laufentaler Doppelspur-Ausbau ist.

Beim Verdichten des S-Bahn-Takts geht es um grosse Passagierzahlen. Aus dem Waldenburgertal hingegen kommen nur wenige. Lohnt sich der Aufwand?

Auch die Randregionen gehören zum Baselbiet. Wir müssen die Randregionen stärken, dafür kämpfe ich.