Der Zoologe Walter Salzburger von der Universität Basel hat zweitausend Buntbarsch-Arten, die in ostafrikanischen Seen leben, untersucht. Seine Arbeit präsentierte er am Wochenende bei der jährlichen Zusammenkunft der weltweit grössten wissenschaftlichen Gesellschaft, der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Chicago (USA).

Die dreizehn Darwinfinkenarten auf den Galapagos Inseln sind für Biologen schon seit vielen Jahren das Paradebeispiel, wie biologische Vielfalt durch unterschiedliche Umweltbedingungen und Lebensweisen entsteht. Die Vögel unterscheiden sich vom Körperbau kaum. Ihre Schnäbel sind jedoch ganz anders gebaut, je nachdem, ob sie Nektar, harte oder weiche Samen fressen, Insekten aus dem Boden stochern, Früchte anpicken oder Blut von Seevögeln zapfen.

Fischmäuler an Nahrung angepasst

Ähnliche Formenvielfalt sei bei den zweitausend Buntbarsch-Arten, die in Ostafrika im Tanganjikasee, dem Viktoriasee und Malawisee leben, entstanden, erklärte Salzburger gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Fischfresser etwa seien oft torpedoförmig wie ein Barrakuda und haben grosse Mäuler mit spitzen Zähnen.

"Algenfresser sind kompakt gebaut und haben ein Gebiss, mit dem man gut Grünzeug von Felsen kratzen kann, und Planktonfresser haben Mäuler, die sie wie Pipetten ausstülpen", sagte er. Buntbarsche, die anderen Arten die Schuppen vom Körper fressen, hätten ein auf die Seite gerichtetes Maul - oft bei der Hälfte solcher Fische nach links, bei den anderen nach rechts.

Anhand dieser bunten Schar von Barschen kann Salzburger mit seinem Team gut erforschen, wie biologische Vielfalt entsteht. Im neuen, vom ERC geförderten Projekt wird er dafür alle Arten des Tanganjikasees genetisch, von der Lebensweise (ökologisch) und dem Körperbau nach (morphologisch) charakterisieren. Diese Daten könne man dann wiederum verknüpfen, erklärte er.

Angeln für die Wissenschaft

Salzburger fliegt mit seinem Team jedes Jahr mindestens zweimal für einen Monat nach Ostafrika, wo sie die Barsche tauchend in ihre Netze treiben, angeln, mit Fallen fangen oder den einheimischen Fischern abkaufen. Es gäbe auf der Erde wohl kein anderes Beispiel, wo durch die Anpassung an unterschiedliche ökologische Nischen so viele Arten und grosse Vielfalt entstanden sind.

Wenn sich die Umweltbedingungen ändern, weil zum Beispiel der Wasserspiegel steigt oder sinkt, hinterlasse das Spuren im Erbgut, erklärte der Biologe. "Wir sehen oft, dass etwa Seespiegelschwankungen dazu führen, dass Arten hybridisieren, ihre genetische Vielfalt stark verringert wird, oder auch neue Arten entstehen, wenn mit einem erhöhten Seespiegel andere Lebensräume erschlossen werden", sagte er.

Felchen in Schweizer Seen

Ähnliche Effekte hat ein Team der Wasserforschungsanstalt Eawag bei Felchen in den Schweizer Voralpenseen nachgewiesen. Überdüngung hat laut den Wissenschaftlern dazu geführt, dass dort die Vielfalt der Felchenarten stark zurückgegangen ist, und zwar um 40 Prozent zwischen 1950 und 1990.