Die Initiative "Ja zum Austritt aus dem überteuerten und gescheiterten Harmos-Konkordat" war von Initianten des Komitees Starke Schule Baselland Ende Februar lanciert worden. Wie der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland (LVB) dazu steht, erläuterten Verantwortliche des Verbands am Dienstag vor den Medien in Liestal.

In einer Mitgliederbefragung zur Initiative hätten nur 22 Prozent der Antwortenden für den HarmoS-Verbleib votiert, sagte LVB-Interimspräsident Michael Weiss. Viele konnten sich aber gar nicht zu einer Antwort entschliessen, was Weiss als Zeichen einer Verunsicherung deutete.

LVB : "gewaltige Ernüchterung"

Die LVB-Geschäftsleitung erachtet die Harmonisierung der Schweizer Schullandschaft nach wie vor als erstrebenswert. Doch über die Art und Weise, wie diese angepackt wurde, sei eine gewaltige Ernüchterung eingetreten. Nicht eingehaltene Zusagen hätten einen Vertrauensverlust in die Bildungspolitik bewirkt.

Unter dem Titel der Bildungsharmonisierung sei zudem eine Fülle von Projekten angerissen worden, die das machbare Mass überschreite. Das Versprechen, die Mobilitätsprobleme zu beseitigen, werde jedoch nicht eingelöst, und die kantonalen Schulsysteme seien seit 2006 sogar weiter auseinandergedriftet. Für die Bevölkerung sei HarmoS zudem primär ein Kostenfaktor.

Bei einem Ausstieg aus HarmoS würde Baselland dagegen keine "Bildungsinsel", sagten die Geschäftsleitungsvertreter des LVB weiter. Schon aufgegleiste Massnahmen müssten nicht zurückgenommen werden. Doch könnte wieder dem Grundsatz "Sorgfalt vor Tempo" nachgelebt und nur umgesetzt werden, was wirklich die Komptabilität der kantonalen Schulsysteme verbessert.

Für den LVB sei die "HarmoS-Türe noch einen Spalt weit offen. Aber die Baselbieter Bildungs- Kultur- und Sportdirektion (BKSD) und die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) müssten die Skeptiker ernst nehmen statt deren Anliegen ins Lächerliche zu ziehen. Andernfalls wäre die Ausstiegsinitiative das letzte Mittel, hiess es an der Medienkonferenz.

Gegen Abbau auf Sekundarstufe

In einem weiteren Punkt fordert der LVB eine deutliche Erhöhung des fachwissenschaftlichen Anteils an der Sekundarlehrerausbildung. Zudem will er einen "verantwortungsvollen Umgang" mit Kombifächern, wie sie der Lehrplan 21 als Kombination bisheriger Fächer wie Geschichte, Geographie oder Biologie, Chemie und Physik vorsieht.

Die vom Kanton bisher bevorzugte Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule (PH) und die Kombifächer führten in diesem Bereich zu einem Abbau, der bisher nie kommuniziert worden sei, wurde kritisiert. Der LVB nimmt damit Forderungen auf, für die ein Komitee innerhalb des Verbands innert zwei Monaten über 1100 Unterschriften gesammelt hat.

Noch einen Schritt weiter geht eine Volksinitiative, die ebenfalls bereits Ende Februar das Komitee Starke Schule Baselland lanciert hat. Dieses Begehren will, dass die fachwissenschaftliche Ausbildung von Lehrkräften der Sekundarstufe 1 wieder an einer Universität oder ETH statt an der PH stattfindet.